The Rumble Strips - Welcome to the walk alone

The Rumble Strips- Welcome to the walk alone

Island / Universal
VÖ: 20.11.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Versprochen ist versprochen

In Zeiten, in denen jeder dahergelaufene Jungregisseur meint, zunächst einen Horrorfilm, dann eine Romantic-Comedy, darauf ein Pixar-Anime, anschließend einen dramamödischen Historienschinken und letztlich einen Polit-Thriller hintereinander weg drehen zu können, kommen einem all die Schuster mit den Leisten, all die Genre-Päpste und -Handwerker doch mächtig verführerisch vor. Braucht es heutzutage wirklich keine Zeit mehr, um einen Stil zu finden, zu verfeinern, ein paar Meisterwerke abzuliefern, um schließlich den Blick über den Tellerrand zu wagen? Offenbar nicht. Fragen Sie mal den Einzelhandelskaufmann, der Fachkraft für Kulturkritik und nebenher selbstverständlich Grafik-Designer ist. Oder den Möchtegern-Romancier, der seine Zeit mit Plattenbesprechungen vertrödelt.

In diesem Zusammenhang erscheinen die Aussagen des Rumble-Strips-Sängers Charlie Waller nur zu passgenau. Demnach war das Debüt seiner Band wenig mehr als eine Notgeburt. Zu wenig Equipment, zu wenig Kohle, zu wenig des Zuviel - da hat man sich halt aufs Wesentliche beschränkt. Und eine Platte mit Musik vollgespielt, die man so eigentlich gar nicht machen wollte. Nach dem Erfolg von "Girls and weather" soll mit "Welcome to the walk alone" nun aber alles anders werden. Mehr Equipment, mehr Kohle, den Visionen standen Tür und Tor offen. Schön für die Rumble Strips. Als Hörer und Liebhaber des ersten Albums fühlt man sich jedoch ganz profan als Abfallprodukt eines Versprechens, das niemals gehalten werden wollte.

Nun beweisen Songs wie "London", "Sweet heart hooligan" und "Daniel" mit ihren groß aufspielenden Bläsersektionen, ihrem unterdrückten Ska und einem klarer hervorgeholten Soul, dass auch die Rumble Strips weniger aus ihrer Haut können, als sie es vielleicht angestrebt haben. Auch Wallers Stimme schraubt sich erneut trotzig, triumphierend und jungspundhaft nach oben, fährt aus der Haut, um sich fortan an sich selbst zu reiben. Und auch die Arrangements zerren immer noch am Mod-Punk, behalten dabei aber zum genau richtigen Zeitpunkt bloß noch lose Enden in der Hand. So dass man auf diesen Ebenen sagen darf: Es ist durchaus noch alles da.

Verlorengegangen ist allerdings der gewisse, ultraoffensive Vibe, der die Refrains des Debüts so vehement nach oben schüttelte. In der Tat nehmen sich die Harmonien und Leitmotive von "Welcome to the walk alone" vor allem in ihrer fordernden Lautsprecherei zurück. Werden von Streicherarrangements und einem in glasklare Balladen, edle Pop-Schunkler und Funrock-Stampfer aufgesplitteten Genre-Kosmos nach hinten gedrängt. Dabei kommt eine Platte heraus, die trotz hervorragender Lieder beständig den Arsch zusammenkneift. Und es zeigt sich, dass hier einst weniger durchaus mehr war. Ob sich die Rumble Strips mit ihrem Versprechen nur versprochen haben oder nicht - allzu wenig muss man sich von "Welcome to the walk alone" trotzdem nicht versprechen. So viel sei versprochen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Welcome to the walk alone
  • Daniel
  • Sweet heart hooligan
  • Dem girls

Tracklist

  1. Welcome to the walk alone
  2. London
  3. Not the only person
  4. Daniel
  5. Douglas
  6. Back bone
  7. Sweet heart hooligan
  8. Running on empty
  9. Dem girls
  10. Raindrops
  11. Happy hell

Gesamtspielzeit: 31:29 min.

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