OneRepublic - Waking up

OneRepublic- Waking up

Interscope / Universal
VÖ: 13.11.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Nur noch fünf Minuten

Sanft oder unsanft? Das ist die spannende Frage. Beim Zahnarzt und anderen Doktorspielen; sogar im heimischen Bett: Es macht eben doch einen Unterschied, wie man geweckt wird. Luftküsschen oder Presslufthammer? Radioweckerpiepen oder OneRepublic? Um diese Band kommt nämlich kein Frühaufsteher, bei dem es nicht bloß piept, herum. Um diese Band kommt überhaupt kein Radiohörer herum, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Das entspricht genau Ryan Tedders Vorstellungen bezüglich des Verwendungszwecks seiner Songs - die sollen nämlich den Alltag untermalen, als freundliche Begleiter. Und sind zwar weitgehend harmlos, aber trotzdem nicht ganz charmelos, denn eines muss man Tedder lassen: Er weiß, wie man Hits schreibt. Für Leona Lewis, Beyoncé und Kelly Clarkson, für Til-Schweiger-Filme, Timbalands Remixstab - "Apologize" darf sich, man höre und raune, erfolgreichste Single des Jahrzehnts nennen - und natürlich für diese Band aus Colorado, die OneRepublic heißt, seine eigene ist und gar nicht mehr so sanft klingt, wie noch auf ihrem Debüt "Dreaming out loud".

Mit einem Eiswasser-Eimer steht "Waking up" aber trotzdem nicht am Bett. Tedder warnt sogar alle Schlummernden vor, indem er vier mal bis vier flüstert und dann erst einen dieser dumpfen Beats von der Leine lässt, bei denen man nicht genau weiß, ob sie nun aus einem Computer oder doch vom energisch wandzeichengebenden Nachbarn stammen. Von Timbaland kommen sie dieses Mal jedenfalls nicht. Kann Tedder ja alles selbst, schließlich ist er schon vor Jahren bei ihm in die Lehre gegangen. Den Selbstkritik-Kurs hat er aber wahrscheinlich woanders gemacht. Hauptlektion, O-Ton-Tedder: "Man ist immer nur so gut wie sein schlechtester Song." Den bringen wir dann mal gleich zu Beginn hinter uns - "Made for you" erweist sich als herausragend ödes Stück Pop. Kalt, zäh und geschmacksneutral. Im Restaurant würde man das zurückgehen lassen.

Das Interessanteste an diesem Opener ist, dass er sich über eine Minute lang Zeit nimmt, um zum immerhin lauwarmen "All the right moves" überzuleiten, sich allerdings nicht für eine Variante entscheiden kann. Also gibt es einfach zwei: Einmal wird der Refrain von Tedder zu den bereits erwähnten Beats gesungen und einmal a cappella von einem lieblichen Kinderchor - und zwar von genau dem, den Danny Elfman immer für seine Soundtracks bucht. War bestimmt die Idee von Bassist Brent Kutzle, der privat angeblich nur Filmmusik lauscht und Wert darauf legt, dass bei OneRepublic auch sein Cello regelmäßig zum Einsatz kommt. Beides ist nicht zu überhören: Das würdevolle Streichinstrument legt den Grundstein für die erste Single "Secrets", und es dürfte ja längst kein Geheimnis mehr sein, dass Til Schweiger sich den Song für seine "Keinohrhasen"-Fortsetzung "Zweiohrküken" gekrallt hat. Wirklich großes Kino ist die von Kutzle mitkomponierte, opulent orchestrierte Breitwand-Ballade "All this time", bei der man sich überhaupt nicht wundern würde, wenn Feuerzeuge plötzlich ganz von selbst entflammten.

Wie im Film wird es auch auf "Waking up" erst in der zweiten Hälfte spannend. Die erste wirft mehr Fragen auf, als sie beantworten kann, das sind dann aber auch bloß zwei: Welcher Recycling-Unternehmer hat Becks "Loser"-Gitarre an "Everybody loves me" vertickt? Ist das eine Marimba bei "Missing persons 1 & 2"? Gehen Sie nicht über Los, gehen Sie direkt zu Track 6. Der heißt "Good life" und ist ein fluffiges Liedchen mit Beats, Akustikgitarre und einer dieser Melodien, die beste Vermittlungschancen haben: anhänglich, pflegeleicht und nicht entohrwurmt. Der Titeltrack erklärt, warum die amerikanische Presse das Zweitwerk von OneRepublic gerne als "edgy" bezeichnet: Die Gitarre im besten Stück der Platte klingt exakt wie die von The Edge. Und "Lullaby" ist der Song, den Keane seit "Hopes and fears" nicht hinkriegen. A propos Krieg: "Marchin on" nervt mit Gleichschrittrhythmik und Backing Vocals, deren Urheber entweder Tarzan oder ein Junggesellenabschied ist. Entwaffnend geht dann doch etwas anders. Böse Zungen würden an dieser Stelle behaupten, dass OneRepublic zwei Drittel ihrer 15 minutes of fame schon hinter sich hätten. Aber fünf Minuten reichen ja dicke für einen guten Popsong. Und man ahnt, dass Tedder davon noch eine ganze Menge hat.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Good life
  • All this time
  • Waking up

Tracklist

  1. Made for you
  2. All the right moves
  3. Secrets
  4. Everybody loves me
  5. Missing persons 1 & 2
  6. Good life
  7. All this time
  8. Fear
  9. Waking up
  10. Marchin on
  11. Lullaby

Gesamtspielzeit: 47:38 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
umpf
2010-06-04 23:30:43 Uhr
auf dem Album(also mit technischer Unterstützung) mag das ja sein,aber live war das zumindest heute bei allen höheren Stellen doch ziemlich krumm und schief
Dan
2010-06-04 23:25:57 Uhr

finde schon, dass Tedder ein guter Sänger ist...

"Waking Up" höre ich immer noch gerne
umpf
2010-06-04 19:10:49 Uhr
wenn der Sänger denn singen könnte...
die höheren Stellen waren jedenfalls in einer Liga mit den legendären Aufnahmen von Enrique Iglesias
Robi-Wan
2010-06-04 18:23:04 Uhr
gerade bei Rock am Ring. ganz nett, für ein Festival gut geeignet.
Forum
2010-04-13 09:08:33 Uhr
Geht so.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum