First Aid Kit - The big black and the blue

First Aid Kit- The big black and the blue

Cooperative / Universal
VÖ: 29.01.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fallen gelassen

Viele Wege führen zum Erfolg. Zahllose Kandidaten quälen sich durch Casting-Formate und schmettern auf ihrer Klampfe James Blunt und Xavier Naidoo. Die Schwestern Klara und Johanna Söderberg wählten da einen anderen Weg. Wie könnte sich auch besser für den Posten als ernstzunehmendes Folk-Duo beworben werden, als mit einem Bewerbungsvideo direkt aus dem dunkelsten aller schwedischen Wälder und einem Song der Fleet Foxes auf den Lippen? Einschlägige Blogs standen Kopf aufgrund des Charmes, den die beiden Damen bei ihrem Homevideo versprühten.

"In the morning" startet so heimelig, dass einem sofort die zärtlich verwackelten Kameraeinstellungen vom Schneetreiben in Obergemsenbach vor Augen stehen, die in der Frühe auf 3sat bewundert werden können. Zu zärtlichen Stimmen gibt es gezupfte Gitarren. Fühl Dich hier wie zuhause. Schuhe aus und die Füße auf den Tisch. "Hard believer" strampelt sich danach gleich frei von christlichen Moralvorstellungen: "And it's one life and it's this life and it's beautiful." Von esoterischen Verspühlungen bleiben die Texte frei. Vielmehr inszenieren sie ein romantisches Beobachten. In "Winter is all over you" schwillt der eigene Hallgesang zum leisen Chor im Hintergrund an.

Es gibt keine Sehnsucht nach einer Metaphysik und auch kein Neid auf die Urbanität anderer Orte. Eine naive Zufriedenheit schleicht sich in Songs wie "Will of the river" ein. Dies ist aber nur eine Nuance, die mitgenommen werden kann. "Heavy storm" klingt reif und reibt sich die eben geöffneten Augen für eine Welt, die so gar nichts Friedliches mehr hat: "I wish I could believe what they tell me." Der Freak hat sich aus diesem Folk längst verabschiedet. Es wird gerungen mit dem Selbst und mit der Welt. Andere mögen da in die Spielzeugkiste greifen, aber dafür ist First Aid Kit die Sache viel zu ernst. In dieser intimen Atmosphäre wäre es auch verschenktes Potenzial, das Rumkaspern anzufangen.

Wieder und wieder sind es die folkigen Gitarren, die vom Gesang der beiden Schwestern eingelullt werden und so ihre Melodien fallen lassen. Wenn sich dann wie in "Ghost town" noch ein Klavier wegzuducken versucht, spulen sich die Momente ab, die eingefangen wurden. Wie in einem Rattan-Schaukelstuhl schunkeln die Songs hin und her. An manchen Stellen bleibt der Eindruck, dass es hier jemand zu verbissen meint. Dann kippen Songs wie "Josefin" ein wenig ins Spießige, und es bleibt der Wunsch nach einem erlösenden Augenzwinkern. Doch das ist zu verschmerzen, denn der Rest fügt sich einfach zu gut ins Bild. Altbekannten Mitteln wird Individualität und Inspiration verliehen. Die Welt ist ein Fundus an Dingen, die erzählt werden wollen. Da hört der Spaß eben manchmal auf.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Hard believer
  • Heavy storm

Tracklist

  1. In the morning
  2. Hard believer
  3. Sailor song
  4. Waltz for Richard
  5. Haevy storm
  6. Ghost town
  7. Josefin
  8. A window opens
  9. Winter is all over you
  10. I met up with a king
  11. Will of the river

Gesamtspielzeit: 38:36 min.

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User Beitrag
News
2011-08-23 16:46:04 Uhr
Neues Album in Produktion mit Mike Mogis! Könnte interessant werden!
live-session:
2010-04-25 11:47:46 Uhr
http://www.roteraupe.de/tv/session/13/restgeraeusch-session-first-aid-kit.html
Jules
2010-03-11 18:10:33 Uhr
Die Mädels sind Jahrgang 1990 und 1993? Mein Gott, ich werde alt.
honk
2010-01-22 17:15:02 Uhr
Verweise auf die
Jules
2010-01-22 09:41:13 Uhr
Ich habe "First Aid Kid" das erste Mal im Video von Anna Ternheims "Summer Rain" gesehen und da fand ich die Stimmen, wenn ich sie denn einzeln heraushören konnte, großartig.

Aber die andauernden Verweise auf die Fleet Foxes nerven langsam...
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