Saint Lu - Saint Lu

Saint Lu- Saint Lu

Warner
VÖ: 20.11.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Röhrenschnitt

Das Wort "Rockröhre" gehört eliminiert, ausgerottet und aus jedem Wörter- und Musikbuch gestrichen. Dann können endlich Namen wie Amy MacDonald (Viva), Shakira (Spiegel), Amy Winehouse (Abendblatt), Christina Stürmer (MDR) oder auch Jeanette (Welt) nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden. Bis dahin muss sich leider auch Plattentests.de damit abgeben, denn die neuste Rockröhre aus dem Hause Warner nennt sich Saint Lu. Immerhin fällt hier die Assoziationskette nicht allzu schwer. Saint Lu, gebürtige Luise Burger, scheut sich noch weniger vor alten Classic-Rock-Schinken der 60er und 70er als Lenny Kravitz. Und natürlich trägt sie ihre Songs mit voller Inbrunst und rauchiger Stimme vor, als habe sie seit damals wenig anderes gemacht, als mit Lemmy Whiskey zu gurgeln.

Dennoch entspricht Saint Lu nicht ausschließlich dem Bild des Schreihalses, das das Albumcover nehelegt. In ihrer Röhre hängt nämlich auch noch eine satte Portion Soul, mit der ein wenig Butter auf das Reibeisen geschmiert werden darf. Mit "Memory" und "Mister blow" wird Amy Winehouse das Kräuterbonbon aus der Wange geklaut, und Lu lutscht es genüsslich weiter. Das wirkt deutlich gekonnter als alles, was Anastacia so herauspresst. Und weniger gequält.

Der Wille zur Effizienz ist schon an der Besetzung erkennbar: Drummer Marlon Browden und Keyboarder Christian Lohr sind sonst für John Scofield, Norah Jones und Joss Stone aktiv. Die Oberklasse soll's also sein. "Ankle-biter" schleicht sich aus bassigen Soul-Tönen heraus, ehe ein Streicherensemble die Drums umkurvt. So wird die Fahrt in die Abbey-Road-Studios gerechtfertigt, wo die Streicher-Parts eingespielt wurden. Im persönlichen "Here I stand", das Lu am Scheideweg der Karriere positioniert, sorgen diese Streicher hingegen für unnötigen Schwulst.

Zieht man die spartanisch eingestreuten Rockriffs zu Beginn ab, bleibt die Single "Don't miss your own life" ein schlichter Pop-Rock-Song. "Love song" tigert da souveräner auf der Ohrwurmlinie. Die Blues-Note in "I say yeah, you say no" buhlt mit Stakka-Bo-Anleihen um Aufmerksamkeit, die aber vom Ja-Nein-Spiel des Refrains unterdrückt wird. Trotzdem stehen Saint Lus Songs auf einem äußerst soliden Fundament, von dem ihr Debüt locker das überhüpft, was eine Melissa Etheridge noch so hinbekommt. Das darf für den Moment auch mal genügen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Love song
  • Ankle-biter

Tracklist

  1. Don't miss your own life
  2. Rockstar car
  3. Love song
  4. Ankle-biter
  5. Here I stand
  6. What is that love?
  7. All that I ever wanted
  8. All in one (Multifunctional mum)
  9. I say yeah, you say no
  10. Memory
  11. Mister blow

Gesamtspielzeit: 39:04 min.

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  • Saint Lu (2 Beiträge / Letzter am 06.05.2009 - 19:00 Uhr)

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