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Lawrence Arabia - Chant darling

Lawrence Arabia- Chant darling

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 08.01.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kann man sich schenken

Mit Vorurteilen ist es wie mit Geschenkpapier. Ohne sich durch Schleifen und Doppelknoten, unendliche Tesafilmspiralen und noch mehr Papier gekämpft zu haben, sollte nicht vorschnell auf etwas geschlossen werden. Womöglich versteckt sich hinter dem in Zeitungspapier geschlungenen, handtellergroßen Päckchen ein teures Schmuckstück. Dagegen überrascht nach einem Meer aus bunt gekringelten Bändern, glänzendem Papier und einer Geschenk-Höhe bis zur Hüfte womöglich ein Bügelbrett. Wenn James Milne als Lawrence Arabia auftritt, steckt leider auch sofort der Kopf im Sand. Vom anderen Ende der Welt kommt er. Rote Haare und ein ansehnlicher Bart wuchern wirr auf seinem Kopf. Doch seine berufliche Entwicklung ist das, wofür Milne anerkennendes Schulterklopfen verdienen sollte. Er spielte in zahlreichen Bands, tourte mit Feist und am Bass bei Okkervil River, produzierte Theaterstücke und komponierte Filmmusik.

Kein Wunder, dass das zweite Album "Chant Darling" erst nach über anderthalb Jahren Arbeit fertig ist. Zumal Milne es in verschiedenen Studios zwischen Neuseeland, London und Stockholm aufgenommen hat. So ein beneidenswerter Lebenslauf schürt zusätzliche Erwartungen, eine musikalische Meisterleistung zu Gehör zu bekommen. "Chant Darling" stand zwar nicht auf jedermanns Wunschzettel, aber das macht nichts. Der akustische Karl-May-Roman provoziert mit einigen langatmigen Passagen, bevor die eigentliche Geschichte losgeht. Das zunächst durchschnittlich gute Album wird durch mehrmaliges Hören immer besser. Der Anfang quietscht wie bei "Apple pie bed" mal drollig-folkig im Chor oder bittet bei halb geschlossenen Lidern und "The undesirables" die Slowmotion zum Tanz. Beim vierten Lied werden die Augen jedoch schlagartig wieder aufgerissen und gerieben, scheint es doch, als würden Simon & Garfunkel mit Ukulelen bewaffnet in Hawaiihemden herumspringen.

In der Folge legt "The beautiful young crew" einen fulminanten Auftritt hin. Schleicht sich mit Geklopfe, Gitarre und Gebrummel an, bittet darauf sachte das Schlagzeug hinzu, während die Stimme ruhig aber selbstbewusst "We love each other / We hate each other / We are afraid of each other because we want to screw each other" intoniert. Dann folgt Glockenspiel und schließlich der Höhepunkt mit Chor und Milnes energiegeladener Stimme, die ab und zu aus der Gruppe purzelt. Auch das hymnische "Eye a" verbreitet unglaublich gute Laune. Die fröhliche Trompete, die schnoddrige, teils schief klingende Stimme und der mehrstimmige Refrain sollten gar nicht mehr aufhören. Der Schluss des Albums imitiert den Anfang und kreiert einen Strudel von nur durch Konzentration und intensive Auseinandersetzung erträglicher, sakraler Langsamkeit und fidelem Qietschboys-Sound. Ein akustisches Geschenk also, das immer wieder abwechselnd aus- und eingepackt werden kann.

(Natascha Leo)

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Highlights

  • The beautiful young crew
  • Eye a

Tracklist

  1. Look like a fool
  2. The undesireables
  3. Apple pie bed
  4. Auckland CBD Part 2
  5. The beautiful young crew
  6. Eye a
  7. The crew of the commodore
  8. Fine old friends
  9. I’ve smoked too much
  10. Dream teacher

Gesamtspielzeit: 36:16 min.

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