Fu Manchu - Signs of infinite power

Fu Manchu- Signs of infinite power

Century Media / EMI
VÖ: 16.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Godzilla frisst wieder Staub

Kalifornien besteht nicht nur aus Strand, Meer, Hollywood und Obstplantagen. Wenn man etwas südlich von Los Angeles den Surferchicks, dem Pazifik und der untergehenden Sonne den Rücken kehrt und den imaginären Blick ins Landesinnere schweifen lässt, hat man kaum mehr als Wüste vor sich. Durch Huntington Beach und Anaheim geht es raus aus den Schachbrettsiedlungen von Orange County, die kaum ein Stück Küste zwischen Los Angeles und San Diego frei lassen. Man fährt vorbei an der ungesund gelblichen Smogglocke über Riverside und schließlich auf den Highway mit der Nummer 15. Hinter Barstow sagt dann die Zivilisation "Auf Wiedersehen". In Sichtweite erstrecken sich Geröllfelder, verdorrte Büsche und allenfalls die nächste der sporadisch im Wüstensand verteilten Tankstellen. Alles Weitere hängt von dem ewigen Kampf der Klimaanlage mit der sengenden Mittagshitze ab.

Irgendwo hier sind Fu Manchu gestrandet, vielleicht auf halbem Weg nach Las Vegas oder ins Death Valley. Die Erinnerung an Ozean und Surfbretter haben sie noch im Kopf, Orange-County-Punk aus den 80ern im CD-Player des Van, aber die Kehlen sind trocken und der staubige Wüstensand kriecht überall dort hinein, wo sonst die Sonne nur sehr selten scheint. In das Innere ihrer Gitarrenverstärker zum Beispiel. Denn so furztrocken wie auf "Signs of infinite power" dröhnten die vier Stoner-Veteranen zuletzt im vergangenen Jahrtausend, einige Zeit vor dem sonnig-poppigen "California crossing".

Gleich "Bionic astronautics" weckt eher Erinnerungen an die Doppel-EP "(Godzilla's) Eatin' dust". Was folgt, ist eine gute halbe Stunde nostalgiegetränktes Gitarreneffektgewitter. Fuzz, Flanger und Wah Wah quetschen sich durch den basslastigen, etwas flachen und angenehm trashigen Sound. Die schnelleren Stücke klingen, als ob Black Flag Ende der 90er Jahre mal eine Platte bei Man's Ruin veröffentlicht hätten. Das Schlagzeug scheppert und poltert, Scott Hill verbannt die Vokabel "singen" aus seinem Wortschatz und los geht's: Songs wie "Steel.Beast.Defeated" und "El busta" sind mehr Orange-County-Punk als die letzten zehn Epitaph-Platten zusammen.

Zwischen diesen Sandstürmen rollen die langsameren Songs eher gemütlich, aber unaufhaltsam durch die karge Landschaft. Weniger Beats pro Minute heißt eben mehr Zeit für das Dröhnen zwischen den Gitarrenanschlägen. Titel wie "Gargantuan march" und "Webfoot witch hat" sind nicht nur passende Lautmalerei. Fu Manchu begeben sich auch lyrisch wieder in die späten 90er. Monster, Trucks, Monstertrucks und Ufos schwirren, torkeln und rollen durch die kalifornische Wüste. Auf halbem Weg ins Death Valley. Oder nach Las Vegas.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Steel.Beast.Defeated
  • Signs of infinite power
  • Gargantuan march

Tracklist

  1. Bionic astronautics
  2. Steel.Beast.Defeated
  3. Against the ground
  4. Webfoot witch hat
  5. El busta
  6. Signs of infinite power
  7. Eyes x 10
  8. Gargantuan march
  9. Take it away
  10. One step too far

Gesamtspielzeit: 34:22 min.

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