A Place To Bury Strangers - Exploding head

A Place To Bury Strangers- Exploding head

Mute / Rough Trade
VÖ: 06.11.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schmerz, verzerrt

Wir stellen es jetzt einfach mal so in den Raum: A Place To Bury Strangers sind für U2 mitverantwortlich. Natürlich eine Behauptung, die jeder Grundlage entbehrt. Aber so steht es in der Fibel für Plattentests.de-Autoren: Zu Anfang eines Textes erst einmal krude Thesen aufstellen, damit der Leser nicht sofort vor Langeweile wegklickt. Selbst wenn sie nicht immer hundertprozentig der Wahrheit entsprechen. Wahr ist allerdings, dass Oliver Ackermann, Gitarrist und Sänger des New Yorker Trios, einen florierenden Effektpedalhandel namens Death By Audio betreibt, bei dem viele namhafte Musiker ihr Equipment kaufen. Wilco oder TV On The Radio zum Beispiel. Und seit Neuestem auch The Edge.

Auch wenn Ackermann den Tränen nahe gewesen sein wird beim Gedanken daran, dass der berühmte Kunde vermutlich nur einen winzigen Bruchteil der tollen Geräusche aus dem Gerät holen wird, zu denen es imstande ist. Doch da nicht wenigen U2-Fans bei einem Album wie "Exploding head" das Wasser gleichfalls in den Augen stehen dürfte, einigen wir uns einmal auf Unentschieden. Natürlich nur, wenn es um Effektpedale geht. Denn auf einer Platte von A Place To Bury Strangers gibt es keine Kompromisse. Sondern Feedback, bis der Ohrenarzt schon gar nicht mehr kommt, weil er längst weiß, dass er eh zu spät dran ist. Oder im knietiefen Hallbad wütend um sich tretende Rhythmusmaschinen. Und auch darüber hinaus finden Ackermann und Kollegen im Studio stets noch etwas, das ordentlich Krach macht.

"It is nothing", will einem der Opener weismachen - und trampelt sich selbst im nächsten Moment mit überfallartigen Drones in Grund und Boden. Die Single "In your heart" exhumiert die einst für unnachahmbar gehaltenen, metallischen Terror-Twangs aus dem Hause Big Black zu durchdrehenden Maschinenrhythmen so überzeugend, dass sich bei den Aufnahmen eigentlich nur Steve Albini unter dem Mischpult versteckt haben kann. Hat er aber nicht. Statt dessen sitzt da der semi-legendäre Engineer Andy Smith und feixt mit Fiepen im Gehörgang vor sich hin. Wobei der Schmerz hier vielmehr psychisch als physisch ist - Ackermanns Gesang schwebt körper- und hoffnungslos durch den Raum, Songtitel wie "I lived my life to stand in the shadow of your heart" künden von bleierner Ausweglosigkeit.

Doch nicht alles ist Tinnitus und Verderben. "Deadbeat" etwa dröhnt mit grob zerknirschten Licks und straightem Tempo mit Macht aus einer verstrahlten Surf-Garage. Beim Titelstück darf man zu blubberndem The-Cure-Bass und ungewohnter Selbstbeschränkung im Sound gar einmal richtig durchatmen, bevor "Exploding head" zum Schluss in einer infernalischen Lärmschleife versinkt. Die Stimmungen aber bleiben gekippt und die emotionalen Zustände inhaltsleer: "I could try to make you stay / But the feeling's gone." Hier singt jemand, der nichts mehr will. Außer seine Vorstellung von entbeinter Rockmusik ohne Rücksicht auf zerplatzte Trommelfelle durchboxen. Und vielleicht noch ein paar Kracherzeuger an renommierte Kollegen verhökern. Vielleicht hören die dann endlich auf mit ihrem weltverbessernden Gesäusel. Das ist ja nicht zum Aushalten.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • In your heart
  • Deadbeat
  • Keep slipping away
  • Exploding head

Tracklist

  1. It is nothing
  2. In your heart
  3. Lost feeling
  4. Deadbeat
  5. Keep slipping away
  6. Ego death
  7. Smile when you smile
  8. Everything always goes wrong
  9. Exploding head
  10. I lived my life to stand in the shadow of your heart

Gesamtspielzeit: 43:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jeremy Pascal
2013-01-12 20:42:50 Uhr
Ihre beiden anderen sind noch nen Tacken besser, trotzdem Wahnsinnsalbum.

"Beste Soundhölle. Hab ich kaum übertroffen gehört."

Spielst du etwa auf Serena Maneesh an? :)
The MACHINA of God
2013-01-12 20:32:19 Uhr
Beste Soundhölle. Hab ich kaum übertroffen gehört.
I own the sky
2010-08-16 13:31:37 Uhr
allerdings :)
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-08-16 10:20:23 Uhr
Das ist aber auch ein grandioses Ding, dieses Album.
Dreamseller
2010-08-16 10:15:57 Uhr
Hehe, genau das mein' ich... ;)
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