Eskobar - There's only now

Eskobar- There's only now

V2 / Zomba
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Minor earth, major sky

Eine uralte Musikantenweisheit besagt: "Wer sich die Meßlatte mit dem ersten Album zu hoch legt, wird spätestens mit dem zweiten daran scheitern." Eskobar haben sich diese bedeutungsvollen Worte scheinbar zu Herzen genommen. Denn im letzten Jahr haben die Schweden mit "Til we're dead" wohlweislich ein Debüt vorgelegt, das vornehmlich gepflegte Langeweile zu bieten hatte und mit dem sie hinter der Konkurrenz von Coldplay oder JJ72 im Orchester der melancholischen Popmusik nur die zweite Geige übernahmen.

Höchste Zeit also für einen zweiten Anfang. Mit diesem schweifen die Schweden nicht nur in die Ferne, sondern wollen hoch hinaus, um sich dem "blue sky above us" zu nähern.Mit den Worten "Some go into space / To find another race" spielen Eskobar in der ersten Singleauskopplung "Into space" auf ein oft (u.a. The Prodigy, Mellow Trax) gesampletes Stück von Max Romeo an. Und zumindest in mancher Hinsicht scheinen sie in den unendlichen Weiten des Weltraums fündig geworden zu sein. Denn neben dem zarten, an die jüngsten Werke von A-Ha oder New Order erinnernden Synthie-Schmelz sind es vor allem die außerirdischen Soundeffekte, die den Sound von Eskobar in neue Dimensionen vorstoßen lassen.

Um Bodenhaftung dreht es sich auch bei "On the ground", dem besten Song des Albums und möglicherweise sogar einer der schönsten Schnulzen des Jahres. "You were much too busy being free / No time to be with me". Das Leben ist ein Kommen und Gehen. Und Eskobar versuchen es aufzuhalten, Zeit und Ort auf "now" zu bremsen und zum Stillstand zu bringen. Doch alles fließt und bewegt sich. Auch mit "Why London?" schallt Bellqvists wunderbar trauriger Appell, hierzubleiben und sich von der englischen Metropole fernzuhalten, ins Leere. Wenigstens scheint Heather Nova, die als Gast für "Someone new" im Studio vorbeischneite, ihm noch zuzuhören. Wenn Heather kiekst und Daniel schmachtet, verzeiht man den beiden dank der wohligen Gänsehaut auch Zeilen wie "Deep below it burns / And the feeling still remains". Ausnahmsweise. Weil es Heather ist.

Dagegen leisten sich die drei Schweden im Alleingang die eine oder andere textliche Entgleisung. Wenn Bellqvist "I think of you my only love" intoniert und später auf ein "I worship you" hin auch noch wie ein räudiger Hund ein "I doooooooo" jauchzt, steht der Kopf kurz vorm Platzen. Doch zum Glück gibt es da noch die zartbitteren Melodien, die den drohenden Brummschädel im Nu kurieren. "Maybe we could save the day" ist mehr als nur ein leeres Versprechen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Why London?
  • On the ground
  • Tell me I'm wrong
  • Someone new (feat. Heather Nova)

Tracklist

  1. Move on
  2. Why London?
  3. On the ground
  4. Into space
  5. Tell me I'm wrong
  6. Worship you
  7. Save the day
  8. Something is lost
  9. Skyscraper
  10. Someone new (feat. Heather Nova)
  11. Snowman

Gesamtspielzeit: 40:41 min.

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