Die Aeronauten - Hallo Leidenschaft

Die Aeronauten- Hallo Leidenschaft

Rookie / Cargo
VÖ: 19.02.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Am Rand des Schweizer Universums

Wenn Marvin im Restaurant am Ende des Universums aus Douglas Adams' Anhalter-Trilogie nicht nur ein deprimierter Roboter, sondern auch ein mit allen Wassern gewaschener Kapellmeister wäre, dann würde seine Truppe sicher lakonische Geschichten vom Leben zwischen schrecklichen Gedichten und automatischen Türen erzählen. Nun sind Die Aeronauten aber keine Roboter, sondern eine Schweizer Band, und das Ende des Universums ist allen Unkenrufen zum Trotz auch noch nicht in Sicht. Und so sind ihre Geschichten eher kleine Anekdoten von Glück, Unglück und den Wünschen der langsam ausbleichenden Generation Golf.

Musikalisch wirkt "Hallo Leidenschaft" eher als das Marvin fehlende Antidepressivum. Neben dem obligatorischen, bläsergetriebenen Schrammelpop von "Hahaha" gibt es zwar auch das zwischen NDW-Reduktion und Jazz wabernde "Nähe herstellen", und das Instrumental "Marvin" schließt dieses Album sogar ähnlich kühl und traurig wie der Blechkamerad ab. Aber ansonsten setzt es wie gewohnt meist gute Laune - sei es mit Rock'n'Roll-Einschlag, ein paar Tupfern Ska oder Distelmeyer-Momenten. Nostalgie kommt beim Punkrocker "Schatten" auf, das von den Lurkers im Original unter dem Titel "Shadow" bereits 1977 eingespielt wurde. Aber 33 Jahre ist zum Glück kein Alter für einen guten Song - und die Allerjüngsten sind Die Aeronauten schließlich auch nicht mehr.

Trotzdem trauen sie sich immer noch in ungewohnte Richtungen, wie das in Mundart gesungene "Womunidure" oder "Ambiance scandale" beweisen, dessen französischer Sprechgesang wunderbar zum Laissez-faire passt, das die Schweizer mit ständigen Wechseln zwischen Großstadtpop und Chansonstimmung inszenieren. Wobei das Leben in der Großstadt mit all seinen Facetten hier ohnehin ein Kernthema ist: "Der Geruch der Stadt, der Geruch von Geld, der Geruch von Sex, so riecht meine Welt." Da klingt zwischen den Zeilen das Kleinbürgertum durch, so erträumt sich Otto Normalverbraucher, wie es sein könnte. Wenn dazu in einem Song wie "(Wir wollen) immer dasselbe" der ironische Abstand mitunter schwer zu erkennen ist, hilft es auch nicht gerade weiter, wenn die Musik an Schlager erinnert. Doch die Gäste in irgendeinem Restaurant kurz vorm Ende des Universums, die auf der langen Reise bis ans "Ende der Nacht" sind, hören vielleicht schon gar nicht mehr richtig hin: Irgendwann muss man ja auch was Anständiges essen. Und Die Aeronauten tischen ordentlich auf.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • Hahaha
  • Ambiance scandale
  • Nähe herstellen

Tracklist

  1. Feuer der Liebe
  2. Hahaha
  3. Isabelle
  4. Womunidure
  5. Maximum future investment
  6. Schatten
  7. Ehrenbär
  8. (Wir wollen) immer dasselbe
  9. Ambiance scandale
  10. Herz
  11. Nähe herstellen
  12. Ende der Nacht
  13. Marvin

Gesamtspielzeit: 40:54 min.

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