John Mayer - Battle studies

John Mayer- Battle studies

Columbia / Sony
VÖ: 08.01.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Ex-Schwiegersohn

Er hatte die Wahl. Er kann wirklich nicht behaupten, dass es nicht so gewesen wäre. Als John Mayer im Alter von 24 Jahren sein Debütalbum "Room for squares" veröffentlichte, stand ihm quasi die Welt offen. In seiner Heimat mit Lob und Anerkennung überschüttet und dank des kitschigen "Your body is a wonderland" mit einem akzeptablen Radiohit ausgestattet, hätte er einer dieser ganz Großen werden können. Das Talent lässt sich ihm nicht absprechen, der Wille war sicher auch da. Aber als besagter John Mayer von seinem eigenen Gewissen - und der US-Presse - vor die Wahl gestellt wurde, ob er ein Musiker bleiben wollte, der eben dafür bekannt war, entschied er sich für den anderen Weg. Die Quittung bekommt er bei jeder Neuveröffentlichung - hierzulande ist er stets der Ex-Freund, etwa von "Ghost Whisperer"-Darstellerin Jennifer Love Hewitt. Oder der Thunfisch-Spezialistin Jessica Simpson. Oder der On-Off-Friend von Jennifer Aniston. Irgendwie ein bisschen schwul soll er auch sein. Twittern ist eine weitere Leidenschaft des mittlerweile 32-jährigen. Und wer sich damit mal beschäftigt hat, wird wissen: Besonders viel zu sagen hat er da nicht gerade.

Aber wie hieß sein letztes Album? Und das davor? Unwissen bei der Mehrheit außerhalb der Staaten. Kann jemand noch einen Song von ihm nennen? Fehlanzeige. Und dabei hätte es so gut werden können! Der Mann kann ja wirklich was! Und doch wird es immer schlimmer, bis selbst die wenigen eingefleischten Fans das Handtuch werfen. Mayer ertrinkt auf seinem immerhin vierten Album in seiner eigenen unerträglichen Seelenlosigkeit. Jeder einzelne der elf Songs ist handwerklich gut gemacht, auf Hochglanz poliert und als eigenständiger Radiohit produziert. Dass es nach dem dritten, vierten Song langsam etwas eintönig wirkt, ist das Problem der Hörer. Der Einstieg mit "Heartbreak warfare" gelingt da noch mit am besten. Hier rettet sich Mayer zur Mitte hin dann noch mit einem kleinen Umschwung in der Melodie und, so muss das sein, dem ein oder anderen harten Gitarrenriff. Und weil Mayer natürlich nicht nur gut spielen kann, sondern mittlerweile auch ein PR-Profi ist, holt er sich auf "Half of my heart" die hierzulande völlig links liegengelassene Sängerin Taylor Swift ins Boot. Das sieht auf dem Booklet gut aus; dass er Swift, die sich in den USA gerade zu einer der erfolgreichsten Sängerinnen inklusive "Artist of the year 2009" mausert, nur die Zweitstimme im Refrain übernehmen lässt, wirkt fast schon wie Kalkül.

Es folgen einige bedeutungsschwangere Songtitel wie "All we ever do is say goodbye", "Perfectly lonely" und "War of my life", einer wie der andere ein vor sich hin plänkelndes Stück Popmusik. Dazwischen verstecken sich hier und da genau die Perlen, die das Album vor dem Untergang bewahren. So etwa das reduzierte "Who says", das Mayer als den Musiker outet, der er hätte sein können. Mit Akustikgitarre und Harmonium ausgestattet, gestaltet sich die erste Single von "Battle studies" als lockeres, sanft im Takt schwingendes Stück, das durchaus zu gefallen weiß. "Edge of desire" packt in der zweiten Hälfte dann endlich die nötige Leidenschaft und bietet eine angenehme Überleitung zum Abschluss mit "Friends, lovers or nothing", das, wie es halt oft so ist, das Glanzstück des Albums bildet. Trotzdem bewahrheitet sich auch am Ende, nach einer Reihe melodramatischer Liebessongs, dass Mayer einmal zu oft die falsche Entscheidung getroffen hat. Aber auch dafür ist der Gute nicht nur Musiker, sondern vor allem Mensch. Und so kann er immer noch auf den richtigen Weg zurückkommen - wenn er vor lauter Weibern und twittern nicht die Ausfahrt verpasst.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Heartbreak warfare
  • Who says
  • Friends, lovers or nothing

Tracklist

  1. Heartbreak warfare
  2. All we ever do is say goodbye
  3. Half of my heart (with Taylor Swift)
  4. Who says
  5. Perfectly lonely
  6. Assassin
  7. Crossroads
  8. War of my life
  9. Edge of desire
  10. Do you know me
  11. Friends, lovers or nothing

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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Frage
2010-01-06 15:32:00 Uhr
Warum macht man eigentlich einen Thread zu Musik auf, die man langweilig findet?
manuel
2010-01-06 15:17:20 Uhr
Continuum hat mir gar nicht gefallen *duck* aber das neue Album finde ich etwas besser...
DXH
2010-01-05 17:02:10 Uhr
Was ein grauenhaftes Review!

7/10 gibts von mir. Nicht so stark wie Continuum aber dennoch ein gutes Album ohne großen Ausfall.
Michel
2009-11-24 15:47:07 Uhr
Bin ehrlich gesagt auch etwas enttäuscht. War bis jetzt von jedem Album begeistert, auf Battle Studies sind aber tatsächlich ein paar Lieder draus, die mir gar nicht gefallen wollen. z.B. Heartbreak Warfare ist in der Akustik Version der Hammer, auf der Platte irgendwie vollkommen überkandidelt.
Auf jeder Platte war ansonsten auch immer ein Knaller wie (Spltscreen Sadness/Somethings Missing/In Repair), einen entsprechenden habe ich auf Battle Studies noch nihct gefunden. Ein paar gute Songs sind aber trotzdem drauf...
Andi
2009-11-16 13:41:19 Uhr
Ich mag seine Musik zum Relaxen, muss ja auch mal sein. Denn so ein paar Perlen findet man auf jedem John Mayer Album. Hier ist es zum Beispiel Edge Of Desire. Und es muss ja nicht immer alles vor künstlerischem Anspruch strotzen.
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