Nedry - Condors

Nedry- Condors

Monotreme / Cargo
VÖ: 12.02.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Level 256

Die Jungs tief gebeugt über allerlei Homerecording-Spielgerät, die Nase beinahe in den Teppichflusen, die Stirn gekräuselt, der Rückenschaden (Achtung!) vorprogrammiert. Dazwischen die holde Weiblichkeit: lauschend, mit dem Mikrofon in der Hand, ungemein konzentriert auf ihren Einsatz wartend und doch auch zu allerlei Schabernack bereit - die gute Seele des Hauses. Ja, das ist ein Klischee, doch irgendwie stimmt es auch bei Nedry und ihrem Debüt "Condors". Was das Londoner Trio interessiert, sind Knöpfchen und Frequenzen. Auf der einen Seite. Auf der anderen steht Ayu Okakitas Gesang, der zwischen Beth Gibbons, Björk und Katie Jane Garside seinen Puppentanz vollzieht. Daneben aber herrscht als Drittes ein analog bezupftes Dunkel, das sich zwischen klar voranschreitenden Beats und tranceartigen Flächen als katatonisch-geisterhafter Schatten in den Untiefen von "Condors" vor und zurück bewegt.

In der Dämmerung dieses Dunkels lässt sich dann auch von den Protagonisten vorerst Abstand nehmen. Denn in all ihrer so unerklärlich harmonisiernden Clash-Ästhetik wollen diese Songs im Aktiv erzählt werden. "Squid cat battle" etwa kontert eine leicht säuselnd verhallende Grunge-Gitarre mit Mr.-Oizo-Bässen, ordentlich Klickerdiklacker und Pistolenschuss-Snares. Lässt beides zunächst hintereinanderprallen, um es schließlich auf der Leitlinie von Okakitas manisch hereinbrechendem Gesang zusammenzufügen. "Scattered" hingegen drahtseilt über den schmalen Grad zwischen Kraftwerk- und Trans-Am-Bratz-Frequenzen und schießt ein melancholisch-kraftmeierndes Foo-Fighters-Riff unter einen stotternden Amen-Breakbeat. Einmal im Funk gelandet, verfolgt auch der/den Titelsong eine knarzende und schnatternde Bass-Gitarren-Schleife. Unterstützt durch einige Bongos und Congas werden Stimmung und Geschwindigkeit jedoch unmerklich heruntergeklatscht, sodass irgendwann auch wieder die Tagträumer-Gitarre ins Korsett passt. Bis schließlich einer von Okakitas ekstatisch delirierenden Vokal-Loops wie bei einer Séance den Funk wieder hereinruft. Der lässt sich zwar durchaus zweimal bitten, fegt dann aber um so satter durchs Gemäuer.

Die Akustikgitarre und der TripHop-Vibe von "Apples and pears" geben dem gegenüber zwar ein eindeutigeres Bild ab, aber auch hier schnalzt und schnattert die Elektrik, ohne zurückzustecken. Und spätestens wenn der knisternde und zirpende, dabei jedoch nicht minder zupackende Schamanentanz von "Where the dead birds go" das Album beendet, ist klar: Was "Condors" gelingt, ist eine Analogisierung urelektronischer Sounds und Gadgets, ohne diese selbst auch nur im Mindesten zu verändern oder anzugleichen. Dass uns Indie-Knallköppen von Plattentests.de genau das gefällt, sollte wohl selbstverständlich sein. Nedrys Musik ist es hingegen keineswegs. Ein 8-Bit-Pac-Man-Kondor, der sich wie auf dem Plattencover aus messerscharfen Details zusammensetzt und zu einem pixeligen, in sich verschobenen Ganzen verschwimmt. Unbegreiflich, dass so etwas einen derart unbändigen Appetit entwickeln und dabei auch noch so hoch und elegant fliegen kann.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Squid cat battle
  • Scattered
  • Condors

Tracklist

  1. A42
  2. Apples & pears
  3. Four layers of pink
  4. Squid cat battle
  5. Scattered
  6. Condors
  7. Swan ocean
  8. Where the dead birds go

Gesamtspielzeit: 31:28 min.

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