The (International) Noise Conspiracy - A new morning, changing weather

The (International) Noise Conspiracy- A new morning, changing weather

Burning Heart / Edel
VÖ: 15.10.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Marx und Moritz

"Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen". Fast schien es, als wäre Marxens alte Weisheit widerlegt worden, doch im Angesicht einer weltweiten Rezession stolpert der globale Kapitalismus über die eigenen Füße. Die Weltbühne öffnet sich für ein neues Kapitel der ewigen Auseinandersetzung. Ganz vorne in der ersten Reihe dabei: The (International) Noise Conspiracy. "Survial sickness" warf vor zwei Jahren einen ersten Stein, "A new morning, changing weather" holt nun zum großen Krawall aus. Die Zeile "Tired of being nothing when we should be everything" aus "Capitalism stole my virginity" wird zum Programm: Aufstehen für die Weltrevolution.

Ein weiteres Mal läßt sich Marx zitieren, wenn es um die Waffen geht, die das System stürzen sollen. Hat es diese doch selbst geschmiedet: Der Rock'n Roll - als Symbol des Aufstands - verkam in den Händen des Establishments zur zahnlosen Zirkusattraktion des Bildungsbürgertums. Zwar ersehnte er seine Befreiung aus dem Korsett der modernen Tonträgerindustrie, doch jedem kurzen Aufflackern des alten Geists folgten Phasen der Repression, die in der seelenlosen Gebrauchsmusik der Jahrtausendwende gipfelte. Wer kämpft, kann verlieren - wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Musik als Medium für Politik: Gegen Ende der sechziger Jahre feierte diese Symbiose ungeahnte Erfolge, wurde zum Symbol und erstarrte später ebenso wie die Studenten-Revolte, die sich auf dem Marsch durch die Institutionen abschmirgelte. Am Ziel angekommen war beides nur noch ein Plagiat des alten Feindbilds. Nicht nur die alten Ideale, auch der Sound finden bei The (International) Noise Conspiracy eine Reanimation: Garagen-Rock trifft Punk und mischt sich mit rauhem Soul-Appeal. Immer dreckig, immer direkt! Zwei Durchläufe brauchen die Schweden, um das Hirn in Brand zu setzen, 30 Sekunden um die Beinmuskeln durchzuschütteln und die Nackenmuskulatur auf Haltbarkeit zu testen. Wer hier nicht tanzt, ist steifer als Väterchen Lenin in seinem Mausoleum.

Ganz dem Sozialismus verbunden funktioniert "A new morning, changing weather" als Kollektiv: Nicht der einzelne Übersong wird nach vorne geschoben, erst im Zusammenspiel entwickelt sich der rauhe Charme und die schier unbändige Energie. "A northwest passage" sucht nach dem dritten Weg und findet das Geheimnis der Eingängigkeit, "Up for sale" verscheuert seine grandiose Power für ein wenig Aufmerksamkeit und "Capitalism stole my virginity" knüpft nahtlos an die Hits von "Survival sickness" an. Der Verschwörung Hände Arbeit entspringen 46 Minuten schweißtreibende Unterhaltung, die polarisiert, statt Meinungslosigkeit als Konsens zu verschleiern. Anstatt also den Zeitenwandel lediglich passiv zu kommentieren, sorgen Dennis Lyxzen und Genossen höchstpersönlich für den fälligen Klimawechsel. Wurde die Abhängigkeit der Massen je treffender charakterisiert? "We are all sluts, cheap products in someone else's notebook".

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • A northwest passage
  • Bigger cages, longer chains
  • Capitalism stole my virginity

Tracklist

  1. A northwest passage
  2. Up for sale
  3. Bigger cages, longer chains
  4. Breakout 2001
  5. A body treatsie
  6. Born into a mess
  7. New empire blues
  8. Capitalism stole my virginity
  9. Last century promise
  10. Dead language of love
  11. A new morning, changing weather

Gesamtspielzeit: 46:14 min.

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