Shrinebuilder - Shrinebuilder

Shrinebuilder- Shrinebuilder

Neurot / Cargo
VÖ: 09.10.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rudelbildung

Langeweile? Eine neue Droge? ADHS? Was auch immer die Rocker von heute - aber auch einige von damals - zusammentreibt, der Trend zur Rudelbildung ist nicht zu übersehen. Wer hätte gedacht, dass James Iha (Smashing Pumpkins) mal was mit einem der Hanson-Brüder ("Mmmbop") macht? Ein ganzes Album haben sie unter dem Namen Tinted Windows aufgenommen. Achja, der Schlagzeuger von Cheap Trick ist auch noch dabei. Und das ist ja lange nicht alles: The Dead Weather, Chickenfoot, Monsters Of Folk, Them Crooked Vultures, The Company Band. Die Liste der Rock-Supergroups, die sich 2009 um den Titel "Bestes Debütalbum" streiten, ist verdammt lang. Gewonnen hat, wer den längsten Rattenschwanz an Bandnamen auf dem Sticker stehen hat, den man immer so mühselig von der CD-Hülle kratzen muss.

Shrinebuilder spielen dabei auf jeden Fall um den Titel mit. Zu Scott "Wino" Weinrich (The Hidden Hand, Spirit Caravan, The Obsessed, Saint Vitus) und Scott Kelly (Neurosis) gesellen sich hier Sleep-Bassist Al Cisneros und Melvins-Drummer Dale Crover. Zu viert stellen sie das Metronom ins untere Drittel von "Largo", das Stimmgerät von E auf C und fassen in knapp 40 Minuten mal eben die vergangenen paar Jahrzehnte Doom zusammen, so spontan, direkt und unmittelbar wie keine andere Band - Supergroup oder nicht - in diesem Jahr.

Gerade einmal fünf Songs finden sich auf dem selbstbetitelten Album, nur einer davon unterschreitet - wenn auch knapp - die Marke von sechs Minuten. Im Kontrast dazu ist der Einstieg sehr direkt. Nach einer halben Minute wühlt sich schon die zweite Stimme aus den Boxen, wenn Scott Kelly das Mikro übernimmt und dem klaren, melancholischen Gesang von Wino seine gepresste, bedrohliche Stimme entgegensetzt. Später wechseln die anfangs sägenden Gitarren in eine sphärische Jamsession und tragen "Solar benediction" versöhnlich, ja fast schon hoffnungsvoll über die Zielgerade.

In jedem Song gibt es Abschnitte, denen ganz eindeutig einer der vier Musiker seinen Stempel aufdrückt. Trotzdem kommen sich die vier Egos nicht in Quere, sondern greifen ineinander. So entsteht aus dem anfangs an eines der ganz langsamen Melvins-Stücke erinnernden "Pyramid of the moon" ein ausufernder Sleep-Song, der sich mit seinem halligem Gesang geradezu in Hypnose spielt. Auf die Spitze treibt es "Blind for all to see" mit seinem wunderbar inszenierten Lethargie-Riff, dass ewig und drei Tage braucht, bis es - vom nervösen Schlagzeug getreten - langsam in die Gänge kommt und dann unaufhaltsam durch die Botanik rollt. Kurz: Die Liste der Highlights steht hinten auf der CD. Langeweile? Drogen? ADHS? Bitte mehr davon.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Solar benediction
  • Blind for all to see

Tracklist

  1. Solar benediction
  2. Pyramid of the moon
  3. Blind for all to see
  4. The architect
  5. Science of anger

Gesamtspielzeit: 39:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 2875

Registriert seit 21.08.2019

2019-11-27 10:05:54 Uhr
Oh ja, lange nicht mehr gehört... muss mal wieder auflegen..

VelvetCell

Postings: 2560

Registriert seit 14.06.2013

2019-11-27 09:09:41 Uhr
Das Album sollte mal wieder gewürdigt werden. Erstaunlich finde ich, dass die Platte absolut rund und eigenständig klingt, man gleichzeitig aber die DNA jeden einzelnen Musikers raushören kann.
Walenta
2010-11-19 12:09:49 Uhr
So, gestern wars endlich so weit, Shrinebuilder waren in Wien:

Tides of Nebula haben als Vorband einen sehr guten Job gemacht, ganz toller Auftritt.
Aber ganz ehrlich, so gut der auch war, dass war nichts im Vergleich zu dem was Shrinebuilder da geboten haben. 8 Songs lang haben die vier gezeigt, wie der Metalhimmel aussehen muss. Ohne ein Wort entern sie die Bühne, keine Zwischenansagen (Höhepunkt der "Publikumsinteraktion": Wino zeigt einem Rollstuhlfahrer die Hörner, worauf dieser im siebten Himmel schwebt), keine Pausen zwischen den Songs, keine Zugaben . Wann ich das letzte mal auf einem deratig perfekten Konzert war, kann ich nicht sagen.

Falls es jemanden interessiert, hier die Setlist:
1. Pyramid of the Moon
2. The Architect
3. Blind for All to See
4. Science of Anger
5. Nagas 1&2
6. Effigy (CCR - Cover)
7. We let the Hell Come (mit Drum Jam)
8. Solar Benediction
Walenta
2010-07-24 11:21:58 Uhr
Die Tour wird also nachgeholt:

* 11.11. Köln - Gebäude 9
* 12.11. Berlin - Berghain / Panoramabar
* 14.11. Leipzig - Conne Island
* 15.11. München - Feierwerk
* 18.11. Wien - Arena
* 21.11. Zürich - Rote Fabrik
* 25.11. Karlsruhe - Jubez

Insofern sensationell, da ich diesmal Zeit haben werde nach Wien zu fahren!
Maik
2010-04-20 19:50:02 Uhr
Du hast ja Recht, was die Vorurteile ("Musik für stumpfe Idioten") angeht. Tut mir Leid, dass sich das so gelesen hat. Das ist bestimmt nicht meine Meinung. Ich bin selbst ein ganzes Stück jünger als die genannten Herren und habe den Metal an sich und den Doom im Speziellen vor einer wohl ziemlich lächerlich geringen Anzahl an Jahren für mich entdeckt. Von daher kann mein Eindruck von der Szene nur ein sehr partieller sein, das ist klar.
Zu Shrinebuilder: Ich mag gerade diese Inhomogenität. Das ist halt eine Platte von vier Typen, die schon so viel gemacht haben, dass das Album einfach nur alle vier Stempel auf einmal tragen kann. Aber das ist wohl Geschmackssache, genau wie Scott Weinrich, den ich für die Sachen, die er mit Saint Vitus, The Obsessed, Spirit Caravan und The Hidden Hand gemacht, einfach liebe.
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