Bombay Bicycle Club - I had the blues, but I shook them loose

Bombay Bicycle Club- I had the blues, but I shook them loose

Island / Universal
VÖ: 05.02.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Luftikusse

Eine listige Gesellschaft ist das, die Songs vom Bombay Bicycle Club. Kaum glaubt man, die Stimmungsschwankungen des quirligen Quartetts eingefangen zu haben, sprießt schon die nächste scheue Neurose aus dem Post-Math-Rock-Pop-Irgendwas-Gewühle und man steht einmal mehr mit verwirrtem Kopf vor einer Platte, die den Hörer so ziemlich ratlos im Gewitter der Emotionen zurücklässt. Doch eins nach dem anderen: Der Schauplatz ist London, die Band blutjung und die Rahmenbedingungen durchaus geeignet für den nächsten Hype. Glücklicherweise schmeißt schon das Intro alle Vorurteile über Bord.

Sänger Jack Steadman quält sich ein betretenes "I am ready to owe you anything" im seichten Math-Rock von "Evening / Morning" heraus und man nimmt es ihm natürlich sofort ab. Das klingt aufreibend und sympathisch. Hat sich der Rhythmus des Songs erst einmal über das Arrangement gestülpt, kommt die Hi-Hat in "Dust on the ground" wie ein pulsierender Kopfschmerz daher - nur um sich in zartem Gitarrenlärm wieder zu verlieren. Man ist mittlerweile bei Song vier und weiß schon jetzt, dass diese Platte versucht ist, dem Hörer einiges abzuverlangen.

Ist diese ambitionierte Band mit ihren breiten und manchmal sogar wundervollen Klanglandschaften auch in der Lage, über die selbstbewusst gezogenen Flächen bissige Ohrwürmer zu legen, bleibt doch immer der Eindruck unvollendeter Songs, die nur Momentaufnahmen sind. Stilrichtungen wechseln im Taktschlag, Einflüsse von Strophe zu Refrain. "I had the blues, but I shook them loose" ist mit einer gruseligen Anzahl waschechter Hits gesegnet, kann es sich sogar leisten, Hooklines verschwenderisch im Outro zu verstecken. Doch ändert auch dies nichts an der Tatsache, dass man das Album sofort als Debüt einer unfertigen Band erkennt.

Da erhebt sich der Charme der Naivität über konzeptuelle Vorstellungen und die Lust der Jugendlichkeit über durchdachte Harmoniestrategien. Auf "I had the blues, but I shook them loose" wird viel gewühlt, es wird gesucht und geschraubt. Der Bombay Bicycle Club ist noch längst nicht dort angelangt, wo sein wirkliches Potential zu finden ist. Manchmal schimmern Melodien hervor, so herzlich wie eine Umarmung. Manchmal zerbricht die Gitarre am Schlagzeug wie dünnes Glas. Sie müssen das noch ordnen. Dann klappt das auch mit der großen Platte.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Always like this
  • Magnet
  • The hill

Tracklist

  1. Emergency contraception blues
  2. Lamplight
  3. Evening / Morning
  4. Dust on the ground
  5. Ghost
  6. Always like this
  7. Magnet
  8. Cancel on me
  9. Autumn
  10. The hill
  11. What if
  12. The giantess

Gesamtspielzeit: 48:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jo

Postings: 878

Registriert seit 13.06.2013

2019-01-18 14:35:23 Uhr
Für mich ist es eher ein Mix aus Indie, Alternative und Post-Punk. Zumal ich gerade Interpol und die Editors ja doch noch mal als anders (viel dunkler z. B.) empfinde.

MopedTobias

Postings: 12616

Registriert seit 10.09.2013

2019-01-18 13:07:11 Uhr
Wo würdest du das denn einordnen? Find schon, dass so 00er-Post-Punk á la Interpol/Editors zu den naheliegenderen Referenzen gehören.

The MACHINA of God

Postings: 17575

Registriert seit 07.06.2013

2019-01-18 10:19:00 Uhr
Das zählt schon als Postpunk?

MopedTobias

Postings: 12616

Registriert seit 10.09.2013

2019-01-18 00:34:25 Uhr
Wir wollen ja genau sein :)

jo

Postings: 878

Registriert seit 13.06.2013

2019-01-18 00:04:10 Uhr
Aber gerade so noch. Ist ja fast schon eins der 10er ;).
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