Sting - If on a winter's night

Sting- If on a winter's night

Deutsche Grammophon / Universal
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Früher war mehr Lametta

Ein Weihnachtsalbum kam für Sting nicht in Frage. Zu gruselig war ihm wohl mancher unbedarfter Vorgänger, der wild irgendetwas mit "Christmas" reimte. Zu unwohl fühlt er sich nach eigenen Angaben auch mit dem Ausleben des Festes im Generellen. Und so beließ er den Oh-Tannenbaum im Wald, und die gängigen Glocken konnten noch so süß klingen - auch sie müssen auf "If on a winter's night" draußen bleiben. Um den Wunsch der Plattenfirma nach einem Album zur kalten Jahreszeit aber nicht gänzlich zu ignorieren, konzentrierte sich Sting auf den Winter - und integrierte nebenbei auch Weihnachten.

Nach "Songs from the labyrinth" ist "If on a winter's night" erneut ein Konzeptalbum. Das Interpretieren bereitet dem Sänger offensichtlich mehr Spaß als das Arrangieren, da mit "Lullaby to an anxious child" und "The hounds of winter" lediglich zwei neue Stücke enthalten sind und er sich mit Rest in die Vergangenheit orientiert - in die weit zurückliegende Zeit britischer Traditionals, keltischer Ursprünge hin zu den Ergüssen von Franz Schubert und Johann Sebastian Bach. Der Bart wuchs, der Kaminofen brannte, und eine auserwählte Schar an Musikern sammelte sich in Stings Häuschen, um das Material zeitgemäß zu interpretieren.

Das Ergebnis ist Klassik, Folk und Jazz wie etwa in "Gabriel's message". Erst weiter hinten tauchen Popelemente auf, etwa flockenleicht ins angesprochene, tolle "The hounds of winter" eingeflochten, das wohl auch am ehesten auf einem herkömmlichen Sting-Album Platz gefunden hätte. Meist wähnt man sich aber im Gottesdienst, wo mit auffällig dunkler Stimme von der Kanzel gepredigt wird. Während das in "The snow it melts the soonest" wohltuend atmosphärisch funktioniert, tauchen "Cold song", "Now winter comes slowly" und "Balulalow" so beängstigend tief ab, wie es seit Dori als Walisch-Simultanübersetzer in "Findet Nemo" kaum jemand mehr hingekriegt hat.

Wobei der Exkurs in die Kirche dann wiederum doch mit Weihnachten zusammenhängt. Sting lockt der geistliche Symbolismus der Kirchenkunst, und so findet die Weihnachtsgeschichte Erwähnung in "Cherry tree carol", "Gabriel's message", "There is no rose of such virtue" oder auch "Bethlehem down" - abseits von Konsum und Liedern unterm Tannenbaum, versteht sich. Die manchmal schwerfälligen Ausflüge ins Christentum sorgen allerdings auch für unnötige Längen, verdecken kühl-klirrende Songs und sogar deutsches Liedgut, denn auch "Es ist ein Ros' entsprungen" hat es unter dem Titel "Lo, how a rose e'er blooming" in Stings Wortschatz geschafft. Und wenn er ehrlich zu sich selbst ist: So schlimm ist das gar nicht mit den Weihnachtsalben. Man muss sie ja nicht gleich mit Lametta behängen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Gabriel's message
  • The snow it melts the soonest
  • The burning babe
  • The hounds of winter

Tracklist

  1. Gabriel's message
  2. Soul cake
  3. There is no rose of such virtue
  4. The snow it melts the soonest
  5. Christmas at sea
  6. Lo, how a rose e'er blooming
  7. Cold song
  8. The burning babe
  9. Now winter comes slowly
  10. The hounds of winter
  11. Balulalow
  12. Cherry tree carol
  13. Lullaby for an anxious child
  14. The Hurdy-gurdy man
  15. You only cross my mind in winter
  16. Bethlehem down (Bonus)
  17. Blake's cradle song (Bonus)

Gesamtspielzeit: 57:21 min.

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