The Devil's Blood - The time of no time evermore

The Devil's Blood- The time of no time evermore

Ván / Soulfood
VÖ: 11.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die armen Schweine

Getöse im Underground nach nur einem Demo und zwei EPs mit übersteigerten, geradezu euphorisierten Reviews sind zumeist Vorzeichen für einen Hype, der allzu schnell in Ernüchterung umschlägt. Wohl selten wurde in der Szene ein derartiges Aufsehen um ein Debütalbum gemacht wie bei The Devil's Blood. Konzerte, die von der Band selbst als "Rituale" bezeichnet werden und vor denen ein ausführliches Bad in Schweineblut genommen wird, sowie ein höchst okkult-satanisches Auftreten tragen ihr Übriges dazu bei. Viel zu oft hat sich so etwas in der Vergangenheit als Eigentor entpuppt, denn unabhängig davon, ob die Herrschaften wirklich "echte" Satanisten sind (was auch immer damit gemeint sein mag) oder einfach nur fürchterlich einen an der Waffel haben, muss zunächst einmal die Musik entscheiden.

Eine Musik, die den Uneingeweihten gleich mehrfach überrascht. Erstens: Hier kriechen keine Skandinavier in Panda-Optik durchs Gehölz, hier toben sich Niederländer aus. Zweitens: Diese Herren nebst Sängerin röcheln nicht etwa Low-Fi-Black-Metal, sondern frönen dem Seventies-Hardrock der Marke Blue Öyster Cult oder frühe Black Sabbath. Und drittens: Das klingt verdammt gut! Denn Songs wie "Evermore" oder "The yonder beckons" beamen den Hörer dank ihres warmen, analogen Sounds direkt zurück in die große Zeit des psychedelisch-düsteren Hardrocks.

Bleibenden Eindruck hinterlassen vor allem Sängerin Farida Lemouchi, die ein ums andere mal klingt, als sei die Image-Pionierin Jinx Dawson in einen Jungbrunnen geplumpst, und ihr Bruder Selim, der es schafft, den Hardrock direkt aus den Siebzigern in das Jahr 2009 zu heben. Was zunächst wie eine Kopie klingt, ist vielmehr konsequente Weiterentwicklung der Idee. In allen Facetten. Und ohne Scheuklappen, indem etwa noch einmal kundgetan wird, dass die Band bei Auftritten und vor allem beim Songwriting von Satan besessen sei.

Welches höhere Wesen auch immer dahintersteht: Wer Songs wie "Christ or cocaine" oder das überlange "The anti-kosmik-magick" schreibt, kann kein schlechter Mensch sein. Ob The Devil's Blood damit nun Schwarze Messen vertonen möchten, sei dahingestellt. Fakt ist, dass sie ein Mysterium um sich kreiert haben, das - zumindest momentan - glaubwürdiger und weniger comedyhaft erscheint als bei den meisten skandinavischen Black-Metal-Protagonisten. Schade eigentlich, dass das Artwork dank vollkommen verrissener Farbgebung, gepaart mit einer Schrift, die sich ein Designpraktikant im Absinth-Rausch ausgedacht haben muss, völlig unlesbar ist. Natürlich ist der Hype, der um die Niederländer getrieben wird, ziemlich übertrieben. Denn letztlich ist "The time of no time evermore" abseits von der sicher diskutablen Message nicht mehr oder weniger als ein - eben - verteufelt gutes Stück Hardrock.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Evermore
  • The yonder beckons
  • Christ or cocaine
  • The anti-kosmik-magick

Tracklist

  1. The time of no time
  2. Evermore
  3. I'll be your ghost
  4. The yonder beckons
  5. House of ten thousand voices
  6. Christ or cocaine
  7. Queen of my burning heart
  8. Angel's prayer
  9. Feeding the fire with tears and blood
  10. Rake your nails across the firmament
  11. The anti-kosmik-magick

Gesamtspielzeit: 54:35 min.

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