Owen Pallett - Heartland

Owen Pallett- Heartland

Domino / Indigo
VÖ: 22.01.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Knotenschlüssel

Namen sind nichts. Aus Raider wurde Twix, aus der Junior Tüte das Happy Meal. Ein wenig werden die Leute belächelt, die davon heute noch erzählen. Denn trotz Namen-Wechsel-Dich: Twix ist immer noch eine Kalorienbombe, und auch im Happy Meal ist der gleiche Mist drin wie immer schon. Ebenso ist auch bei Owen Pallett immer noch Final Fantasy drin. Die Namensänderung musste sein, da die Aufmerksamkeit auch im Land der aufgehenden Sonne größer wird. Um Urheberrechtsstreitereien aus dem Weg zu gehen, schlüpft aus der Final-Fantasy-Ein-Mann-Show mit Geige die Owen-Pallett-Ein-Mann-Show mit Geige.

Doch diesmal zieht die Abstraktion ein, die Songs bekommen mehr Ecken und Kanten durch ausgefeiltere Ideen. Die Streicher werden strapaziert und von Bläserarrangements und Klavier vermöbelt. Manch einer mag das Wort "verkopft" in den Mund nehmen, das würde der träumerischen Atmosphäre von Songs wie "Keep the dog quiet" jedoch nicht gerecht werden. Hier stauen sich im Hintergrund die Bläser, Streicher und Flöten. Die Luft beginnt zu knistern, und die Spannung steigt, ohne sich jemals wirklich zu lösen. Streichergestöhne sorgt für Gänsehaut, doch Pallett lässt die Geschichte weiterlaufen. Unermüdlich klinkt seine Stimme sich schmeichelnd an den passenden Stellen ein und lehnt sich an die Instrumentierung an. Ebenso aufgeschichtet wie die Decke aus Klangkörpern ist die Geschichte, die hinter dem Album steckt: Im fiktiven Land "Spectrum" spielt sich um den Farmer Lewis eine Liebesgeschichte ab. Dass das nicht gut endet, liegt ab den ersten misstrauischen Tönen auf der Hand.

Höhen und Tiefen durchlaufen alle Stücke, doch beides ist nur ein kurzer Zustand, der wieder unter den Teppich gekehrt wird. Feine Arrangements wie in "The great elsewhere" steigern sich bis zur absoluten Zerbrechlichkeit. "E is forestranged" scheint in jedem Moment zu kippen, nur wollen sich Richtung und Neigungswinkel nicht wirklich erschließen. Fall oder Himmelfahrt? Eine einsame Geige zerschneidet mittendrin die Luft und bleibt doch auf dem Boden. Klavier und Streicher treiben wie ein Blatt im Wind. Und am Ende des Songs ist der Krampf erst gelöst, wenn die Stille zur unangenehmen Harmonie wird. Das Eintauchen in die verwobenen Strukturen von "Heartland" wird zum freundlichen Erwachen der Ohren aus dem Tiefschlaf der Null-Dezibel-Narbe.

Die innere Zerrissenheit wird in ein Konzept gesteckt und klingt dadurch paradoxerweise in sich geschlossen. Die einzelnen Teile können fallen, aber das Gerüst bleibt stehen. Anstrengungen lösen sich nur anscheinend auf, um dann in zarte Melodien überzugehen, die sich solange umschlingen, bis der Knoten wieder drin ist. In "Flare gun" etwa funkelt es kurz auf, nur um darauf von den Streichern fast davongeweht zu werden. Doch am Ende bleibt ein Glimmen, und das schimmert auch "E for estranged" noch nach. Ein hitziges Glühen, das unter der Musik liegt und nur darauf wartet, endgültig abgebrannt zu werden. Wer ins Feuer bläst, dem stieben die Funken in die Ohren. Egal wie er oder sie heißt.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Keep the dog quiet
  • Lewis takes action
  • E for estranged

Tracklist

  1. Midnight directives
  2. Keep the dog quiet
  3. Mount Alpentine
  4. Red sun No. 5
  5. Lewis takes action
  6. The great elsewhere
  7. Oh heartland, up yours!
  8. Lewis takes off his shirt
  9. Flare gun
  10. E for estranged
  11. Tryst with Mephistopheles
  12. What do you think will happen now?

Gesamtspielzeit: 46:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Banana Co.
2010-12-10 20:47:01 Uhr
Bei "E is for Estranged" zerreißt es mich jedes Mal aufs Neue. Und ich finde, gerade in diesen kalten Tagen macht es sich besonders gut.

Jop, saumäßig gut.

Haven't you heart?
I'm a flightless bird
I'm a liar
Feeding facts to a false fire
dödel
2010-12-10 19:30:01 Uhr
haltet doch einfach mal die fresse. das album ist müll, und weil ihr keine ahnung von musik habt bestätigt ihr genau das. danke.
pawibe
2010-12-10 19:28:18 Uhr
Bei "E is for Estranged" zerreißt es mich jedes Mal aufs Neue. Und ich finde, gerade in diesen kalten Tagen macht es sich besonders gut.
hugo
2010-12-04 14:10:19 Uhr
wunderbares album. allein der fieber von "midnight directives", großartig.
und in der anfangsminute von "lewis takes action" steckt so viel "trans-europa-express", himmlisch. oder?
Korrekteur
2010-10-14 15:41:42 Uhr
Er ist schon jetzt der _bessere_ Sufjan.
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