Pawel - Pawel

Pawel- Pawel

Dial / Kompakt / Rough Trade
VÖ: 22.01.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wenn Maschinen weinen

Ein Samstagnachmittag im Januar 2010: Draußen fällt beständig Schnee, die Flocken treiben quer zur Straße, auf der kaum ein Auto fährt. Ein Sturmtief legt eine Decke aus blendend hellem Weiß über die Stadt, die alle Geräusche schluckt. Der Rezensent steht am Fenster, eine Tasse mit heißem Tee in der Hand, ein paar Kerzen brennen still vor sich hin. Aus den Boxen der Anlage pulsiert dieser warme Bass, der alle Dial-Platten eint. Um den Bass herum ein leises Tickern und Klingeln, in endloser Folge flirren Sounds durch den Raum, schweben zu Boden. Wind weht Schnee vom Dach gegenüber, wirbelt ihn durch die Luft. Wie auf Befehl verleiht eine melancholische, ganz dem klassischen Detroit-Techno verpflichtete Synthesizermelodie diesem weißen Ballett einen dramatischen Effekt.

"Coke" heißt dieser wunderbare Track von Paul Komineks erstem Album, der die Winterlandschaft perfekt in Klang umsetzt. Als Pawel, das Pseudonym, mit dem er hier antritt, kennen ihn die wenigsten. Als Mitbegründer des verlässlichen Hamburger Houselabels Dial, auf dem auch "Pawel" erscheint, ein paar mehr. Wirklich bekannt aber ist er bisher nur als Turner, jenem Künstlernamen, mit dem er der Welt die Elektropop-Klassiker "My aeroplane mania" und "Head in the sky" geschenkt hat. Nun also, nach einigen über die letzten zehn Jahre verstreuten EPs, endlich das erste Album als Pawel. Wie nicht anders zu erwarten, widmet es sich dem gleichen tiefgründigen House, wie man ihn auch von den Labelkollegen Lawrence, Pantha Du Prince oder Efdemin kennt. Mal mit geradezu lateinamerikanischer Fröhlichkeit, die sich "Panamerican" wohl bei Matias Aguayo abgeschaut hat, dann wieder verträumt und gedankenverloren in die Nacht hinausblickend wie auf dem zärtlichen "Mate".

Dazwischen plätschern in "Dawn" die Synthiearpeggios übereinander, während eine ortlose Stimme das Wort "Dawn" wiederholt. Wenn dann noch die Flächen hinzukommen, und der Track abhebt, hat man sein Herz endgültig an Pawel verloren. "Muscles", bereits von der 2004 erschienenen EP "Grab it" bekannt, geht die Sache dann zur Abwechslung einmal anders an und setzt so gar nicht kraftstrotzend über einen gebrochenen, Plaid-artigen Beat eine fein sirrende, gläserne Melodie. Das alles ist deutlich geradliniger und schnörkelloser als etwa die fein ziselierten Tracks des Kollegen Pantha Du Prince, aber nicht weniger emotional. Wie eine Mischung aus singendem Glas und weinenden Maschinen. Hätte man den sonst so kühlen Hamburgern gar nicht zugetraut. Aber auch die verlieren im Schneegestöber halt schnell mal ihr Herz.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Dawn
  • Coke
  • Mate
  • Muscles

Tracklist

  1. Panamerican
  2. Alvin
  3. Dawn
  4. Coke
  5. Mate
  6. Muscles
  7. Crillion
  8. Laredo
  9. Kramik
  10. Wasting my time

Gesamtspielzeit: 62:38 min.

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User Beitrag
Harald
2010-01-26 22:40:17 Uhr
7/10 für Moderat war auch - wie ich heute sagen muss - einer zu wenig. Mea culpa.
musie
2010-01-20 16:34:02 Uhr
wir notieren den code 2 0 0 1 2 0 1 0 ein historischer moment! die lanze für die elektronische musik ist gebrochen auf plattentests, nachdem sich u.a. moderat oder fever ray mit grossartigen alben erfolglos bemühten, mehr als eine 7/10 zu erhalten.

auf das album bin ich gespannt. der remix von tocotronic's imitationen gefällt mir heute noch sehr.
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  • Pawel - Pawel (2 Beiträge / Letzter am 26.01.2010 - 22:40 Uhr)