Motorpsycho - Heavy metal fruit

Motorpsycho- Heavy metal fruit

Stickman / Indigo
VÖ: 15.01.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Playing apart together

Es gab Zeiten, lieber Leser, da war ein Motorpsycho-Album so etwas wie ein vertontes Überraschungsei. Da hat die kompetente Presse noch mit jeder Veröffentlichung der Norweger lauthals aufgeschrien und deren kolossal große Bandbreite verdient über den Klee gelobt. Einzigartig ist diese Herangehensweise, sich mit einem jedem neuen Tonträger-Meilenstein auf links und rechts zu drehen, nun nicht. Ein John Zorn würde sich ins Fäustchen lachen, sollte er jemals die Historie der motorpsychotischen Transformationen zu lesen bekommen. Aber das kann den Gründungsmitgliedern Bent Sæther und Hans-Magnus Ryan freilich egal sein, denn beide waren und sind keine genrehüpfenden Radikalisten, spielen sie doch eher mit den Auswüchsen eines erwachsen gewordenen Rock'n'Rolls. Erstaunlich bleibt aber die Konsequenz, mit der die Band aus Trondheim jede Veröffentlichung in den Neunziger und zu Beginn der nuller Jahre separiert hat, so als sei es deren Aufgabe gewesen, jegliche Assoziationsketten der Hörerschaft zu sprengen. Mit Liebe und Leidenschaft, versteht sich.

Nach dem "long goodbye" des früheren und von vielen Erststundenfans vermissten Drummers Håkon Gebhardt, der seinen Abschied für die anderen Bandmitglieder quälend lange hinauszögerte und damit Kreativprozesse und verbundene Zukunftsprognosen einfror, verabschiedete man sich von der erfolgreichen Bäumchen-wechsel-dich-Herangehensweise. Nicht etwa um Standhaftigkeit zu demonstrieren, sondern um sich im Wirbel der Neuorientierung selbst zu finden. Ein schwieriger Prozess, geschuldet wohl auch dem expressiven neuen Trommler Kenneth Kapstad, dessen Einflussbandbreite aus metallenem, strukturfreiem Dröhnen und Jazz seinen Platz finden musste. Zu hören ist das auf dem Vorvorgänger "Little lucid moments" und der ausschließlich auf Vinyl veröffentlichten LP "Child of the future" - zwei durchaus gelungene Alben, mit vielen losen Anfängen und Enden.

Was also kommt nun mit "Heavy metal fruit" auf uns zu? Glaubt man dem Titel, der Track- und Minutenangabe, droht eine Fortsetzung der nicht allzu bunten Spielübungen der letzten beiden Alben. Genau dem ist aber nicht so, auch wenn der Beginn des 12-minütigen Stücks "Starhammer" so klingt wie eben dessen unbescheidener Titel. Brachial, schwülstig und aufgedunsen schieben sich für wenige Sekunden unschöne Keyboardfanfaren in den Vordergrund, unterbrochen nur durch die gedoppelte Stimme Sæthers und Blues-Hardrock-Standard-Riffs. Als sei es ein gewollter anfänglicher Schockmoment, verlaufen sich diese Fanfaren urplötzlich im Nichts, und Motorpsycho finden die Konzentration und den Zusammenhalt, den sie sich in den letzten Jahren erarbeitet haben. Sæthers Bassspiel gibt minimalistisch und dezent groovend den Ton an. Ryan improvisiert bruchstückhaft, bis er zu skizzenhaften Melodien findet. Kapstadt spielt seine gekonnte Nähe zum Jazz aus, vollführt den Wechsel von rhythmischer Unterordnung zur losgelösten freiheitlichen Trommelei perfekt und eindrucksvoll aus. Sekunde für Sekunde laufen die eingestreuten Fäden zusammen und verbinden sich zur neuen Marschrichtung und Selbstverständlichkeit Motorpsychos.

Der zweite Track "X-3 (Knuckleheads in space) / The getaway special" findet nicht über einen Schockmoment zu wahrer Größe. Sein erster Teil erinnert mit seinen unüberhörbaren 70s-Rock-Anleihen, seinem simplen Rhythmus und psychdelischer Ausdrucksstärke an das wunderbar verspielte "Barracuda"-Mini-Album. Und auch hier gibt es den Moment der Überlagerung, wenn das Spiel der Band einen ungebrochenen Kreis bildet und sich mit wildem Getöse im erhofften Nichts verläuft. Heraus kommt dieses Mal Jaga-Jazzist-Mitglied Mathias Eck, dessen überlegtes Trompetenspiel sich besänftigend auf den Motorpsycho-Stamm auswirkt. "In a silent way" von Miles Davis, angereichert mit dezenten Funk-Spitzen, mag einem da in den Sinn kommen, was für die Qualität des Songs spricht. Auch "The bombo-proof roll and beyond (for Annie Hassle)" begeistert durch einen endzeitigen Umbruch, besonders wenn sich die lieblichen "Phanerothyme"-Flöten gegen brachiale wie hypnotische Maschinengewehrdrums von Kapstad auflehnen. Auch wenn "Heavy metal fruit" nicht an jeder Stelle glänzt (vergessen wir lieber den unfassbar aufgeblasenen und dennoch völlig belanglosen Schluß von "W.B.A.T."), ist dieses Album doch wie ein Beweis für alte Stärken. Verbunden und verwoben mit Einflüssen, die vormals nur schwerlich ihren Platz gefunden haben.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • X-3 (Knuckleheads in space) / The getaway special
  • The bombo-proof roll and beyond (for Annie Hassle)
  • Gullible's travails (pt I - IV)

Tracklist

  1. Starhammer
  2. X-3 (Knuckleheads in space) / The getaway special
  3. The bombo-proof roll and beyond (for Annie Hassle)
  4. Close your eyes
  5. W.B.A.T.
  6. Gullible's travails (pt I - IV)

Gesamtspielzeit: 62:08 min.

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The MACHINA of God

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Registriert seit 07.06.2013

2017-08-11 00:00:37 Uhr
Definitiv in ihren Top 5.
The MACHINA of God
2012-02-18 22:41:00 Uhr
Perfekte Vorbereitung auf das, was gerade das dem Tod trotzende Einhorn abzieht. Unfassbar, die Band!
Kampfbrot
2011-02-12 13:03:42 Uhr
Mein erstes Motorpsycho-Album, das ich unter der Kategorie "Grower" einordne. Hab mich anfangs bisschen dran gewöhnen müssen, aber inzwischen find ich es richtig stark!
The MACHINA of God
2011-02-11 23:05:50 Uhr
8,5/10
The MACHINA of God
2010-05-31 19:48:48 Uhr
"Giftland", "Timothy's monster" und "Vortex surfer" in Brüssel? Hui. Will ich auch.
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