Timbaland - Shock value II

Timbaland- Shock value II

Interscope / Universal
VÖ: 04.12.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Der Beat-Agent

Sie sind erfolglos? Ihre Karriere gibt nichts mehr her, oder Sie wollen Ihren Sound verändern? Investieren Sie ihre letzten Ersparnisse doch in Timbaland. Timbaland ist das Patentrezept für kommerziellen Chart-Erfolg. Sie schicken das Geld, und prompt erhalten Sie einen Hit in den Ausführungen "dicker Beat mit Gaststar xy", "dicker Beat mit Justin Timberlake" oder "dicker Beat mit Timbaland himself". Senden Sie ihr Flehen JETZT an den Beatagenten. Schließlich ist Timothey Z. Mosley unbestritten einer der gefragstesten Produzenten. Mit dieser Gewissheit im Rücken und kursierenden sechsstelligen Lohnzahlungen pro Song gestaltet sich die Arbeit am Zubrot "Soloalbum" mehr als entspannt. Wobei Soloalbum der falsche Begriff scheint. Vielmehr ist "Shock value II" ein Sampler mit Timbaland-Beat und bewährtem Rezept.

Hirte Timbaland schart fleißig Gast-Schäflein um sich, verteilt konsequent seine eigenen Effekt-beladenen Vocals, streut "Eys" ein wie Kamelle an Karneval und greift bei den Beats auf seinen eigens angelegten Pool der vergangenen Jahre zurück. "Ayo technology" etwa taucht komplett zerpflückt immer wieder auf und bietet zudem die Songgrundlage für "The way I are" oder auch "Give it to me". Dass derartiges Sampling nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt "Symphony with attitude". Mit dem Verweis auf Aaliyahs "Try again" punktet Brandy als Bran' Nu im Stil von Foxy Brown in einem Hauch von Oldschool-Korsett. Das funktioniert nur nicht immer. Die Kuhglocken von "Carry out" verpuffen im Gedenken an Mark Ronsons "Ooh Wee" und bringen nicht den von Timbaland gewünschten Tanzeffekt - Justin Timberlake zum Trotz. Auch seine Homies Keri Hilson, Sebastian und Nelly Furtado (alle schon auf "Shock value I" vertreten) schwimmen lediglich mit im Soundgeschwurbel und bleiben glanzlos.

Punktsieger sind die, die man nicht auf der Rechnung hatte. SoShy in der Single "Morning after dark", Brandy mit neuem Image als Bran' Nu und die in Deutschland (nicht ganz zu Unrecht) komplett in Vergessenheit geratene JoJo. Auch der Hand-Clap-Rhythmus kann nicht verhindern, dass sich "Lose control" zum Ohrwurm entwickelt und in der Muschel festsaugt. Jet beteiligen sich an der ulitmativen Lobhudelei auf Timbalands Lebenswerk in "Timothy where you been". Dank Akustikgitarre kommen hier Erinnerungen an alte Bubba-Sparxxx-Nummern empor. "Undertow" würde hingegen sicherlich mehr Freunde finden, hätte es den Song "Apologize" nicht schon gegeben und mutierten The Fray hier nicht zum OneRepublic-Klon. Apropos: Letztere basteln in "Marching on" am gemeinsamen Nachfolgehit, ersticken aber jeden Charme mit Weltverbesserungs-Backgroundgesang.

So geht das weiter: Wer die Gitarren-Riffs und Daughtry in "Long way down" überlebt, oder sich nicht bereits kopfschüttelnd von Miley Cyrus im nichtsagenden Text zu "We belong to the music" abgewandt hat, nimmt auch keinen Schaden bei "If we ever meet again". Das Stück mit Katy Perry hätte bestens auf The Black Eyed Peas "The E.N.D." gepasst - und wäre dort bereits ein Totalausfall gewesen. Falls es Sie also nicht abschreckt, einen Nietensong oder einen aufgewärmten Beat abzubekommen, überweisen Sie halt den Sack voll Kohle. Frank Zander schreibt auch Ihren Namen auf die CD. Und wenn Sie jetzt bestellen, erhalten Sie ein Timbaland-Poster gratis.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Symphony with attitude (feat. Bran' Nu & D.O.E.)

Tracklist

  1. Intro (by DJ Felli Fell)
  2. Carry out (feat. Justin Timberlake)
  3. Lose control (feat. JoJo)
  4. Meet in tha middle (feat. Bran' Nu)
  5. Say something (feat. Drake)
  6. Tomorrow in the bottle (feat. Chad Kroeger & Sebastian)
  7. We belong in the music (feat. Miley Cyrus)
  8. Morning after dark (feat. Nelly Furtado & SoShy)
  9. If we ever meet again (feat. Katy Perry)
  10. Can you feel it (feat. Esthero & Sebastian)
  11. Ease off the liquor
  12. Undertow (feat. The Fray & Esthero)
  13. Timothy where you been (feat. Jet)
  14. Long way down (feat. Daughtry)
  15. Marching on (feat. OneRepublic)
  16. The one I love (feat. Keri Hilson & D.O.E.)
  17. Symphony with attitude (feat. Bran' Nu & D.O.E.)

Gesamtspielzeit: 73:06 min.

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