Dag För Dag - Boo

Dag För Dag- Boo

Haldern Pop / Cargo
VÖ: 12.02.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Wald ist nicht genug

Wenn zwei sich streiten, freut sich meistens der Dritte. Bei Dag För Dag, dem in Stockholm ansässigen amerikanischen Geschwisterpaar, sieht das anders aus. Die streiten sich nämlich meistens gar nicht, doch dafür ist es der Dritte, der oft in die Röhre guckt: Sessionschlagzeuger Chuck Bukowski musste im Studio jedenfalls oft feststellen, dass das Duo den ihm zugedachten Part im panischen Arrangierrausch schon selbst eingepoltert hatte. Aber auf Dauer machen sechs Hände eben besser Musik als vier - und auch wenn einem zuweilen nichts anderes übrig bleibt, als sich an den Füßen zu spielen, muss es trotzdem ein Vergnügen sein, mit einem so versierten Doppel wie Dag För Dag eine Platte aufzunehmen.

Denn trotz zahlreicher Supportshows für Shout Out Louds, Wolf Parade oder Handsome Furs bieten die beiden mehr als bloß die Elektrifizierung quengeligen Indierocks oder Hippie-Psychedelia aus dem Gefrierschrank. Sondern eher eine Art subtil schwelenden Schwarzlicht-Shoegaze aus dem finsteren Wald mit verwittertem Altar, den Sarah Snavely im scharlachroten Ballkleid kurzerhand zur Anbetecke für verlorene Seelen erklärt: "All the places you could choose to be / Why not here on your hands and knees?" Auch wenn man in dieser Position Gefahr läuft, vollends im ohnehin schon knietiefen Morast aus suizidären Twang-Gitarren, verhallten Drums und Streichersätzen zu versinken, den Dag För Dag auf diesem Album ausbreiten.

Die einsam heruntergestimmten Riffs und etwa einen Meter über dem Erdboden schwebende Rhythmik umschwirren die Geschwister gesanglich zu etwa gleichen Teilen - sie wie eine geschundene Elfe aus dem Jenseits, er mit gedrückt brummelndem Timbre. Dazu gehen die Songs stets an einer unsichtbaren Grenze zwischen weniger schlecht gelaunten Kills und The XX nach Phil-Spector-Klarlackierung spazieren, wobei das glühende "Wouldn't you" sogar einen Schritt Richtung "Twin Peaks"-Soundtrack macht. "Silence as the verb" addiert wühlendes Saitenwerk, Geisterrefrain und bleierne Schwermut mit großer Geste, und "Boxed up in pine" legt schon einmal die Holzsorte der finalen Ruhestätte fest. Auch im spukigen Schattenreich von Dag För Dag hat eben alles seine Ordnung.

Und obwohl es besonders die in Zeitlupe lodernden Stücke sind, die lange im Bewusstsein widerhallen, muss man hier auch immer mit Tempowechseln und euphorischen Eruptionen rechnen. Das Percussion-Gebrodel von "I am the assassin" knetet die Gehörgänge direkt zu Anfang ordentlich durch, "Hands and knees" tarnt sich notdürftig als leicht verwilderter Pop. Und auch wenn "Animal" mit glockenheller Lieblichkeit anhebt, läuft der Song so lange angestochen im Käfig hin und her, bis er letztendlich in frenetischem Stromgitarrenstakkato und viel Geschrei zerspringt. Da kann das schon von der EP "Shooting from the shadows" bekannte "Ring me, Elise" zum Schluss noch so vehement darauf hinweisen, dass das Dickicht sich langsam wieder lichtet - nach "Boo" sieht der Hörer erst einmal aus, als habe er ein Gespenst gehört. Aber fühlt sich viel besser.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Hands and knees
  • Boxed up in pine
  • Silence as the verb
  • Animal

Tracklist

  1. Boo
  2. I am the assassin
  3. Hands and knees
  4. Boxed up in pine
  5. Wouldn't you
  6. Silence as the verb
  7. Seven stories
  8. Light on your feet
  9. Traffic jam
  10. The leather of your boots
  11. Animal
  12. Come in like a knife
  13. Ring me, Elise

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
doch
2010-03-01 15:52:41 Uhr
ein bisschen schon...
ululul
2010-03-01 15:50:12 Uhr
ja und nein nicht the xx
Tuschi
2010-02-28 23:53:31 Uhr
Hmm.
Tuschi
2010-02-05 20:11:58 Uhr
Hat schon mal jemand reingehört? Ist als erste Referenz wirklich The Xx anzugeben?
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