The Death Letters - The Death Letters

The Death Letters- The Death Letters

Stag-O-Lee / Indigo
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The Orange Stripes

Die Vererbungslehre des Blues in drei Akten: 1926 entdeckt ein junger Mann namens Son House in Louisiana den schwarzen Sound, lernt Gitarrespielen und beeinflusste alsbald kommende Legenden wie Robert Johnson und Muddy Waters. Einer der Signature-Songs dieses Son House ist ein Slide-Blues namens "Death letter blues". 1988 stirbt der Musiker in Detroit. Akt zwei: In jenem Detroit eifert ungefähr seit der Jahrtausendwende ein gewisser Jack White seinem Lieblings-Bluesmusiker Son House nach, indem er eine Retro-Rumpel-Blues-Hexerei namens The White Stripes nur mit Schlagzeug und Gitarre zum Welterfolg führt. Akt drei: Zwei Niederländer namens Victor Brandt und Jordi Ariza Lora veröffentlichen 2009 an und kurz nach der Schwelle zur Volljährigkeit unter dem Namen The Death Letters ein gleichnamiges Debütalbum, das mit seinem krachigen Garagensound sofort Erinnerungen an eine Band namens The White Stripes wachruft. Auf ihrer MySpace-Seite geben sie Son House als Einfluss an. Leugnen wäre eh zwecklos.

Damit ist dann eigentlich auch alles gesagt: Vor zehn Jahren wäre "The Death Letters" eine Revolution gewesen, vor fünf Jahren in, heute wirkt es wie ein Nachzügler. "An ache in my brain", "I'll decay" oder "Simple soul" rumpeln daher retro-räudig und teil-punkig los, als gelte es, dem Trend hinterherzuspielen. Ab und an unterbricht das Duo seine Jack-White-Show, um Indie-Einflüsse und melodischere Passagen einfließen zu lassen. So liegt denn "On the run" irgendwie schief im Ohr, wie es da mit seinem lässigen Blues-Beat hin und her wiegt, darüber diesen seltsamen Indie-Gesang legt und dem Blues plötzlich eine Note Pixies oder gar Nirvana abringt, die da kaum zu erwarten war. Außerdem klauen die beiden für das Highlight "Easy moments [and] obsession" Pete Doherty das "Fuck forever"-Gitarrenintro, nur um daraus einen beinahe noch besseren Song zu machen; leider kommt der Refrain mit der unfassbar guten Strophe nicht ganz mit.

"Schizophrenic" startet stark mit saftiger Slide-Distortion (Son House grüßt hier deutlich), leiert aber gegen Ende ein bisschen aus, wie auch das ganze Album zum Schluss hin abfällt - nicht zuletzt, weil Sänger Ariza Lora seinen schmatzenden Fuzz-Licks und Zerr-Riffs gesanglich nicht vollends Paroli bieten kann. Zumindest den Bass vermisst man in all dem Geschepper und Gegrummel nicht. Dem souverän gespielten und gut in Szene gesetzten Album fehlt es manchmal nur an der zwingenden Hookline oder dem griffigen Refrain, der den Ansatz zu Ende denkt. Aber mit lässig groovendem Psycho-Blues der Marke "Crazy mind blues" ist durchaus einiges zu holen, falls sie ihn nicht wie in der melancholisch-melodischen Halbballade "The mirror" auf einmal fast völlig beiseite lassen und einen Indiesong hinbekommen wollen. Insgesamt dürfte sich so stabiles Erbgut gegen mutierte Pop-Albinos jedoch allemal durchsetzen. Rock mag tot sein. Aber Blues erlebt auch noch den vierten, fünften und sechsten Frühling. Und das sogar in Oranje!

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Easy moments [and] obsession
  • The mirror
  • Schizophrenic

Tracklist

  1. An ache in my brain
  2. Future visitors
  3. Easy moments [and] obsession
  4. Fading light
  5. The mirror
  6. I'll decay
  7. Crazy mind blues
  8. I'm a time bomb
  9. I must confess
  10. Simple soul
  11. On the run
  12. Schizophrenic
  13. Calling out the rain (Just to say that I love you)

Gesamtspielzeit: 44:30 min.

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