Ke$ha - Animal

Ke$ha- Animal

Sony
VÖ: 05.02.2010

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Es ist immer der Gärtner

Es ist erstaunlich, für wieviel Geld manche ihre Werte über Bord werfen. Der Gärtner von Prince zum Beispiel. Da steht diese junge Göre namens Ke$ha vor ihm und kauft sich für fünf Dollar ins Anwesen des Künstlers, der mal Prince war, ist und immer sein wird. Dem ahnungslosen Musiker drückt sie dann ein Demo in die Hand, bevor der Sicherheitsdienst sie wieder vor die Tür beförderte. Danach gab es nie eine Antwort. Das ist wahrlich unverständlich, denn auf dem Demoband können die Songs kaum schon so überproduziert und gleichförmig gewesen sein wie auf dem finalen Werk. Auf "Animal" muss lange gebohrt werden, bis sich etwas wie Substanz offenbart. Da hilft auch Schützenhilfe von Courtney Love herzlich wenig.

Ob es nun cool ist, sich mit Jack Daniel's die Zähne zu putzen, sei einmal dahingestellt, denn "Tik tok" kann noch am ehesten überzeugen. Die Gameboy-Beats versuchen sich spielerisch, Ke$ha holt aus, und der Song rollt gekonnt nach vorne. Das größte Problem ist, dass hinter der dicken Produktion jegliche Ironie verloren geht. Die Dame scheint durchaus dazu bereit, sich ironisch zu betrachten, aber jedes Augenzwinkern wird zum nervösen Blinzeln unter den Ekstastebeats wie in "Take it off". Hinzu kommt, dass es auch textlich nicht reicht, um Dinge zu reflektieren. "Where they go hardcore and there's glitter on the floor": Jedes Klischee wird dankbar mitgenommen und einfach nur erfüllt. "Blah blah blah" schafft es dann, seinen Titel perfekt musikalisch umzusetzen. Stumpfe Beats rutschen auf dem Hosenboden, während auch noch die alten Bekannten von 3OH!3 ihren Senf dazu geben. Bockwurst, anyone?

"Party at a rich dude's house" ist dann etwa so spannend, wie eine Raufasertapete anzuschauen. Dicker "Wohohoho"-Refrain trifft auf Kelly-Clarkson-Gedächtnis-Gitarre, die dann auch gleich noch mal von Ke$ha selbst intoniert wird. So was könnte eigentlich zu den Akten gelegt werden, wenn es nicht so schmerzen würde, dass darunter tatsächlich eine Idee steckt, die im richtigen Umfeld zu etwas Interessantem hätte werden können. So wie die Strophen bei "Blind", die einen schönen Sprachrhythmus haben, aber doch wieder nur versacken hinter billigen Blinkblink-Beats. Neben diesen verpassten Chancen reihen sich dann wieder Totalausfälle wie "Boots & boys", bei dem die Frage bleibt, welche Notwendigkeit es hat, solche Belanglosigkeiten in den Äther zu blasen. Einzig der Titeltrack kriegt am Ende doch noch die Kurve und schafft es, trotz seiner Gleichförmigkeit aus der Masse herauszustechen.

Wie Seifenblasen zerplatzen die Ideen, die hinter "Animal" vielleicht einmal gesteckt haben. Alles bleibt an seinem Platz, und mit seiner erzwungenen "Crazyness" tritt genau diese Stimmung nie ein. Tanzbarkeit und Eingängigkeit werden mit Leere verwechselt. Aufmerksamkeit für drei Minuten scheint das große Ziel zu sein. Denn trotz seiner großen Töne findet sich hinter der Fassade von "Animal" nur eine leidlich gepflegte Grünanlage. Bitte nicht betreten!

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Tik tok

Tracklist

  1. Your love is my drug
  2. Tik tok
  3. Take it off
  4. Kiss n tell
  5. Stephen
  6. Blah blah blah
  7. Hungover
  8. Party at a rich dude's house
  9. Backstabber
  10. Blind
  11. Dinosaur
  12. Dancing with tears in my eyes
  13. Boots & boys
  14. Animal
  15. Vip

Gesamtspielzeit: 49:51 min.

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