Stanfour - Rise and fall

Stanfour- Rise and fall

Vertigo / Universal
VÖ: 04.12.2009

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die harte Schule

An dieser Stelle soll ein im Grunde streng gehütetes Geheimnis verraten werden: Wer für Plattentests.de schreiben will, muss harte Prüfungen bestehen und noch härtere Lehrgänge und Schulungen absolvieren. Erst nach monatelangem Rhetorik- und Mentaldrill werden die von unbedarften Schreiberlingen zu messerscharf-zynischen Rezensionsmaschinen umfunktionierten Personen auf den Output der Musikindustrie losgelassen. Wer diese unbarmherzige Ausbildung überlebt hat, verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten. Zum Beispiel über die, versteckte Botschaften in Songs zu entschlüsseln. So war es für den Verfasser dieser Zeilen auch kein Problem, den verzweifelten Hilferuf hier zu verstehen.

Zwischen den flächigen Keyboardsounds, weichgespülten Gitarren, schmalzigen Gesangslinien und grauenhaften Liebesplatitüden, die die Norddeutschen absondern, ist unzweifelhaft folgende Botschaft versteckt: "Hilfe, wir klingen exakt wie alle anderen amerikafixierten Rockbands aus dem Radio und suchen unser eigenes Profil!". Und da man in der harten Plattentests.de-Schule auch moralische Werte wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft eingeimpft bekommt, helfen wir den Jungs von der Nordseeinsel Föhr natürlich gerne. Also, liebe Leute von Stanfour: Es ist kein Ding der Unmöglichkeit, Charterfolg und gewisse musikalische Eigenständigkeit miteinander in Einklang zu bringen. Man muss dazu auch nicht mal besonders revolutionär daherkommen.

Es würde beispielsweise schon genügen, sich beim Schreiben der Songtexte wenigstens etwas Mühe zu geben. Auch wenn Ihr uns mit Titeln wie "Wishing you well", "Life without you", "Say you care" oder "I'll wait for you" Gegenteiliges erzählen wollt: Das Leben besteht doch nicht nur aus verzweifelter, unerwiderter Liebe. Nächster Schritt: Wie wäre es damit, wenigstens ein- bis zweimal auf Albumlänge das verträumte Midtempo zu verlassen? Oder zumindest mal den immer gleichen 4/4-Bum-Tschik-Takt kurzfristig sein zu lassen? Und warum nicht auf das Klavierintro zu "Wishing you well" aufbauen, den interessantesten Moment eures zweiten Albums? Vielleicht ein Instrumentalstück einstreuen, wenn ihr eure Instrumente schon sehr passabel beherrscht? Es gibt so viele Möglichkeiten, wenigstens ein bisschen anders zu klingen als der sonstige Schmonz aus dem Radio. Musikfans könnte dieses Album richtig weh tun. Aber zum Glück sind wir ja nur Maschinen.

(Mark Read)

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Highlights

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Tracklist

  1. Wishing you well
  2. Sail on
  3. Life without you
  4. Say you care
  5. Tired again
  6. Face to face
  7. Take me or leave me
  8. Bittersweet
  9. Stars
  10. I'll wait for you
  11. Everything has changed

Gesamtspielzeit: 44:04 min.

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