Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

Skunk Anansie - Smashes and trashes

Skunk Anansie- Smashes and trashes

One Little Indian / Ear / Edel
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Yes, it's fucking nostalgical

Es ist ja eigentlich gar nicht lange her, dass man wegen der Touren all der wiederbelebten Achtziger-Jahre-Bands die Ü40-Partys nicht mehr vollbekam. Demnächst könnte den angerockten Ü30-Veranstaltungen das gleiche Schicksal drohen. Schließlich haben im Jahr 2009 die Reunions nicht mehr ganz so frischer Alternativerocker Überhand genommen, und weil man deren Konzerte nicht downloaden kann, kaufen die ehemaligen Flanellhemdträgerinnen und -träger Konzerttickets. Außerdem sind diese 90er-Jahre-Bands ja auch noch deutlich knackiger als die grau melierten Popper kurz vor der Rente. Ob sie dann aber auch das gleiche Feuer entfachen können wie damals, ist nicht immer klar. Skunk Anansie, die singende Randgruppe, legt zu ihrer Wiedervereinigung erst mal ein Greatest-Hits-Album zur Tour vor. Sicherheitshalber. Dabei hatten sie doch damals das Erwartbare genüsslich vermieden.

Mitte der Neunziger versammelte eine glatzköpfige, schwarze, bisexuelle Frontfrau alle verfügbaren Minderheiten hinter sich. Schon mit dem überwältigenden Debüt "Paranoid and sunburnt" brachten die Briten dem damals grassierenden Crossover jede Menge Soul bei und verlegten reichlich Spuren von Reggae, Punk, Blues, Funk und Stadionrock. Skin beherrschte am Mikrophon nicht nur die tollwütige Tigerin, sondern auch die sanft schnurrende Schmusekatze - und damit bald Arenen voller Fans. Die hatten nämlich spätestens beim zweiten Album genau hingehört, weil der Megahit "Hedonism (Just because you feel good)" allen gebrochenen Herzen aus den selbigen sprach und trotzdem zum Gruppenkuscheln einlud. Feierlichen Übersprungshandlungen setzte "Stoosh" grandiosen Pop entgegen, und schon war die experimentelle Spielfreude mitten im Mainstream gelandet. Auf dem ambitionierten Drittling "Post orgasmic chill" meisterte die Band dann nicht nur das Riffmonster "Charlie big potato" oder den wippenden Pop von "Lately". Allzu viel Leisetreterei wie "You'll follow me down" deutete aber erste Unentschlossenheiten an. Konsequenterweise löste sich die Band auf, bevor sie egal werden konnte.

Mit "Smashes and trashes" soll nun vorwiegend die Vergangenheit Appetit auf die Zukunft machen. Mit dem 6/8-Gewitter von "Selling Jesus", dem taumelnden Disco-Basslauf von "Twisted", dem wunderbaren Geständnis "Weak" und Ab-durch-die-Mitte-Hymnen wie "I can dream" oder "All I want" haben Skunk Anansie hervorragende Argumente. Den einzigen Vorwurf verdient sich die Kopplung mit einem wagnisarmen Alle-Singles-Konzept, mit der die sanfte Seite überbetont wird. Dass somit famose Albumtracks wie "100 ways to be a good girl", der Livebrecher "Little baby swastiKKKa" oder die bebende Abfuhr "We don't need who you think you are" draußen bleiben müssen und auch großartige B-Seiten à la "Used", "Kept my mouth shut" oder "Feed" außen vor sind, ist bedauerlich. Immerhin bietet eine ebenfalls erhältliche 2-CD-2-DVD-Box-Version mit allen Videos, Livetracks und Remixes fette Ergänzungen.

Spannung müssen bei der regulären Einzelausgabe also die drei neuen Songs bieten: "Tear this place up" knallt mitten in die Fresse, "Because of you" wuchtet ordentlich Groove unter sensible Harmonien, und "Squander" gibt die Powerballade mit Streicherschmelz. Die Methoden sind vertraut, experimentiert wird erst einmal nicht. Aber: Mit der lähmenden Harmlosigkeit, mit der Skins Soloschaffen übel enttäuschte, gibt sich die Band auch nicht ab. Obwohl die drei neuen Songs nicht ganz an einstige Genialität anknüpfen können, haben sie allemal die gleiche Energie. Das Feuer brennt wieder.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Charlie big potato
  • Hedonism (Just because you feel good)
  • Weak
  • Twisted
  • Selling Jesus

Tracklist

  1. Charlie big potato
  2. I can dream
  3. Hedonism (Just because you feel good)
  4. Tear the place up
  5. Weak
  6. Secretly
  7. Because of you
  8. All I want
  9. Brazen (Weep)
  10. Twisted (Everyday hurts)
  11. Squander
  12. Lately
  13. Selling Jesus
  14. Charity
  15. You'll follow me down

Gesamtspielzeit: 62:06 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify