Finntroll - Nifelvind

Finntroll- Nifelvind

Century Media / EMI
VÖ: 19.02.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Vollkloristen

Es gibt Platten, die für sich genommen zwar nicht überragend, aber dennoch für eine Bandkarriere extrem nachhaltig sind. Was für andere Bands weiße oder schwarze Alben sind, dürfte für Finntroll wohl "Ur jordens djup" gewesen sein, fanden die finnischen Rabauken hier doch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Ausnahmen bestätigten die Regel, klar. Doch plötzlich starteten Finntroll richtig durch - Wacken, Summer Breeze und so weiter und so fort.

Natürlich musste diese Humppa-Nummer irgendwann mal erledigt sein, zumal neben Eläkeläiset eh kein Platz mehr in dieser Nische ist. Wie wäre es also, Humppa zu streichen und durch Folk zu ersetzen? Folk-Metal also? Was zunächst beängstigend nach Subway To Sally oder ähnlichem Fiedel-Metal klingt, bleibt beruhigenderweise unverkennbar Finntroll. Denn nach dem Soundtrack-artigen "Blodmarsch" eröffnet Shouter Vreth das Gemetzel mit einem mächtigen Urschrei.

Und los geht die wilde Hatz durch Black Metal, Pop und Folk. Rüpelnde Riffs, wuchtig orchestrierende Keyboards und ein Refrain, der auch bei Dreikommanull auf dem Kessel noch mitgrölbar ist, machen "Solsagan" zu einer wahren Hausnummer. Da darf Vreth dann auch ungestraft das eigentlich dem Celtic-Frost-Fronter Tom G. Warrior vorbehaltene "Uh!" herausbölken. Doch im Vergleich zum mitunter allzu rüden Vorgänger ziehen Finntroll heuer alle Register des Folk: Ob nun die coole Percussion nebst Bläsern bei "Den frusna munnen" oder Streicher bei "Ett norrskensdåd" - Finntroll haben ihre Sound-Mischung offensichtlich gefunden.

Mal ehrlich: Vor ein paar Jahren wäre die Horde für eine Ballade (!) wie "Galgasång" kielgeholt worden, ebenso für das Rammstein-Riff und den Dimmu-Borgir-Bombast auf "Mot skuggornas värld". Aber letzten Endes zeigt genau dies, dass man sich zum einen nach wie vor einen Dreck um fremde Meinungen schert. Zum anderen aber auch, dass die Finnen wahrlich erwachsen geworden und von Humppa-Comedy-Suffkis zu einer ernstzunehmenden Band gereift sind. Für eine Baggage, die aus einer Nachdurst-Jamsession entstanden ist, mithin höchst respektabel. Im Outro zu "Dråp" zieht die Horde fröhlich schunkelnd von dannen. Wir haken uns ein und gehen gerne mit.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Solsagan
  • Tiden utan tid
  • Galgasång
  • Dråp

Tracklist

  1. Blodmarsch
  2. Solsagan
  3. Den frusna munnen
  4. Ett norrskensdåd
  5. I trädens sång
  6. Tiden utan tid
  7. Galgasång
  8. Mot skuggornas värld
  9. Under bergets rot
  10. Fornfamnad
  11. Dråp

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Sumpftr.oll
2013-04-12 11:51:50 Uhr
Alter Schwede ... oder womöglich sogar Alter Finne? Na gut wills mal nicht provozieren. Hab mich schon gefragt, was eigentlich bei PT kaputt ist, dass Finntr.oll nun schon mehrfach rezensiert wurde. Aber die können ja wirklich was, das muss man schon sagen. Wieviel Ernst und wieviel Humor da vorhanden ist, ist mir eigentlich egal. Vom Musikalischen her hebt sichs jedenfalls vom 0815-Gebolze ab, die Arrangements mit den folklorischen oder auch mal "exotischen" Elementen sind schon recht clever und es klingt schön frisch das alles. Kann man sich geben.
bernhard.
2010-03-04 16:35:10 Uhr
hab noch nicht wirklich reingehört, war allerdings letztens auf dem konzert in münchen - fast nur neue songs gespielt. teilweise großartig, teilweise n bisschen langweilig.

find ja nach wie vor die nattfödd am besten als gesamtpaket.
Finnland
2010-03-03 07:19:03 Uhr
Ganz großes Kino. Da stelle ich den Text 10 mal um, kürze die Hälfte, weil ich ihn nicht durch den Filter kriege und am Ende war es der Threadtitel. Bitte ändern. Danke.
Finnland
2010-03-03 07:17:14 Uhr
Schon ihr bestes Album, meiner Meinung nach. Die Vorgänger (vor allem "Jaktens Tid") waren zwar auch Klasse, dies hier geht aber deutlich mehr nach vorne und ist außerdem auch besser produziert. Macht unheimlichen Spaß das Album. :-) Die Rezi trifft es auch sehr gut - sie sind erwachsener geworden, ohne jedoch ihren Stil zu verlieren. Ich hoffe da folgen noch ganz viele weitere Alben. Die einzige Band aus diesem BM-Sumpf, die ich überhaupt erst nehme - weil sie sich nicht ernst nimmt. ;-)
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