Adam Green - Minor love

Adam Green- Minor love

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 08.01.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Egaler als Karl Lagerfeld

Ein bisschen Selbstgefälligkeit war in dem Gesicht schon zu erkennen. Lässig zurückgelehnt und entspannt lag er da, dieser Adam, mit dem Michelangelo Anfang des 16. Jahrhunderts die Sixtinische Kapelle tapezierte. Da Namen verpflichten, lehnte sich etwa 500 Jahre später wieder ein Adam ins gemachte Bett und ließ sich durch die Reihen von Indie- und Hochkultur reichen. Ebenso lässig und entspannt, dafür aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht, sang er seine Blödeleien in die Welt, und die Welt antwortete, indem sie ihm für ein paar Stunden Geschichte aus der Hand fraß.

Die Kaspereien scheinen auf "Minor love" am langen Arm verhungert zu sein. Hier und da vielleicht eine Zeile, die ein wenig zum Schmunzeln anregt. Selbstzerstörungsromantik wie in "Cigarette burns forever" findet sich in Melancholie wieder. Das wäre alles gut und nett und schön, wenn an vielen Stellen nicht die mitreißenden Melodien fehlen würden – denn die waren hinter all dem Theater und Wilden-Kerl-Getue bisher ja trotzdem vorhanden. So krepiert "Oh stucks" an seiner eigenen Coolheit, die irgendwie krachig und egalig klingen soll und es dann auch tut. Das geht in seiner Mutwilligkeit vollkommen nach hinten los. Zum Glück bleibt dieser Versuch einer Verweigerung mit sich allein.

Denn der Rest der Songs ist nett arrangiert und versucht sich nicht am Stinkefinger. "Lockout" schlägt ein paar getrötete Purzelbäume über die Püpse der E-Gitarre, in "Breacking locks" finden sich Orgel-Sounds, und auch ein Männerchor hat sich in "Goblin" versteckt. Doch so richtig überzeugen kann dies alles nicht. Denn normalerweise ließen sich solche Dinge von den Texten tragen, aber diese geben diesmal nicht viel Erinnerungswürdiges her. "Don't call me uncle" etwa versickert im eigenen Nirwana. Witz komm raus, du bist umzingelt. In "Buddy Bradley" rennt das lyrische Ich von Tür zu Tür auf der Suche nach spannenden Zeilen. Ein leichter Groove kittet viel, doch auch dieser Song bleibt unterm Strich enttäuschend.

Die Spitzbübigkeit, die Adam Green bisher ausmachte, ist Melancholie und Langeweile gewichen. Die Gitarren schrammeln zwar, sind aber weder verspielt, noch fordern sie den Hörer heraus. Und das Selbstmitleid ist nicht einmal wirklich nervig, sondern einfach einerlei. Auch Arrangements und Produktion können nicht an allen Stellen überzeugen. Weder das Tanzbein will geschmissen werden, noch wird richtig versackt. Selbst das schelmische Grinsen ist aus dem Gesicht gewichen, für pubertäre Scherzchen ist kein Platz mehr. Das ewige Quere scheint beendet. Adam Green, where has your love gone?

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Castles and tassels
  • You blacken my stay

Tracklist

  1. Breaking locks
  2. Give them a token
  3. Buddy Bradley
  4. Goblin
  5. Bathing birds
  6. What makes him act so bad
  7. Stadium soul
  8. Cigarette burns forever
  9. Boss inside
  10. Castles and tassels
  11. Oh shucks
  12. Don't call me uncle
  13. Lockout
  14. You blacken my stay

Gesamtspielzeit: 31:48 min.

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