The Hot Rats - Turn ons

The Hot Rats- Turn ons

G & D / Indigo
VÖ: 05.02.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kanal voll

Das Erwachsenwerden wird überbewertet. Gut, im Grunde ist es eine feine Sache, die Füße nicht mehr unter den Tisch von jemand anders stellen zu müssen, einen Haufen eigenes Geld zu verdienen und vier Wände zu haben, in denen niemand meckert, wenn man im Morgengrauen angetütert das Schlüssellloch nicht findet. Doch auch dieses Neue wird irgendwann alt - und man selbst sowieso. Und irgendwann ist es albern, wie einst Supergrass auf dem Bonanzarad am Strand entlangzubrausen und "Alright" zu plärren. Weswegen die einstigen Brit-Pop-Heroen ihren wilden Zeiten vor einiger Zeit Lebewohl sagten, wobei ein Album wie "Road to Rouen" gar nicht einmal die schlechteste Alternative war. Aber hach: Es war halt schön gewesen damals.

Und was soll erst Nigel Godrich sagen? Der gilt seit seiner ersten Radiohead-Produktion "OK computer" als sechstes Mitglied der Band, über die eines Tages im Musikgeschichtsbuch vermutlich zu lesen sein wird, sie habe den Dinosaurier erfunden. Und irgendwann hatten er sowie Gaz Coombes und Danny Goffey von Supergrass vom Altern den Kanal voll. Da sich in einem solchen zumeist fiese Nager herumtreiben, nannten Coombes und Goffey ihr neues Nebending kurzerhand The Hot Rats und luden Godrich ans Mischpult, damit der auch endlich einmal alle fünfe gerade sein lassen konnte. Und schredderten anschließend ihre Lieblingssongs aus jener Zeit neu ein, zu der sie selbst noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum rannten. Nicht mehr. Aber bestimmt auch nicht weniger.

Da ist es zweitrangig, dass sich die Neufassungen alter Klassiker oft nur durch Nuancen vom Original unterscheiden. Der Opener "I can't stand it" leistet jedoch auch so jedem beste Dienste, der seinerzeit den Release der Velvet-Underground-Compilation "VU" verpasst hat. "Damaged goods" von Gang Of Four recyceln The Hot Rats zwar mit trocken geschlagener Akustikgitarre statt scharfem Ätzriff, holen dafür aber den markanten Basslauf noch weiter an die Oberfläche. Roxy Musics "Love is the drug" führt die beiden dann knorrig post-punkend und mit käsigem Gebläse in die nächste Rotlichtbar, während "The love cats" sich mit der Zeit zum Rockabilly-Stampfer steigert. Egal, ob Robert Smith das so gefällt oder nicht.

Bei allem Spaß, den man mit "Turn ons" haben kann, ist aber nicht zu überhören, dass sich große musikalische Leistungen anders anhören. Nur selten fügt dieses Album seinen Vorlagen so noch nicht Dagewesenes hinzu wie beim Beastie-Boys-Heuler "(You gotta) fight for your right (to party!)", das zum nebulös gesäuselten Mittelding zwischen Space-Rock und Kraut gerät. Und das steht einem Song über chronisch unausgeschlafene und dauerbreite Schuljungs, wie sie Coombes und Goffey früher womöglich selbst waren, hervorragend zu Gesicht. Neben den Genannten dürfen sich weiterhin David Bowie, Pink Floyd, The Kinks, Elvis Costello, The Doors, Squeeze und Sex Pistols darüber freuen, dass die jüngeren Kollegen ihr Andenken in Ehren halten und ihnen dabei nicht einmal übermäßig am Zeug flicken. Statt dessen schwelgen The Hot Rats in Erinnerungen und genehmigen sich dabei sicher auch das eine oder andere Kaltgetränk. Wenn's sein muss, bis der Kanal voll ist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • I can't stand it
  • (You gotta) fight for your right (to party!)
  • Love is the drug
  • The lovecats

Tracklist

  1. I can't stand it
  2. Big sky
  3. Crystal ship
  4. (You gotta) fight for you right (to party!)
  5. Damaged goods
  6. Love is the drug
  7. Bike
  8. Pump it up
  9. The lovecats
  10. Queen bitch
  11. EMI
  12. Up the junction

Gesamtspielzeit: 36:37 min.

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  • The Hot Rats (2 Beiträge / Letzter am 29.01.2010 - 11:27 Uhr)