Emily Loizeau - Pays sauvage

Emily Loizeau- Pays sauvage

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 09.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Auf dem Neulande

Die vorherige Reise trug sie bis ans andere Ende der Welt. Nun bricht Emily Loizeau in weitere bisher unerforschte Gebiete auf, diesmal ins "Pays sauvage", das wilde Land. Aufgewachsen in der Nähe von Paris, der Vater Franzose, die Mutter Engländerin - Loizeau lernte früh, zwischen den Welten zu wandeln und Neuland zu betreten. Genauso klingt auch ihr zweites Studioalbum nach dem Debüt "L'autre bout du monde". Die Enkelin der hochdekorierten Schauspielerin Peggy Ashcroft singt sowohl auf Französisch als auch auf Englisch und gibt sich mit dem, was die durchschnittliche Popmusik zu bieten hat, nicht zufrieden.

Stilistisch kämpft Loizeau an vielen Fronten gleichermaßen gut. Die Reise ins wilde Land führt die Französin von aufgedreht verspielten Jahrmarktsongs mit bonbonbuntem Kindergartenpotenzial wie "La femme à barbe" oder "The princess and the toad" über kunstvoll schwere Cabaret-Chansons wie "Fais battre ton tambour" und den Titeltrack . Bis hin zu zurückhaltenden, kleinen und von kaum mehr als Klavier und Violine gestützten Stücken wie "Songes". Dabei hat Loizeau nicht gespart und "Pays sauvage" mit ganzen 16 starken Liedern beladen. Jedes einzelne ist ein prachtvolles Zeugnis ihrer Klasse und Kreativität. Und auch als Gesamtwerk funktionieren die Songs hervorragend.

Ganz so couragiert, wie sich die Stücke geben, ist Loizeau letztendlich aber gar nicht. Die Gute hat sich nämlich nicht ganz alleine in die Wildnis aufgemacht. Stattdessen hat sie gleich einen ganzen Reisebus mit Freunden und Bekannten vollgemacht und ist mit diesen rausgefahren ins Land, um dort ihre selbsterkorene Hippie-Platte aufzunehmen. Zufällig saßen David Herman Düne und das französisch-amerikanische Folkkollektiv Moriarty auch in der Gegend herum und schlossen sich spontan dem fahrenden Völkchen an, um ihren Teil zu diesem aufgeregten, verspielten und warmherzigen Album beizusteuern.

Gegen Ende beruhigt sich das wilde Durcheinander mehr und mehr und schlägt melancholischere Töne an. Der Zirkuswagen hat Halt gemacht, die ganze Band sitzt zusammen um ein Lagerfeuer und spielt sich gegenseitig kuschelige Naturfolklore und Weltmusik vor. Bis spät in die Nacht hinein werden Töpfe malträtiert, Baumstämme gekratzt und Löffel geschlagen. Mit der Glut verglimmt auch der letzte Song "That little something", der eigentlich besser in eine rauchige Jazzbar als ans Lagerfeuer passt. Aber was jucken Loizeau Konventionen und die Vorstellungen anderer Menschen. Tief im wilden Land herrschen nun einmal andere Regeln als in der Zivilisation. Und ihre Spielfreude ist auf "Pays sauvage" einfach nicht zu zähmen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Fais battre ton tambour
  • La femme à barbe
  • In our dreams
  • Dis moi que toi tu ne pleures pas

Tracklist

  1. Pays sauvage
  2. Fais battre ton tambour
  3. Tell me that you don't cry
  4. Sister
  5. La dernière pluie
  6. Songes
  7. Coconut madam
  8. La femme à barbe
  9. The princess and the toad
  10. Ma maison
  11. In our dreams
  12. Dis moi que toi tu ne pleures pas
  13. La cœur d'un géant
  14. La photographie
  15. I'm facing a world of anger
  16. That little something

Gesamtspielzeit: 58:37 min.