These New Puritans - Hidden

These New Puritans- Hidden

Domino / Indigo
VÖ: 15.01.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Krieg der Nerven

Das Geheimnis liegt im Terror. In einer Zeit, in der amerikanische Häftlinge auf Kuba gezielt mit Musik zur Verzweiflung und in den Irrsinn getrieben werden, veröffentlicht eine Band aus dem englischen Niemandsland ihre zweite Platte und unterstellt diese den Zeichen der Zeit. War das grandiose Debüt "Beat pyramid" noch irgendwo im New Wave zu Hause, macht sich das Quartett aus Southend-On-Sea mit wehenden Fahnen auf den Weg zur eigenen musikalischen Nische. Hypnotische Beats, heiserer Gesang, vernebelte Melodien sind die Grundpfeiler von "Hidden", einem Nervenkrieg im Popformat.

Da zieht das Intro "Time xone" den Hörer mit seinen beklemmenden Streichern in den Sumpf von Phobie und Bedrängnis, um im anschließenden "We want war" die richtige Ausgangssituation zu haben: So klingt also die Musik zum Thema. Da blasen die Trompeten zum Marsch und mittendrin hört man das Zücken der Säbel. Hier hat man schon seinen Nervenkrieg. Das Outro des Songs spendiert den Gefallenen einen dramatischen Grabgesang. Ab hier verliert sich die Platte dann verdientermaßen: Wer mit solch einer Album-Eröffnung in den Kampf zieht, verschwendet keine Gedanken an Zukünftiges.

"Attack music" hebt die Lethargie allerdings doch noch einmal auf: These New Puritans quälen sich durch einen elektronischen Walzer, lassen Glas zersplittern und flüchten sich in die unschuldigen Stimmen eines Kinderchores. Das ist gruselig, vielleicht sogar schockierend. Die Band kreiert hier ein Bild der Undurchdringlichkeit. Soundcollagen werden aneinandergereiht, bis fiese Beats plötzlich die Dauerschleife des Ungreifbaren zerfetzen. So klingt der Soundtrack zu einem Film, zu dem man keine Bilder im Kopf hat. Deprimierend ist das. Bis sich "5" in seiner instrumentalen Vielfalt endlich wie ein Schleier niedergelegt, schwitzt der Hörer wie ein Getriebener. Hat sich "Hidden" gesetzt, so merkt er, wie das Lied über sich hinauswächst. Die Stille nach der Zermürbung ist die Erlösung. Wie ein Bombenangriff bricht die Platte ein, lässt die Angst vor der Stille wachsen, bis sie endlich vor einem steht. Für den Hörer beginnt damit die Auseinandersetzung mit sich selbst. Für These New Puritans ist sie schon längst vollzogen. Sie haben ihre Salven in den Himmel geschossen. Dort formieren sie sich für den nächsten Angriff.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • We want war
  • Attack music
  • Orion

Tracklist

  1. Time xone
  2. We want war
  3. Three - Thousand
  4. Hologram
  5. Attack music
  6. Fire - Power
  7. Orion
  8. Canticle
  9. Drum courts - Where corals lie
  10. White chords
  11. 5

Gesamtspielzeit: 43:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ballion
2010-12-02 16:03:20 Uhr
Freut mich, dass das Album auf diese Weise noch mal gepusht wird. Ist ja ansonsten doch ziemlich untergegangen.
Mr. F
2010-12-02 15:13:31 Uhr
Platz 1 beim NME?? Respekt.

Vielleicht sollte man sich die show im Hebbel am Montag doch anschauen? leider nur in Berlin, dafür mit orchester, chor und schießmichtot...
IFart
2010-11-30 20:16:36 Uhr



an
Third Eye Surfer
2010-11-30 20:14:44 Uhr
Eigentlich ist das ja ein tolles Album. Aber irgendwie hab ich nie Lust drauf.
Heulender Vogel
2010-11-30 19:42:03 Uhr
sach an.
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