Katatonia - Night is the new day

Katatonia- Night is the new day

Peaceville / Edel
VÖ: 06.11.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Begeisterung

Natürlich ist das Klischee, düstere Musik dürfe nur im Herbst oder Winter gehört werden, so ausgelutscht wie die vermeintliche Pflicht, derartige Klänge unter dem Kopfhörer genießen zu müssen. Aber ebenso natürlich passen diese Stereotypen wie die Faust aufs Auge auf eine Band, die seinerzeit letztlich nur durch ihre schwedische Herkunft davon abgehalten wurde, zu den "Peaceville Three" zu gehören, dem großen Triumvirat des englischen Doom-Death-Metal, namentlich Paradise Lost, Anathema und My Dying Bride. Insbesondere, weil die musikalischen Entwicklungen weg vom ungehobelten Todesblei zu feiner ziselierten Klängen durchaus parallel verlaufen sind.

Im Unterschied zu den Bands von der Insel waren Katatonia bislang jedoch imstande und in der Lage, die bis dato eingeschlagene Strategie fortzuführen und auszubauen. Und so ist es letztlich nur konsequent, dass an das Vorgängeralbum "The great cold distance", obwohl das kommerziell erfolgreichste im Backkatalog, nur wenig mehr als das Eröffnungsriff von "Forsaker" erinnert. Und was für ein Riff das ist! Donnernd reißt es die Verbindung zu "The great cold distance" nieder, um vom erneut verbesserten Gesang Jonas Renkses weitergetragen zu werden. Beinahe körperlos agiert die Stimme des Frontmanns als fünftes Instrument.

Hier und auf den folgenden beiden Tracks passieren nicht weniger als die emotionalsten, nahegehendsten, berührendsten Momente des Genres seit langer Zeit. Wenn Renkse im Refrain zu "The longest year" die Arme ausbreitet, kniet der Hörer ergriffen nieder. Für solche Melodien würden andere Bands töten. Ja, das ist bombastisch. Nein, das ist auf keinen Fall kitschig. Dass "Idle blood" auch auf der Opeth-Großtat zu "Damnation" als Highlight zu verzeichnen wäre, passt da nur ins schwarz gemalte Bild.

Denn "Night is the new day" ist immer noch Düster-Rock in reinster Form. Daran ändern auch die leicht frickeligen Polyrhythmen von "Liberation" nichts. Und wem bei den vor Kälte zitternden Keyboard-Klängen auf "The promise of deceit" keine Gänsehaut den Rücken herunterläuft, der dürfte selbst an der bandnamensgebenden psychomotorischen Störung leiden. Auch wenn Prognosen schwierig und Verallgemeinerungen immer schlecht sind: Mit dieser Platte reißen Katatonia die Verbindung zur Vergangenheit in weiten Teilen ab. Das ist auf der einen Seite mutig, auf der anderen Seite letztlich nur konsequent. Der Ton gewordene Hilfeschrei des Refrains von "Nephilim", dem wohl letzten reinen Doom-Song der Band, verhallt im Nichts. Und erst lange nachdem der letzte Akkord des zu Tränen rührenden "Departer" verhallt ist, wird der eingangs erwähnte Kopfhörer abgenommen. Ergriffen. Und doch begeistert.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Forsaker
  • The longest year
  • Idle blood
  • Departer

Tracklist

  1. Forsaker
  2. The longest year
  3. Idle blood
  4. Onward into battle
  5. Liberation
  6. The promise of deceit
  7. Nephilim
  8. New night
  9. Inheritance
  10. Day and then the shade
  11. Departer

Gesamtspielzeit: 48:38 min.

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User Beitrag
Wolfi
2011-01-29 22:10:57 Uhr
20 years of Katatonia going strong calls for a celebration and we’ll be doing just that by throwing five very special anniversary gigs in Europe this coming May presented as the ‘Last Fair Day Gone Night – An Evening With Katatonia’ tour 2011.

We’ve decided to play the entire ‘Last Fair Deal Gone Down’ album front to back as that’s the one album that got us true worldwide recognition for the first time, but 2011 is also the album’s 10th anniversary so re-visiting this album seems more fitting than any other record we’ve done. A second set will follow that will see us play a mix of tracks from the rest of our catalogue. We’ll be doing some fan favourites classics but also look into a couple of obscure B-sides and such that we’ve never or hardly played live before. Together you should get over two hours of live music on this last fair day gone night.

5. Mai 2011 in Köln / Stollwerk
toolshed
2010-04-05 05:04:04 Uhr
'Sold Heart': http://www.youtube.com/watch?v=PRgK7ipAxmI

War ein Song dieser Band jemals zerbrechlicher und einfühlsamer?

Der Rest der "The Longest Year EP" ist dafür völlig verzichtbar. "Sold Heart" sollte man aber keinesfalls verpassen!
toolshed
2010-03-29 05:26:26 Uhr
Mit Swallow The Sun sogar eine sehr ebenwürdige Band als Support!
8hor0
2010-03-29 01:22:54 Uhr
Fantastisches Konzert in Wien!

Setlist:

Forsaker, Consternation, Liberation, Day and then the shade, Onward into battle, Soil's Song, Wealth, Teargas, Saw you drown, Idle blood, My twin, The longest year, Criminals, July, Evidence, Tonight's music, For my demons, Disposession, Ghost of the sun

Support: Long Distance Calling und Swallow the sun - auch sehr gut!
Bonzo
2009-12-24 00:50:53 Uhr
Oberscheiße.
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