Alkaline Trio - This addiction

Alkaline Trio- This addiction

Hassle / Epitaph / Soulfood
VÖ: 19.02.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unsere kleine Farm

Von Zeit zu Zeit erinnert die Musiklandschaft etwas an "Animal Farm". Ja genau, George Orwell, Schweine und so. Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher. Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Ein Beispiel gefällig? Gerne. Da hätten wir folgenden Refrain: "With an ache in my heart and a thorn in my side / I got nowhere to run, no place left to hide / I got a burning temptation like clockwork orange of a sign / Feels like it's raining all the time." Ein Text, für den jede andere Band als weinerliche 08/15-Klischee-Emo-Kapelle abgestempelt und zu den Akten gelegt werden würde. Alkaline Trio nicht. Warum das nicht der Fall ist, lasst sich nur schwierig herleiten. Es sind eben Alkaline Trio. Natürlich haben selbst Fans hier und da mal etwas auszusetzen, selbstverständlich gehen Meinungen über die vorherigen Werke auseinander. Mal mehr, mal weniger Mainstream. Mal mehr, mal weniger Ecken. Aber insgesamt haben Matt Skiba und Co. noch nie einen schlechten Silberling auf die Menschheit losgelassen.

Das prägt und trifft auch auf Studioalbum Nummer sieben zu. "This addiction" ist eine schnörkellose, kompakt wirkende Zusammenstellung von elf knackigen Tracks geworden. Frei nach dem "Manchmal ist weniger mehr"-Vorsatz haben die Jungs aus Chicago fast durchgehend auf überladenden Schnickschnack und opulente Songstrukturen verzichtet. Ganz im Gegenteil. Eine Rückbesinnung auf die Anfangstage der Band tat ihr Übriges. Wozu lange schwadronieren, wenn weniger als drei Minuten vollkommen ausreichend sind. Der eröffnende Titeltrack gibt die Marschroute vor. Griffig-reduzierter Punkrock, der so simpel und gut gelaunt nach vorne geht, dass es mit jedem Hördurchgang mehr Wonne bereitet. Texte wie "You hit me just like heroin / I feel you coursing through my veins" greifen dabei - wie von Alkaline Trio gewohnt - tief in die Metapher-Kiste und verleihen neben Skibas markanter Stimme jedem Song das gewisse Extra.

Tracks wie "Dine, dine my darling" oder "Lead poisoning" fahren die gleiche Schiene und setzen sich sofort im Gehörgang fest, wobei letztgenannter Song zum Schluss mit einem in der Form nicht erwarteten Bläsereinsatz nochmals positiv überrascht. Erinnert irgendwie an NOFX, ohne dabei auch nur annähernd skalastig oder klamaukig zu klingen. Während das inhaltlich von Selbstmord geprägte "The American scream" musikalisch treibend voran rockt, bilden "Dead on the floor" und das abschließende "Fine" den etwas zurückgelehnteren Gegenpart. Oftmals hat man das Gefühl, den einen oder anderen Song schon einmal gehört zu haben. Vollkommen klar: Neu ist hier nichts. Aber im Gegensatz zu den eingangs erwähnten anderen "gleichen" Combos schafft das Trio es einfach, mit seiner Mixtur aus Melancholie, Zurückhaltung, Kraft und Eingängigkeit zu überzeugen. Egal ob "Draculina", "Eating me alive", "Dorothy" oder das oben zitierte "Piss and vinegar": alles nicht saugeil, aber tierisch gut.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • This addiction
  • Piss and vinegar
  • Dorothy

Tracklist

  1. This addiction
  2. Dine, dine my darling
  3. Lead poisoning
  4. Dead on the floor
  5. The American scream
  6. Off the map
  7. Draculina
  8. Eating me alive
  9. Piss and vinegar
  10. Dorothy
  11. Fine

Gesamtspielzeit: 34:24 min.

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