Farin Urlaub - Endlich Urlaub!

Farin Urlaub- Endlich Urlaub!

Völker hört die Tonträger / Universal
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Urlaub auf Krankenschein

Den Blonden mit dem breiten Grinsen hat man doch schon irgendwo gesehen, oder? Klar, das ist Farin Urlaub, Frontkasper der selbsternannten "besten Band der Welt". Nachdem Urlaub jahrelang augenzwinkernd damit hausieren ging, er ginge mit Unmengen von Songs schwanger, die ihn auch solo in goldenen Schallplatten duschen lassen würden, kündigte Freund Bela kurzerhand ein ganzes Album an. Jetzt also rollt das gute Stück auch endlich zwangsläufig aus dem Kreißsaal. Klingt nach verordneter Therapie. "Ein Soloalbum voller schlechter Stücke vom Gitarristen einer bekannten Band ist soziemlich das Letzte, was die Welt braucht." Klingt nach Selbstzweifel. Erwartet uns mit "Endlich Urlaub" etwa ein ernstes, gar nachdenkliches Album?

Weit gefehlt! Schon mit dem vorgeschickten "Glücklich" zeigt der Solodoktor, daß sich sein außerärztlicher Horizont durchaus mit dem der Stammkapelle deckt. Wer sich Albernheiten jenseits der Geschmacksgrenze erhofft, darf sich an Geschichten wie der von fehlendem Rhythmusgefühl ("Ich gehöre nicht dazu"), von Unfällen mit Lastkraftwagen ("Am Strand") und der Rache des verlassenen Lovers ("1000 Jahre schlechten Sex") erfreuen. Urlaub ist sich dabei ständig über sein wichtigstes Körperteil vollkommen im Klaren: Es ist der Nacken, dort wo der Schalk sitzt.

Selbst beim sentimentalsten Thema stürzt er sich mittels kleiner Wortdrehungen auf den nächsten Klamauk. Die Katastrophen passieren dabei grundsätzlich nur anderen ("Du bist nicht zu dick / Nein, die anderen sind zu dünn"). Die Haare in der Suppe munden schließlich immer noch am besten in fremden Tellern. Nebenbei wird dem Staat höhnisch fürs Regieren gedankt ("Es gibt viel zu viel Ausland auf der Welt") und das bloße Glück genossen ("Steuern, Lepra, Katzenpisse kratzen mich kein Stück / Ich bin verliebt"). Alles nur gejuxt? Aber klar doch.

Musikalisch gönnt sich Urlaub zwar keine großen Sprünge, traut sich aber doch gelegentlich den einen oder anderen Schritt vom Hippokratischen Eid der Kameraden weg. Wenn er schon alle Instrumente bis auf ein paar Streicher und Bläser selber spielt, reist er auch gleich an den Ecken und Kantens des eigenen Koordinatensystems entlang. Da schmitzt er in der Hymne auf die eigene Vergangenheit authentischer als Morrissey ("Unsere Tage waren dunkel / Unsere Hemden waren schwarz"), zieht sich in "... und die Gitarre war noch warm" den Schuh des Manitu an und läßt das Banjo bei "Der Kavalier" in bester Fink-Manier perlen. Wenn ihm die Busters dann auch noch ein paar leckere Offbeats um die Ohren pusten, will keiner mehr die gebuchte Reise stornieren. "Endlich Urlaub"!

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sumisu
  • OK
  • Wunderbar
  • Phänomenal egal

Tracklist

  1. Intro (Manche nennen es Musik)
  2. Jeden Tag Sonntag
  3. Sumisu
  4. Glücklich
  5. Ich gehöre nicht dazu
  6. OK
  7. Der Kavalier
  8. Am Strand
  9. Wunderbar
  10. Das schöne Mädchen
  11. 1000 Jahre schlechten Sex
  12. ... und die Gitarre war noch warm
  13. Lieber Staat
  14. Phänomenal egal
  15. Abschiedslied
  16. Outro (Ja, das wurde auch Zeit)

Gesamtspielzeit: 49:39 min.

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