Aphex Twin - Drukqs

Aphex Twin- Drukqs

Warp / Zomba
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pillendreher

Zweifellos ist Richard David James, alias Aphex Twin, die Lichtgestalt der elektronischen Musik. Nach fünf langen Jahren Pause erscheint sein von zahllosen Jüngern erwartetes Album "Drukqs". Und eins steht fest: Das neue Doppelalbum bietet genügend wundersame Überraschungen, mit denen man sich mindestens die nächsten fünf Jahre befassen müssen wird, um sie annähernd zu verstehen.

Seine allererste eigene Platte "Analogue bubblebath #1" veröffentlichte James im Alter von 20. Einige Jahre später bekam man auf den "Selected ambient works 85-92" Stücke zu hören, die er mit 14 aufgenommen hatte. Es folgten DJ-Sets beim Londoner Sender Kiss-FM, Remixe für Bands wie Jesus Jones, The Prodigy und Saint Etienne, schließlich der Einstieg in die britischen Top 40. Seit 1993 ist er beim Label Warp, dem Spezialisten in Sachen elektronischer Musik, unter Vertrag. Die letzte LP des 1971 irgendwo in Cornwall geborenen Bastlers nannte sich schließlich schlicht "Richard D. James album". Die EPs "Come to daddy" aus dem Jahr 1998 und "Windowlicker" (1999) kamen seitdem auf den Markt und haben sich vor allem durch die genial verstörenden Videos in den Hirnwindungen der Fans festgesetzt. Inzwischen ist James Besitzer eines eigenen Labels namens Rephlex, aber nicht nur dort darf er sich größte künstlerische Freiheiten nehmen.

Schon immer wurde Aphex Twin mit musikalischen Experimenten und Innovationen in Verbindung gebracht. Und was für die alten Alben galt, stimmt auch bei "Drukqs": elektronische Revolutionen, weit ab von herkömmlicher Dance-Musik. Diesmal gibt es die Mischung aus leisen Ambient-Tracks und rasant schnellen Breakbeats allerdings gleich auf 2 Scheiben, und mit insgesamt 30 Titeln wird hier eine enorme musikalische Bandbreite geliefert. Neu sind dabei die auf beiden CDs verstreuten ruhigen Klavier- und Orgel-Stücke, die scheinbar ohne jede Elektronik auskommen und bei denen man mitunter das Klappern der Tasten und Rattern der Gebläse hören kann. Andere Tracks wiederum blasen einem fast das Hirn weg: knallende Peitschen, kreischende Bohrer, 200 Beats per Minute.

Außergewöhnlich ist auch der Track "Gwarek 2", kein Song, sondern ein Horror-Hörspiel mit abgewürgten Schreien im Tiefen, klappernden Geländern, einem krächzenden Vogel und einem dunklen, dumpfen Brummen, das einem die Haare zu Berge stehen läßt. So könnte man zu jedem der Songs mit den seltsamen Namen etwas erzählen. Doch das riesige Spektrum an Sounds und Stilen ist jedenfalls bestimmt nichts für Einsteiger. Selbst ein Fan von Aphex Twin dürfte beim ersten Hören extrem verstört sein. Es bedarf wenig Phantasie, um sich das Grinsen auszumalen, was sich einmal mehr über das Gesicht des Klangtüftlers ausbreitet. Hörer verwirrt, Mission erfüllt.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • Bbydhyonchord
  • Gwarek2
  • Meltphace 6

Tracklist

  • CD 1
    1. Jynweythek ylow
    2. Vordhosbn
    3. Kladfvgbung micshk
    4. Omgyjya switch7
    5. Strotha tynhe
    6. Gwely mernans
    7. Bbydhyonchord
    8. Cock-ver10
    9. Avril 14th
    10. Mt Saint Michel Mix+St Michaels Mount
    11. Gwarek2
    12. Orban eq trx4
    13. Aussois
    14. Hy a scullyas lyf a dhagrow
    15. Kesson daslef
  • CD 2
    1. 54 Cymru beats
    2. Btoum-roumada
    3. Lornaderek
    4. Plenty harmonium
    5. Meltphace 6
    6. Bit4
    7. Prep Gwarlek 3b
    8. Father
    9. Taking control
    10. Petiatil cx htdui
    11. Ruglen holon
    12. Afx237 v7
    13. Ziggomatic v17
    14. Besk

Gesamtspielzeit: 100:54 min.

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