Tegan And Sara - Sainthood

Tegan And Sara- Sainthood

Warner
VÖ: 29.01.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nur die halbe Wahrheit

Wenn gar nichts mehr geht, muss halt wieder der arme Leonard Cohen herhalten. Das Zwillingspärchen Tegan And Sara spannt sein siebtes Album um ein Zitat des "Recent songs"-Klassikers "Came so far for beauty" und legt damit eine Punktlandung hin: "Sainthood" ist ein abgebrühtes Album, das lediglich Oberflächlichkeiten bedient. Schönheit soll hier Trumpf sein und eine tiefere Substanz gar nicht erst zur Sprache kommen. Textlich dreht sich das hier um jugendliche Gefühlsproblematiken, die Liebe in ihrer simpelsten Erscheinungsform. "Sainthood" ist ein mieser Blender.

Und weil es das bisher schwächste Album der Geschwister ist, schmerzt das Cohen-Zitat umso mehr: "Came so far for beauty"? Sollte man sich dadurch auf den Schlips getreten fühlen und die bisherige Diskographie von Tegan And Sara doch noch mal überdenken? Solche Gedanken wollen die zwei Damen beim Hörer allerdings gar nicht erst züchten. Man soll das hier schlicht gut finden und nicht erst hinterfragen. So macht es auch die Single "Hell" vor: spritziger Gitarren-Pop, der nicht schmerzt, sich flauschig in den Gehörgang legt und nach dem letzten Ton auch schon wieder vergessen ist.

Vorsichtige Feedbacks sammeln sich im Hintergrund zusammen, sorgen für eine breite Fläche. Die knackige Produktion rückt weit nach vorne, gibt den entsprechenden Rahmen für bissige Hooklines. "Arrow" ist diesbezüglich ein Volltreffer: Der Song ist ein unaufgeregter Gitarrenkracher, der von seinem stoischen Schlagzeugrhythmus lebt. Im Vordergrund steht die Stimme und rundet damit den formelhaften Konsenssound ab. "The cure" ist der Tiefpunkt dieser glatten Produktion: Das könnte der Song für die große Dauerrotation sein. Man dachte bisher, das hätten Tegan And Sara so nicht nötig.

Die Produktion könnte man durchaus verschmerzen, wenn die hier versammelten Songs zumindest annähernd an die großen Momente von "The con" oder vielleicht auch "So jealous" anknüpfen könnte. Stattdessen wird aufgegeben, was von den Geschwistern längst entdeckt wurde: süßliches Indie-Geschrammel, das betörend und eingängig zugleich ist. Auf "Sainthood" finden sich die schwächlichen Songs nun im Haifischbecken der Hochglanzproduktion wieder, was das ganze Unterfangen ziemlich langweilig macht. Eine Schande, denn Schönheit kann auch unerträgliche Langeweile bedeuten. Tegan And Sara haben die Verknüpfung diesmal verpasst. Die Zukunft sieht nicht so rosig aus.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Arrow
  • Night watch

Tracklist

  1. Arrow
  2. Don't rush
  3. Hell
  4. On directing
  5. Red belt
  6. The cure
  7. Northshore
  8. Night watch
  9. Alligator
  10. Paperback head
  11. The ocean
  12. Sentimental tune
  13. Someday

Gesamtspielzeit: 37:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
stefanie
2010-09-28 22:22:05 Uhr
album bleibt bei mir auch nach langem hören großartig. ansonsten super auftritt beim polaris music prize:

http://www.youtube.com/watch?v=8LCV6vBIwgk&feature=related

Dan
2010-04-10 22:31:17 Uhr

tolles Album, wächst und wächst. Auch die Lieder tauschen sich ab in der Gunst ("Arrow", "Hell", "The Cure", "On Directing" usw.)

Hartwig
2010-02-07 13:54:54 Uhr
Ist wirklich enttäuschend. Meine Erwartungen waren zugegebenermaßen hoch, einfach weil The Con so verdammt gut war. Aber auch mit etwas Abstand kommt die neue Platte nicht über ein "nett" hinaus. Plätschert leider in weiten Teilen an mir vorbei.
molch
2010-02-04 20:13:21 Uhr
nach mehreren durchläufen find ich die platte ok - mehr aber auch nicht! the con hingegen höre ich immer noch gerne.
Christian
2010-02-04 00:07:07 Uhr
@aCku:

Nein, das soll es nicht bedeuten.
Es bedeutet, dass Tegan And Sara bisher nie so anbiedernd, langweilig und einfältig geklungen haben.
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