Jamie Cullum - The pursuit

Jamie Cullum- The pursuit

Decca / Universal
VÖ: 13.11.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Streber

Lust auf 'ne Runde Trivial Pursuit? Bitte sehr: Was haben Faith No More und Jamie Cullum gemeinsam? Zugegeben, das ist keine Frage aus der Junior-Edition. Deswegen lautet die Antwort auch nicht: den Crossover-Ansatz. Obwohl Brite Cullum ebenso wie die amerikanische Band zwischen diversen Stilrichtungen pendelt - Jazz, Swing, Pop, TripHop, sogar Dance. Die richtige Lösung ist dann doch etwas kniffliger und lautet: Beide lassen ein Piano explodieren. Faith No More am Ende des Videoclips zu "Epic", Cullum auf dem Cover seines neuen, mittlerweile fünften Albums und im Video zu seiner hervorragenden Fassung von Rihannas "Don't stop the music". Der explodierende Yamaha-Flügel sei eine Metapher dafür, aus etwas Bekanntem etwas Neues zu machen, ließ Cullum in einem Interview verlauten. Er spielt nach eigener Aussage auch keine Coverversionen, sondern erschafft Neu-Interpretationen.

Von besagten Neu-Interpretationen gibt es auf "The pursuit" gleich vier: Cole Porters "Just one of those things", aufgenommen mit dem altehrwürdigen, fantastisch swingenden Count Basie Orchestra; "If I ruled the world", das nun eher nach Portishead als nach den bekannten Aufnahmen von Tony Bennett oder James Brown klingt; das erwähnte "Don't stop the music", bei dem Cullum sich vor allem auf die Darbietung einer gewissen Erotik in Text und Musik konzentriert hat; und "Not while I'm around" aus Steven Sondheims Musical "Sweeney Todd" - das einzige Stück auf "The pursuit", bei dem es einem anderen Instrumentalisten, nämlich Matt Chamberlain am Schlagzeug, gelingt, Cullums Piano kurz die Show zu stehlen. Etwas länger dauerte der Entstehungsprozess von "The pursuit", ganze vier Jahre sind seit der Veröffentlichung von Cullums letztem Studioalbum "Catching tales" vergangen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Fassen wir kurz zusammen: zwei Jahre Welttournee, eine Golden-Globe-nominierte Soundtrack-Arbeit für Clint Eastwoods Film "Gran Torino" und die Verlobung mit Sophie Dahl.

Zwischendurch fand Cullum dann aber tatsächlich noch Zeit, ein Dutzend Songs aufzunehmen - vornehmlich in Los Angeles mit Produzent Greg Wells, dem man nicht abnehmen würde, dass er sonst mit Katy Perry, Mika, OneRepublic oder Pink zusammenarbeitet. Überhaupt sollte man sich wohl von so einigen Vorurteilen verabschieden. Zum Beispiel von dem, dass Cullum ein von einem Majorlabel gepushter Hochglanz-Jazzpop-Bubi ist, der halt ein bisschen klimpern kann. Denn der Gute ist nicht weniger als ein sensationeller Pianist - und dazu noch ein exzellenter Sänger und Komponist. Die erste Single "I'm all over it", eine fröhlich federnde Popnummer, schrieb er in nur zwei Stunden, zusammen mit Ricky Ross von Deacon Blue. Setlists schreibt Cullum übrigens nie, er entscheidet bei Konzerten ganz spontan, was er spielt, und seine Band hat ihm dann zu folgen. Auch das feurige "You and me are gone" wirkt beinahe improvisiert, wie ein Mitschnitt einer exzessiven Latin-Jam-Session.

"Es irrt der Mensch, solang er strebt", so steht es in Goethes Faust. Cullum hingegen macht auf "The pursuit", seinem vielseitigsten, man könnte sogar sagen experimentellsten, auf jeden Fall aber besten Album, alles richtig. Er ist ein Routinier, der jedoch nie routiniert wirkt, sondern immer neugierig bleibt - auf den nächsten Akkord, den nächsten Tempowechsel, die nächste technische Raffinesse. Er lässt sich von sich selbst überraschen. Und komponiert nach wie vor besonders gerne gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ben: Dieses Mal das wunderbar treibende, beinahe coldplayeske "Wheels", das artverwandte "Mixtape", die Quasi-HipHop-Nummer "We run things" und das große Elektropop-Finale "Music is through", das in 7 Minuten und 7 Sekunden einen Tanzflächenbrand entfacht, den man Cullum nun wirklich nicht zugetraut hätte. Und er wagt sich noch weiter auf neues Terrain: "Love ain't gonna let you down" ist sein allererstes Liebeslied ohne ironisches Hintertürchen. Den eigentlichen emotionalen Höhepunkt liefert allerdings die filigrane Ballade "I think, I love", die den Charme einer Demo-Aufnahme besitzt, gleichzeitig aber ein hinreißendes Streicher-Arrangement von Altmeister Paul Buckmaster aus dem Hut zaubert. "The pursuit" ist ein wahres Vergnügen. Und alles andere als trivial.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Wheels
  • If I ruled the world
  • I think, I love
  • Music is through

Tracklist

  1. Just one of those things
  2. I'm all over it
  3. Wheels
  4. If I ruled the world
  5. You and me are gone
  6. Don't stop the music
  7. Love ain't gonna let you down
  8. Mixtape
  9. I think, I love
  10. We run things
  11. Not while I'm around
  12. Music is through

Gesamtspielzeit: 54:09 min.

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User Beitrag

Mr Oh so

Postings: 1220

Registriert seit 13.06.2013

2013-10-07 15:41:47 Uhr
Ne, eher so für Ü-60jährige!
Duda
2013-10-07 12:11:41 Uhr
Ist halt keine Musik für 15-jährige.
wow
2013-10-07 12:10:17 Uhr
kaum zu fassen, dass cullum hier im forum in allen threads so gnadenlos links liegen gelassen wird..
Leatherface
2009-11-21 17:15:18 Uhr
Beachtlich was er aus dem ollen Don't Stop the Music gemacht hat, Rest des Albums ist auch gelungen.
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