Oi Va Voi - Travelling the face of the globe

Oi Va Voi- Travelling the face of the globe

Oi Va Voi / Al!ve
VÖ: 08.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Funkhaus Osteuropa

"Yoine, oi!" Groß war das Gezeter, als die Wirtin aus Roman Polanskis Horrorklamauk "Tanz der Vampire" in diesem Wortlaut das Ableben ihres Mannes beklagte. Wahrscheinlich hat sie hinterher auch noch "Oi va voi!" geschrien - ein jiddischer Ausruf des Entsetzens, nach dem sich dieses Londoner Sextett benannt hat, das seit 2003 Indie und Elektronisches mit osteuropäischer Folklore und Klezmer-Musik vermischt. In ihren Anfangstagen führte die Band gar KT Tunstall in ihren Reihen - die sich jedoch noch lange vor dem Balkan-Pop-Hype Richtung erfolgreiche Solokarriere davonmachte. Ersatz war schnell gefunden: Die britischen Top Ten bekamen Tunstall und Oi Va Voi dafür Bridgette Amofah. Sie können sich glücklich schätzen. Die dunkelhäutige Sängerin hat nämlich nicht nur einen Großteil von "Travelling the face of the globe" mitgeschrieben und -produziert, sondern ist auch diejenige, die dem bunten Reisetagebuch des vierten Oi-Va-Voi-Albums einen Großteil seiner Faszination verleiht.

Mit strahlender stimmlicher Brillanz wirft sie sich in die Songs und stellt den oft schwermütigen folkloristischen Stimmungen mit ihrem voluminösen Organ unbändige Lebensfreude gegenüber. Der Opener "Waiting" verknüpft dazu gezupfte Geigen und klagende Klarinette mit einem kickenden Beat, das Titelstück wirbelt Tangorhythmen, gestopfte Trompete und Dance-Elemente durcheinander. "Dusty road" begibt sich mit Maultrommel, galoppierendem Uptempo und schluchzender Violine auf die Piste und wächst allmählich zum ausgelassenen Veitstanz heran, "Foggy day" kündet von Fernweh und verhangener Melancholie. Doch so toll alle diese Songs auch sind - komplett werden sie erst durch Amofahs Vocals, die oft Einsamkeit und unerfüllte Träume verhandeln, aber gleichzeitig Trost spenden und empfangen: "Every tear in your eye is a drop in my mind." Aber auch: "Although the stars above me whisper songs to comfort me / I'm still a solitary girl seeking company." Warum sich niemand ihrer erbarmt, bleibt ein Rätsel.

Da ist es nur folgerichtig, dass die wenigen Momente von "Travelling the face of the globe", die ohne Amofah auskommen müssen, vergleichsweise abfallen. Etwa die instrumentale Etüde "Magic carpet", die jiddische Feuerklage "S'brent" mit der Ungarin Agi Szaloki am Mikro oder das abschließende "Photograph", für das sich das französische Elvis-Pendant Dick Rivers ins Studio bequemte. Doch das sind nur kleine Ausreißer auf einem zumeist begeisternden Album, das Verfechter reiner Folklore-Lehren und traditionsbewusste Puristen vielleicht für seine Indie-Dance-Anflüge und den zeitweiligen Pop-Crossover schelten werden. Wobei sie jedoch übersehen, was für bezaubernde Hybride auf den Trümmern eingerissener Genregrenzen erblühen können. Und außerdem wahrscheinlich ein Herz aus Stein haben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Waiting
  • Travelling the face of the globe
  • Every time
  • Dusty road

Tracklist

  1. Waiting
  2. I know what you are
  3. Travelling the face of the globe
  4. Every time
  5. S'brent
  6. Magic carpet
  7. Dusty road
  8. Foggy day
  9. Wonder
  10. Long way from home
  11. Stitches and runs
  12. Photograph

Gesamtspielzeit: 45:50 min.

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  • Oi Va Voi (3 Beiträge / Letzter am 28.11.2007 - 15:02 Uhr)