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Volcano Choir - Unmap

Volcano Choir- Unmap

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ruhe jetzt

Was aus einem alten Bettlaken nicht alles werden kann. Im Kindesalter ein lustiges Gespenst, im Knast zusammengeknotet der Weg in die Freiheit. Auf dem Cover von "Unmap" taucht es wieder auf - als ästhetisches Element. In der Musik von Volcano Choir findet es sich ebenfalls als Konzept wieder. Ob die Beteiligten dieses Projekts, namentlich Bon Iver sowie Collections Of Colonies Of Bees, ein Faible für Schlaf haben, ist nicht bekannt. Doch mit jedem Durchgang dieses Albums verfestigt sich der Eindruck, dass hinter der ganzen Sache nur eine große Pyjamaparty steckt. Ruhige Klänge und stille Sekunden prägen das Bild. Stimmen huschen hier und da über Gitarrengezupfe und ein paar Beats.

Das zieht manchmal ein wenig an den Lidern. Denn Schnarchnasigkeiten wie "Seeplymouth" krümeln in ihrer Langeweile das ganze Bett voll. Was hoffnungsvoll beginnt, nimmt mit zunehmender Dauer an Intensität ab. Gitarrenloops kommen nicht auf den Punkt, und zum Schluss sabbelt noch irgendeine Stimme von wem auch immer ins Kissen. Das ist an guten Tagen erträglich, an allen anderen vorallem nervig. Doch trotz des häufig verbreiteten Wegnickreizes können manche Momente Spannung auslösen. "Island, is" mit seinem verträumten Anhimmeln auf Beats und Vernons Stimme, die sich perfekt einbettet, hypnotisiert und die Bahn halten kann. Das Verspielte ist nicht zerfahren, sondern genau im richtigen Maße vorhanden.

Ansonsten passiert nicht viel. Nebulöse Sounds ziehen die Vocals durch das noch taufeuchte Gras. Hektik ist vollkommen ausgeschlossen. Merkwürdigerweise scheinen diese 35 Minuten Musik alle Zeit der Welt zu haben und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Langsam schlüpft "And gather" aus seinem Kokon mit Handclaps und Beats. Die Übergänge sind dann so flüssig, dass der eigentlich plötzliche Abbruch und das Hinübersinken zu "Mbira in the morass" kaum auffällt. Obwohl die einzelnen lang gezogenen Klaviertöne und der isolierte weinerliche Gesang so gar nicht zu dem zarten Vorläufer passen wollen. Die zarten Momente kippen zu schnell ins Gegenteil über, und Melodien werden beliebig.

So zerren die Gegensätze an "Unmap". In seiner Ruhe liegt eine strapazierende Nervigkeit, die vielleicht mehr aufwühlen kann als so mancher Merzbow-Release. Intimität wandelt sich schmerzlos in Aufdringlichkeit um. Stücke wie "Youlogy" mögen nett gemeint sein, aber dieses schläft schon auf halben Wege ein. Das verzerrte und leicht dröhnige "Still" hingegen sucht die Aufmerksamkeit und baut sich sanft auf. In den wachen Augenblicken sammeln sich die interessanten Dinge. In den anderen wird ein Kribbeln in den Fußspitzen merkbar. Darauf einen Schluck warme Milch mit Honig.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Island, is
  • Still

Tracklist

  1. Husks and shells
  2. Seeplymouth
  3. Island, is
  4. Dote
  5. And gather
  6. Mbira in the morass
  7. Cool knowledge
  8. Still
  9. Youlogy

Gesamtspielzeit: 35:18 min.

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