Everybody Was In The French Resistance ... Now! - Fixin' the charts Volume one

Everybody Was In The French Resistance ... Now!- Fixin' the charts Volume one

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 29.01.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Re: Miniszenz

Er hatte es ja bereits angedroht. Auch wenn die letzten beiden Alben von Art Brut nicht ganz an das Debüt "Bang bang rock and roll" heranreichten, ist Eddie Argos nach wie vor ausgezogen, die Popmusik zu revolutionieren. Oder wenigstens zu korrigieren: "If we can't change the world / Let's at least get the charts right." Und da er in diese mit seiner Hauptband in absehbarer Zeit wohl nicht einziehen wird, musste er sich eben etwas einfallen lassen. Zum Beispiel ein gemeinsames Projekt mit seiner Lebensabschnittsgefährtin Dyan Valdés, außerdem Bassistin der befreundeten The Blood Arm, das durch einen unverschämt monströsen Bandnamen glänzt. Und zudem einen hehren Anspruch erhebt.

Denn natürlich reicht es den beiden nicht aus, Klassiker von Frank Sinatra, The Mamas And The Papas, Bob Dylan, Michael Jackson und vielen anderen bloß schnöde zu covern. Stattdessen formulieren sie geistreiche bis grenzdebile Retourkutschen, ziehen die Texte auf links und bauen die Songs so zu musikalischen Antwortschreiben um. Dazu quietschen die Synthis, stolpern E-Pianos über muntere Beats und eröffnen dieses Album mit einer schwanzwedelnden Kulturgeschichte der Résistance: "When the Nazis marched on Paris / The French were quite embarrassed." Nicht weniger als köstlich. Und der Anfang einer guten halben Stunde ganz ohne Punkrock und The-Fall-Anlehnungen - aber dafür mit jeder Menge großem Spaß.

Zumal Argos und Valdés beim Zitatemarathon durch die Pophistorie zu erstaunlichen Ergebnissen kommen, die sich auch jederzeit auf den Kampfstern Alltag der Art-Brut-Alben anwenden lassen. Ärger mit stalkenden Verehrerinnen? Bildet die Single "G.I.R.L.F.R.E.N. (You know I've got a)" weitaus treffender ab als die Vorlage von Avril Lavigne. Liebeskummer? Macht die behutsame Dylan-Annäherung "Think again (It's not alright)" mit Cembalo, beleidigtem Monolog und weiblichem Gesangstrost greifbar. Selbst der leibliche Vater, der direkt nach der Zeugung die Kurve gekratzt hat, kriegt bei "Billie's genes" zu trockenem Basslauf, Orchester-Shots und Hot-Chocolate-Fanfaren sein Fett weg - ein Song, auf den sogar der King Of Pop stolz gewesen wäre. Und langsam werden sie knapp, die Plätze in der Referenzhölle.

Seinen delikaten Reiz bezieht "Fixin' the charts Volume one" sowohl aus seinem Bubblegum-Appeal und Argos' textlichen Spitzfindigkeiten, als auch aus den Wortgefechten, die er und Valdés sich im Call-and-response-Stil liefern. Der halbstarke Liebhaber aus "He's a rebel" von den Crystals etwa steht hier nicht nur in Anführungszeichen, sondern auch zur hitzigen Diskussion. Sie so: "When we watched "Casablanca", he didn't cry at the sad bit." Er so: "It's not because he's tough / It's 'cause he didn't understand it." In praktisch jedem Song ein wie in Stein gemeißelter Satz, in mindestens jedem zweiten eine charmante musikalische Idee - und um an all dem seine Freude zu haben, muss man nicht einmal alte Humphrey-Bogart-Schinken mögen. Everybody Was In The French Resistance ... Now! sind auch so die Kriegsgewinnler des Pop.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Creeque allies
  • G.I.R.L.F.R.E.N. (You know I've got a)
  • Billie's genes
  • He's a "rebel"

Tracklist

  1. Creeque allies
  2. G.I.R.L.F.R.E.N. (You know I've got a)
  3. (I'm so) Waldo P. Emerson Jones
  4. The Scarborough affaire
  5. Billie's genes
  6. Think twice (It's not alright)
  7. Hey! It's Jimmy Mack
  8. He's a "rebel"
  9. Coal digger
  10. My way (is not always the best way)
  11. Superglue
  12. Walk alone

Gesamtspielzeit: 35:30 min.