Timber Timbre - Timber Timbre

Timber Timbre- Timber Timbre

Arts & Crafts / Al!ve
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Hüttenzauberer

Kirk Taylor ist in mehrerlei Hinsicht auf dem Holzweg. In der kanadischen Wildnis, wo er in einer Blockhütte seine ersten Songs einklampfte. Im Namen seines Projektes Timber Timbre, der auf seine Herkunft in den ländlichen Waldgebieten hinweist. Und auf dem Cover seines dritten Albums, wo ein paar Stufen weiter unten eine düstere Gestalt mit spitzem Hut wartet. Vielleicht der "Demon host", der Taylor auf dem ersten Stück seine Aufwartung macht? Oder doch der gute Geist, der ihm eines Tages flüsterte, er solle seine behutsamen Folk-Preziosen einmal an ein größeres Label schicken, damit auch die Zivilisation etwas von ihnen hat?

Denn obwohl Taylor im Grunde nichts groß anderes spielt als Hüttenmusiker wie Justin Vernon oder The Low Anthem, erweist sich "Timber Timbre" als besonders verwunschene und unwirkliche Sammlung von Songs. Das Lagerfeuer ist längst ausgebrannt und kokelt stattdessen unheimlich vor sich hin, während der Kanadier zu einsamer Gitarre, beharrlich tuckernder Orgel und Banjo merkwürdig entrückte Dinge erzählt. Etwa von seinem halb verwesten Körper, den ein hilfsbereiter Mensch - vielleicht sogar eine Frau - aus dem Sumpf zieht und mit nach Hause nimmt. Oder von Pfeilen, die wie von Geisterhand gelenkt stets ins Schwarze treffen.

Beides äußerst zutreffende Bilder für ein rätselhaft glühendes Album, das gnadenlos aus der Zeit gefallen klingt, von unwirklichen Stimmungen durchdrungen und doch auf eine herzerwärmende Art catchy ist. "Lay down in the tall grass" pirscht sich zunächst gemütlich auf leisen elektronischen Pfoten vorwärts, um dann mit den Worten "I've been dreaming every night of you / So badly decomposed" in einem blendenden Refrain romantisch gruselige Bilder zu malen. "Magic arrow" klopft sich wenig später mit bedrohlich verhalltem Riffing und spartanischem Rhythmusgerüst so eindringlich ins Bewusstsein, dass einem jeden Augenblick das Herz stehenbleiben könnte.

Und doch weiß Taylor insgeheim, dass die Abgeschiedenheit der Wälder auf Dauer nicht guttut, wenn er zu fließender Orgel konstatiert: "I get low on my own." Und steht dann doch einmal jemand vor der Tür, verheißt das nichts Gutes: "Trouble comes knocking" humpelt auf einem dunklen Groove aus gebürsteten Drums und Mundharmonika vorwärts, während man bange horcht, was von draußen reinkommt. Glück gehabt: Es ist bloß "No bold villain", der "Timber Timbre" mit kratzendem Gegeige beschließt. Und außerdem klarmacht, dass sich ungelenke Kategorisierungen wie "Gothic Rockabilly Blues" oder "Lo-Fi Bedroom Folk" angesichts dieser magischen, dunkelgrauen Lieder ausdrücklich verbieten. Denn auch ohne sie verbreitet "Timber Timbre" mit sparsamen Mitteln und zuweilen schräg aufblitzendem Humor Glanz in jeder Hütte. Eine Menge Holz.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Lay down in the tall grass
  • Magic arrow
  • Trouble comes knocking

Tracklist

  1. Demon host
  2. Lay down in the tall grass
  3. Until the night is over
  4. Magic arrow
  5. We'll find out
  6. I get low
  7. Trouble comes knocking
  8. No bold villain

Gesamtspielzeit: 36:20 min.

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