Marillion - Less is more

Marillion- Less is more

Edel
VÖ: 02.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Leise Tritte

Ist das echt wahr? Nun ist die Idee, Rockmusik einmal ohne den ganzen elektrischen Schnickschnack zu spielen, mindestens knapp 20 Jahre alt. Und jetzt erst kommt eine Band auf die Idee, ein entsprechendes Album "Weniger ist mehr" zu nennen? Zu naheliegend oder zu banal? Wie dem auch sei, Marillion haben seit geraumer Zeit einen höchst eigenen Kopf, was Veröffentlichungspolitik angeht, und so gibt es das Unplugged-Album bereits vor der entsprechenden Tour, als vorbereitende Maßnahme sozusagen.

Nach den letzten eher mediokren Alben ist in der Tat eine gewisse Skepsis vonnöten, doch ein Blick auf die Trackliste beruhigt zunächst: Gerade mal ein Song aus den letzten drei Alben, nämlich "Wrapped up in time", wurde der Unplugged-Kur für würdig erachtet. Überhaupt nehmen die Schotten die wichtigste Steilvorlage der stromlosen Musik dankend auf: die konsequente Umarrangierung nämlich. Denn auch wenn so manche Platte im Backkatalog umstritten sein dürfte, an der musikalischen Kompetenz der Akteure gibt es üblicherweise nichts zu deuteln.

Und so darf "Go!" von leisem Klavierperlen begleitet werden und "Interior Lulu" mit Xylophon-Klängen glänzen. Einmal ganz von der insbesondere bei letzterem überraschend starken Gesangsleitung Steve Hogarths abgesehen. Beim bereits erwähnten "Wrapped up in time" zeigen Marillion dann unfreiwillig, warum die letzten Alben mindestens diskutabel waren: Bei einer Platzierung zwischen "Out of this world" von "Afraid of sunlight" sowie "The space" ("Seasons end") und "Hard as love" ("Brave") kann man eigentlich nur verlieren. Und das, obwohl "Seasons end" und "Brave" mit nur diesen beiden Songs eindeutig zu kurz kommen.

Warum nämlich eine Göttergabe wie "The great escape" außen vor bleiben muss, während ein belangloser neuer Song mit Kinderlied-Refrain namens "It's not your fault" mit Gewalt auf die Platte gedrückt wurde, bleibt schleierhaft. Ebenso stellte sich bereits 2001 die Frage, warum der gute Herr Hogarth bei "If my heart were a ball" wie ein schwindsüchtiges Rotkehlchen wimmern muss. Nett allerdings der Gag, "Cannibal surf babe" als Hidden Track zu deklarieren, weil Gerüchten zufolge Keyboarder Mark Kelly genau gegen diesen Song Protest eingelegt hatte.

Von diesen Schnitzern einmal abgesehen, machen Marillion vieles richtig. Das neue akustische Gewand poliert die Stärken der ausgewählten Songs überraschend stark heraus, was durch die klare und transparente Produktion noch verstärkt wird. Hinzu kommen wirklich kreative Ideen wie das gepflegte Jazz-Arrangement von "Quartz". Dass Steve Hogarth, dessen bisweilen nölige Phrasierung sicherlich polarisiert, hier eine seiner besseren Leistungen abliefert, passt ins Bild. Auf die Akustik-Shows darf man also gespannt sein.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Interior Lulu
  • The space
  • Hard as love

Tracklist

  1. Go!
  2. Interior Lulu
  3. Out of this world
  4. Wrapped up in time
  5. The space
  6. Hard as love
  7. Quartz
  8. If my heart were a ball
  9. It's not your fault
  10. Memory of water
  11. This is the 21st century
  12. Cannibal surf babe

Gesamtspielzeit: 57:45 min.

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