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Talking To Turtles - Monologue

Talking To Turtles- Monologue

DevilDuck / Indigo
VÖ: 22.01.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das richtige Falsch

Ein Königreich für einen Lektor! Auf der Rückseite des Covers von "Monologue" haben sich gleich zwei Fehler verewigt. Weder "trough" noch "glas" machen im Gesamtzusammenhang von "Stones trough thin glas" Sinn. Es sei denn, Talking To Turtles sängen tatsächlich von Konjunkturtälern, Tiedruckgebieten oder Bottichen, die sie in ihrer Jugend durch dünnes Glasfaserkabel warfen. Oder sie nutzen Fehler als Stilmittel. Künstlerische Freiheit würde man so etwas dann wohl nennen. Wahrscheinlich ist das Ganze aber nur Teil einer Haltung, die in der Entstehung der Musik begründet liegt. "Monologue" ist nämlich eine Platte, die in allerbester Do-it-yourself-Punkmanier daheim entstanden ist. Und da gehören Fehler nun einmal zum guten Ton. Nobody's perfect. Und das macht "Monologue" der beiden Bastler Claudia Göhler und Florian Sievers natürlich grundsätzlich erstmal sympathisch. Der Eindruck verflüchtigt sich auch nicht, je weiter man sich in die kleine LoFi-Welt von Talking To Turtles vorwagt.

Denn das Debütalbum der Berliner besticht vom ersten Ton von "Stones through thin glas" - wie es dann fast korrekt im Booklet heißt - durch warmen Minimal-Folk, der in seinen besten Momenten mittels wunderschöner, zweistimmiger Harmonien das Herz butterweich klopft. Das niedliche Geplänkel des eigentlichen Stars auf "Monologue", des Glockenspiels, steuert seinen Teil bei. Das Album ist einfach zu sympathisch, als dass man irgendetwas tatsächlich nicht zumindest mögen könnte. Zu den Höhepunkten zählen auch die Augenblicke, in denen sich, wie bei "Dive into the white", sanftes Elektro-Geplucker einen Weg durch die meist übersichtliche Akustik-Instrumentierung bahnt und den Songs einen Hauch mehr Fragilität verleiht, als sie eh schon haben.

Manchmal allerdings weiß "Monologue" nicht so recht, wohin es eigentlich möchte. Einzelne Songs verlieren sich ein wenig in ihrer Heim-Frickelei und den vielen schönen, kleinen Ideen. Da ist zum Beispiel "Can't make my day", das trotz aller Niedlichkeit irgendwie keinen richtigen Refrain findet und viel zu lange braucht, um nicht auf den Punkt zu kommen. Fortbewegung war gestern, heute geht alles nur im Schildkrötentempo voran. In Anbetracht der rund 37 Minuten Spielzeit von "Monologue" ist das aber gar keine schlechte Taktik, um das Album länger wirken zu lassen. Da kann man es sich als Hörer so richtig gemütlich machen und so tun, als würde man stundenlang dieser muckelig-warmen Platte lauschen. Scheiß auf den Lektor!

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Too rough
  • Dive into the white
  • Monster's teeth

Tracklist

  1. Stones through thin glas
  2. Can't make my day
  3. 25th anniversary
  4. Beam me up Scotty
  5. Too rough
  6. Dive into the white
  7. Turntable turns
  8. 20 years
  9. Notice my oh ohs
  10. Monster's teeth

Gesamtspielzeit: 36:45 min.

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