Spandau Ballet - Once more

Spandau Ballet- Once more

Island / Universal
VÖ: 06.11.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Neue Kamellen

Die 80er standen vor der Tür, und Roxy Music hatten versehentlich die Generation der New Romantics heraufgezüchtet. Bryan Ferry galt noch als bestgekleideter Mann in Großbritannien und auch musikalisch sorgte er gerade mit "Manifesto" für Furore. Nun stand plötzlich eine Horde gezügelter und adretter junger Männer auf der Matte, die noch besser gekleidet waren als Ferry höchstselbst. Die Frisuren saßen, die Anzüge waren maßgeschneidert. Und die Musik klang so glatt, wie es ihr Erscheinungsbild bereits vermuten ließ. Die New Romantics machten sich auf den Weg, den 80ern ihren Stempel aufzudrücken.

Bands hießen nun Duran Duran, Visage oder Spandau Ballet. Die Songs klangen weich und waren auf Charterfolg gepolt. Mit diesem Konzept im Rücken, konnten Spandau Ballet innerhalb eines Jahrzehnts zehn Songs in die Top10 setzen und vier Studioalben hinterherschicken. Damit wuchtete sich die Band an die Spitze dieser denkwürdigen Bewegung. Als die 90er anklopften, war der Rausch verflogen, der Sound ausgelutscht. Spandau Ballet lösten sich auf, die Mitglieder flüchteten in Solokarrieren und Schauspielambitionen. Zwanzig Jahre später ist die Welt eine andere. Und Spandau Ballet wieder vereint.

Als Lebenszeichen schicken sie eine Art Werkschau ihres Schaffens. Außergewöhnlich ist dabei nicht, dass sie zwei neue Songs auf "Once more" gepackt haben, sondern eher, dass sie ihre großen Hits neu eingespielt und ihnen einen frischen Sound verpasst haben. Der Streicherbombast wurde reduziert, der Synthesizersound vorsichtig eingewoben. All die großen Songs wurden entschlackt und minimalisiert. Für Spandau Ballet bedeutet dies: endlich Luft zum Atmen. In "Gold" klingt das Schlagzeug plötzlich wie ein Schlagzeug, die Gitarren nach echtem Saiten-Klang. Wer hätte das erwartet?

Es ist ein Spaß, die Songs miteinander zu vergleichen. Hört man zunächst nur feine Unterschiede heraus, fallen plötzlich ganze Akzentuierungen anders aus. Da ist der Überhit "True" plötzlich ein echter Soul-Song, der das Namedropping von Marvin Gaye auch ehrlich verdient. Die Powerballade "Through the barricades" tönt beinahe charmant und der überladene Funk von "Lifeline" weicht plötzlich einem ganz anderen, angenehmen Song. Galt "True" bisher als beste Platte der Band, untermauert sie mit "Once more" ihren Ruf: All diese Songs der Platte klingen auch im neuen Gewand toll. Der Rest des dargebotenen Liedgutes geht, damals wie heute, vergleichsweise baden. Und so auch die neuen Songs der Band, "Once more" und "Love is all", die nun wirklich niemand mehr gebraucht hätte.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Gold
  • True
  • She loved like a diamond
  • Communication

Tracklist

  1. Once more
  2. To cut a long story short
  3. Gold
  4. True
  5. Chant No. 1
  6. I'll fly for you
  7. Only when you leave
  8. Through the barricades
  9. She loved like a diamond
  10. Communication
  11. Lifeline
  12. With the pride
  13. Love is all

Gesamtspielzeit: 55:20 min.

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