Benzin - Streichholzschachtelmasterplan

Benzin- Streichholzschachtelmasterplan

Mossbeach / Rough Trade
VÖ: 19.02.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Multifunktionsgerät

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum werden wieder die Buschtrommeln hervorgeholt. Denn mit dem etwas wortungetümerischen "Streichholzschachtelmasterplan" macht sich die ortsansässige Band Benzin erneut auf den Weg, um endlich auch ein größeres Stück vom Deutschrock-Kuchen abzubekommen. Was die Vorgängeralben "Soundtrack für dein Wochenende" und "Auf los geht's los" nicht ganz packten, soll nun also der "Streichholzschachtelmasterplan" richten. Dazu musste der Vierer in den letzten beiden Jahren erst einmal eine interne Arbeitsprozessdurchlaufoptimierung über sich ergehen lassen und ein klitzekleines bisschen am Bandsound herumschrauben. Herausgekommen ist erneut lauter Power-Punk-Pop, der aus jeder Kopfschmerztablettenverpackung am nächsten Morgen ruckzuck einen leeren Haufen Restmüll zaubert.

"Streichholzschachtelmasterplan" quillt über vor Energie und Kraft und kennt nur eine Richtung: Ab nach vorn! Ein Tipp: Das Album eignet sich damit hervorragend als Eierschalensollbruchstellenverursacher. Einfach mal ausprobieren und neben einer Frischeieraufbewahrungsbox laut aufdrehen. Dass dabei Inhaltliches machmal auf der Strecke bleibt, ist klar. Aber darum geht es auch gar nicht auf dem dritten Album der Ulmer. Hier geht es um den Spaß. Und Benzin haben mit "Streichholzschachtelmasterplan" ihr persönliches Funwachstumsbeschleunigungsgesetz verfasst. Die energetischen, leichtfüßigen Songs sprengen kaum die Drei-Minuten-Grenze und schimmern, wie auch die beiden Höhepunkte "Ich ich ich" oder "Hol mich hier raus", fast durchgängig mit netten Shoutalongs und schönen Hooklines.

Allein die Wirkung des Albums scheint so lange wie eine Einwegfeuerzeugstichflamme. Schade eigentlich, dass Benzin allzu oft simple Kopf-hoch-Plattitüden verwurschteln und am Ende manchmal nicht mehr als tumbes Liedgut à la "Oh, ich hasse den Herbst / Weil er den Sommer mit dem Winter verbindet" steht. Die Band kann ihre Stärken immer dann ausspielen, wenn sie das Bedeutungsschwangere einfach mal beiseite lässt und das Gaspedal bis zum Metal durchdrückt. Dann bleibt nämlich dieser lockerflockige Punkpop zum Mittanzen und Mitgröhlen. Auch wenn Benzin hier und dort den Eindruck nicht verwischen können, dass eine Abi-Schülerband mal so richtig rocken will. Dabei sind sie eine Formation, die in ähnlicher Zusammensetzung bereits seit über zehn Jahren besteht. Doch juvenile Energie ist nun auch nicht das Schlechteste, was man einer Band vorwerfen möchte. Kann man mal machen, so einen "Streichholzschachtelmasterplan".

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Ich ich ich
  • Hol mich hier raus

Tracklist

  1. Stopp
  2. Bewegung
  3. Alles was du sagst
  4. Ich ich ich
  5. Indiestar
  6. Europa
  7. Augen auf Ohren auf
  8. Hol mich hier raus
  9. Das Beste
  10. Herbst
  11. Streichholzschachtelmasterplan
  12. Mein Chaos ist Dein Chaos
  13. Fuenfzehn

Gesamtspielzeit: 39:25 min.

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