An Horse - Rearrange beds

An Horse- Rearrange beds

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 19.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Liebes Tagebuch

Die Besucher der 2008er Tour von Tegan And Sara könnten sich womöglich auf dem Heimweg fundamentale Fragen gestellt haben: Saß meine schnittige Frisur? War ich textsicher genug, um in der Menge frenetisch feiernder Anhänger nicht unterzugehen? Oder aber auch: Warum hatte die Vorgruppe die besseren Tegan-And-Sara-Songs? Das eröffnende Duo von einst heißt An Horse, kommt aus Brisbane, durfte bereits in der Kult-Show von Late-Night-Pionier David Letterman auftreten und spielte zusammen mit den Indie-Lieblingen Death Cab For Cutie einige Konzerte. Große Unterstützer haben sie also auf ihrer Seite, was selten von Nachteil ist und in der Vergangenheit ziemlich häufig als Sprungbrett in das Pop-Business genutzt werden konnte. Auch Chef-Rezeptionist Thees Uhlmann vom Hamburger Geschmackslabel Grand Hotel van Cleef ist mittlerweile Feuer und Flamme und schwärmt in höchsten Tönen von der ersten Frau auf dem Label. Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis Kate Cooper und Damon Cox mit pulsierenden Halsschlagadern und diesem kleinen Album in den Händen an unsere Haustüren klopfen und um Einlass bitten würden.

Ihr Debüt-Album "Rearrange beds" ist dabei ein sprudelnder Jungbrunnen an gemeinen Ohrwürmern, die sich mit einer Vehemenz in die Gehörgänge graben, als gelte es, dort den Heiligen Gral zu finden. Die zehn Stücke - plus zwei exklusive Akustik-Variationen - gefallen in ihrer handlichen Kürze von meist nicht mehr als drei Minuten, in denen Cooper anzügliche Bettgeschichten erzählt, die sie mit einer solch kindlichen Naivität vorträgt, als singe sie von Puppenhäusern und Kaubonbons. So in etwa funktionierte das ja auch immer bei Tegan And Sara als diese noch zärtliche Nabelschauen komponierten. Wer beim flinken Opener "Camp out" nicht mindestens ein Schmunzeln auf den Lippen hat, schläft in eisernen Jungfrauen und trägt dabei grimmig grunzend Cannibal-Corpse-Shirts. Ein weiteres kleines Highlight dieses Debüts ist das traurige "Company", ein bittersüßer Song, der von Sehnsucht und Herzschmerz berichtet.

"Rearrange beds" ist wie das Tagebuch einer jungen Frau, die schon viel zu oft enttäuscht wurde, um noch an die wahre Liebe zu glauben, es aber trotzdem immer wieder versucht. Das Gegenteil eines Pawlowschen Hundes, vielleicht. Jedenfalls campen hier Aufrichtigkeit und Melancholie unverhüllt unter freiem Himmel, was sämtlichen Respekt abverlangt. Dass Songs wie das wirbelnde und fantastisch betitelte "Scared as fuck" darüber hinaus prima als Trostpflaster und Muntermacher funktionieren, haben ja schon ganz andere bemerkt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Camp out
  • Company
  • Rearrange beds

Tracklist

  1. Camp out
  2. Postcards
  3. Company
  4. Horizons
  5. Rearrange beds
  6. Little little little
  7. Little lungs
  8. Scared as fuck
  9. Shoes watch
  10. Listen
  11. Camp out (acoustic) (Bonus Track)
  12. Scared as fuck (acoustic) (Bonus Track)

Gesamtspielzeit: 43:20 min.

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