Martha Wainwright - Sans fusils, ni souliers, à Paris: Martha Wainwrights Piaf record

Martha Wainwright- Sans fusils, ni souliers, à Paris: Martha Wainwrights Piaf record

Drowned In Sound / Cooperative / Universal
VÖ: 04.12.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Den Spatz in der Hand

Martha Wainwright lügt. Sogar doppelt und dreifach. Sans fusils? Unbewaffnet? Also bitte, wenn diese Stimme kein Geschoss ist! Von den Waffen einer Frau, die La Wainwright zweifelsohne ist, ganz zu schweigen. Dass sie, wie im Albumtitel weiter behauptet, keine Schuhe trägt, stimmt natürlich auch nicht. Man sieht sie doch schon nach den ersten Takten des mitreißenden Walzers "La foule" vor seinem geistigen Auge: die schwarzen Pumps mit Absätzen so hoch wie der Eiffelturm. Zumindest so hoch wie eine dieser Miniaturausgaben des Eiffelturms. Und noch nicht einmal "à Paris" ist wahr. Wainwrights Hommage an Édith Piaf fand nämlich in der intimen Atmosphäre des New Yorker Dixon Palace Theatres statt, in das gerade einmal 80 Zuschauer passen. Und so klingt die Live-Platte, die 15 an drei verschiedenen Abenden mitgeschnittene Songs vereint, eher wie ein live eingespieltes Studioalbum. Was aber auch daran liegen mag, dass der Applaus teilweise ausgeblendet wurde - ein nur schwer nachzuvollziehender Schachzug.

Dass zwischen Wainwright und dem Chanson eine ganz spezielle Liaison besteht, liegt hingegen auf der Hand. Man weiß das spätestens, seit sie 2005 das wunderbare "Dis, quand reviendras-tu?" von Barbara coverte - zu hören auf der Limited Edition ihres Debüts "Martha Wainwright". Zwei Jahre später stahl sie ihrem Bruder Rufus bei dessen Judy-Garland-Huldigung mit ähnlich beeindruckenden Darbietungen aus dem Great American Songbook beinahe die Show und wagt sich nun an das Werk der großen Édith Piaf, deren Lieder sie schon als Achtjährige liebte. Ihre Idee war das Projekt trotzdem nicht, sondern die von Tribute-Spezialist Hal Willner, der unter anderem die hervorragende Leonard-Cohen-Hommage "I'm your man" produzierte - bei der Wainwright ebenfalls mit von der Partie war. Bereits vor drei Jahren hatte Willner seine Idee, dem "Spatz von Paris" zu huldigen, an Wainwright herangetragen, die jedoch erst ihr zweites Album "I know you're married but I've got feelings too" veröffentlichen wollte.

Danach war die Zeit aber endlich reif: Aus 200 Piaf-Songs wählte Wainwright ihre Favoriten aus und konzentrierte sich dabei weitgehend auf unbekanntere Chansons. "La vie en rose", "Milord" oder "Non, je ne regrette rien" sucht man vergeblich auf der Tracklist und stellt schließlich fest: Es geht tatsächlich auch ohne. An Abwechslungsreichtum in Stimmung und Tempo fehlt es den Stücken jedenfalls keineswegs - vom hinreißend sehnsuchtsvoll vorgetragenen "Adieu mon cœur" über das beinahe militärisch marschierende "Les grognards" bis hin zum rasanten, die Grenzen des Wahnsinns touchierenden "Le métro de Paris" ist alles dabei. Nur überraschenderweise kein Akkordeon im dennoch herausragenden "L'accordéoniste". Stattdessen gibt es aber später ein Schifferklavier-Zwischenspiel von Garth Hudson (The Band), das den schönen Titel "Hudsonia" trägt und mit Piaf eigentlich nicht viel zu tun hat.

Ohnehin ist Wainwrights eigene künstlerische Handschrift so prägnant, dass man gar nicht auf die Idee kommt, ihre gesangliche Darbietung mit jener der Piaf zu vergleichen. Unterstützt wird sie von einer dreizehnköpfigen Band, die man eher "Orchester" nennen sollte, in jedem Fall aber als ideal besetzt bezeichnen kann: darunter Bassist, Produzent und Wainwright-Gatte Brad Albetta, Mutter Kate McGarrigle und Cousine Lily Lanken, Trompeter C.J. Camerieri aus der Band von Bruder Rufus, Cello-Koryphäe Jane Scarpantoni, sowie Maxim Moston und Doug Wieselman von Antony & The Johnsons. Wieselman fungierte gleichzeitig als musikalischer Leiter und sorgte für eine ganz dezente Amerikanisierung einiger Chansons durch den Einsatz der E-Gitarre, insbesondere bei "Non la vie n'est pas triste" zu hören. Dass "Soudain une vallée" Wainwrights Lieblingslied unter den 15 Stücken ist, verwundert nicht - ihre in jedem Ton spürbare Hingabe, ihre unglaubliche Energie und ihre wirklich umwerfende Stimme erreichen hier ihren Höhepunkt. Aber eines wird schon lange vorher deutlich: Es gibt keine Kopie, es gibt nur zwei Originale.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • La foule
  • Adieu mon cœur
  • L'accordéoniste
  • Soudain une vallée

Tracklist

  1. La foule
  2. Adieu mon cœur
  3. Une enfant
  4. L'accordéoniste
  5. Le brun et le blond
  6. Les grognards
  7. C'est toujours la même histoire
  8. Hudsonia
  9. C'est à Hambourg
  10. Non la vie n'est pas triste
  11. Soudain une vallée
  12. Marie Trottoir
  13. Le métro de Paris
  14. Le chant d'amour
  15. Les blouses blanches

Gesamtspielzeit: 54:56 min.

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