Harmful - Wromantic

Harmful- Wromantic

BMG
VÖ: 01.10.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Schöne im Biest

Bis zur ersten großen Überraschung dauert es ziemlich genau 18 Sekunden, dann singt Aren Emirze. Kein heiserer Schrei, kein bedrohliches Flüstern, nicht mal eine wütend erhobene Stimme. Nein, echter Gesang entgleitet den Stimmbändern des Frontmannes von Harmful und zerschlägt Hörererwartungen mit einer Wucht, die kein noch so brutaler Urschrei in sich hätte bündeln können. Ein Goldkehlchen ist Aren Emirze deswegen zwar lange noch nicht, die Entdeckung der Melodie können Harmful aber nicht länger verbergen.

Die Instrumente weben dazu einen Teppich, in dem gewohnt wuchtig und noch immer mit leichtem Hang zur Dissonanz Schichten aus Klang übereinanderliegen. Einerseits immens transparent, andererseits unglaublich dicht kommt dieser Stoff daher. Im direkten Vergleich zum Vorgänger "Counterbalance" scheinen es ein paar Lagen weniger zu sein und manche Masche mutet etwas lockerer an. Weniger vielschichtig oder dünner ist "Wromantic" deshalb noch lange nicht. Der Gesang, der früher über der Musik lag, nimmt nun den Platz zwischen den Gitarrenspuren ein und füllt die Räume aus, die offen blieben. Scott Weiland könnte sich hier wohl eine Scheibe abschneiden wollen, würde sich aber letzten Endes wohl eher die Zähne ausbeißen.

Wer jetzt an bombastische, überladene und zugekleisterte Tracks denkt, lenkt seine Gedanken in die falsche Richtung. Der neuentdeckte Instinkt für das Harmonische führt Harmful keineswegs in die seichten Gewässer des Massengeschmacks. Vordergründig mag "Wromantic" zwar die Platte sein, mit der sich Harmful am weitesten von ihren Wurzeln im Lärm entfernen. Gerade aber, wenn sich die Band wie bei "Daresay" an ein ungewohnt Led Zeppelin-artiges Riff oder wie bei "Hardship" an eine Beinahe-Ballade heranwagt, wird bei aller Orientierung in neue Richtungen die Verbindung zum Krach der alten Tage unmißverständlich unterstrichen.

Bemerkenswert ist die Art und Weise, in der der Dreier aus Dietzenbach dabei agiert. Auf "Wromantic" werden Melodien nicht einfach publikumswirksam mit Lärm behängt. Was Harmful hier präsentieren, ist direkt aus dem Lärm destilliert, Harmonien als Essenz des Krachs. Ein ähnlicher Unterschied besteht etwa zwischen Apfelkorn und Calvados. Als Brennmeister dieses edlen Tropfens zeichnet sich übrigens Guido Lukas, ein alter Weggefährte aus bluNoise-Tagen verantwortlich. Er veredelte Titel wie "Peaceful life" zu kristallklaren Hochprozentern, die schwer im Glas liegen, aber nicht auf den Magen schlagen. Es braucht immer noch etliche Durchläufe, um ein Harmful-Album zu lieben. Auch "Wromantic" ist ein Brocken, den man erstmal verdauen muß. Magenbeschwerden sind aber nicht zu erwarten, höchstens Schlafstörungen, weil man wieder und wieder zum CD-Player läuft, um nochmal auf 'Play' zu drücken.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Simple touch
  • Ephemeral
  • Peaceful life
  • Good day to die

Tracklist

  1. Simple touch
  2. Refuse to shine
  3. Plausible
  4. Ephemeral
  5. Give it all
  6. Hardship
  7. Peaceful life
  8. Image
  9. Bad tempered
  10. Daresay
  11. Instinct
  12. Good day to die

Gesamtspielzeit: 40:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
:-/
2016-07-13 11:37:12 Uhr
wieder eine gute band weniger
oh ja,
2016-07-13 11:24:07 Uhr
unglaublich guter song.
Castorp
2013-05-07 15:40:10 Uhr
In die Noise-Ströme von "Ephemeral" möchte man sich hineinlegen!
nur zur infro
2013-01-26 02:57:01 Uhr
Das Flugzeug auf dem Cover ist das, was in die Zwillingstürme gestürzt ist.

2013-01-25 18:17:19 Uhr
zwei posts? hä?
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