The Boxer Rebellion - Union

The Boxer Rebellion- Union

The Boxer Rebellion / ADA Global
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mittel und Wege

So ein digitaler Release ist schon eine komfortable Sache. Man kann sich alternativer Geschäftsmodelle rühmen, auf zwar kaum nachprüfbare, sich aber imposant lesende Platzierungen in den iTunes-Charts verweisen und den großen Plattenfirmen prima eine lange Nase drehen. The Boxer Rebellion aus London haben all das mit ihrem zweiten Album nach "Exits" aufs Gründlichste durchexerziert - und sich nun doch auf einen Vertriebsdeal für physikalische Tonträger eingelassen. Zugegeben: Kein allzu großes Wagnis für eine Band, die es binnen einer Woche auf über 500.000 Downloads gebracht hat. Erst recht nicht, wenn man das so unters Volk gebrachte Album einmal genauer betrachtet.

The Boxer Rebellion nehmen darauf nämlich ein ausgiebiges Schaumbad in allem, was Indie-Rock in den letzten Jahren so chartskompatibel und weitgehend idiotensicher gemacht hat. Domestizierte U2-Gitarren, um sich selbst rotierende Drumloops mit einer Extraportion Hall - idealer Nährboden für Nathan Nicholsons weit angelegten, zuweilen gen Falsett strebenden Gesang und hymnische Pop-Dramen wie "Flashing red light means go". Im bohrenden Stakkato des vergleichsweise ätzend vor sich hinlärmenden "Evacuate" schwingt dann ein wenig Placebo-Genervtheit mit, bevor elektronische Farbtupfer und luftiger Trommelwirbel die gröberen Stellen auf abgemildertes Post-Punk-Format zurechtschmirgeln.

Nicholson verkündet dazu in den höchsten Tönen, dass man bei Rot nicht stehenbleiben muss, meint das natürlich ausschließlich metaphorisch und entbindet den Hörer nicht von der Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr. Bisweilen halluziniert er gar Bedrohliches in die Songs hinein: "Dark forces are everywhere." Was vielleicht zutreffen mag - nicht jedoch hier. "Spitting fire" etwa tut alles andere als das, beherrscht aber das behutsame Handauflagen per raumgreifendem Zwirbelriff genauso gut wie das unaufgeregt marschierende, doch ungemein eindringliche "These walls are thin".

Genau genommen enthält "Union" natürlich literweise Pathos und potenzielles Radiofutter. Aber eben auch viele tolle Songs, mit denen The Boxer Rebellion auf die großen Arenen zielen, obwohl es bei allzu mühsamem Gedümpel wie "Misplaced" oder "The gospel of Goro Adachi" maximal fürs Fürther Playmobil-Stadion reichen dürfte. Revolutioniert werden hier also fürs erste eher die Vertriebswege als die Musik. Wobei immerhin alle Downloads erfolgreich abgeschlossen wurden und "Union" ein sehr ordentliches Album deutlich oberhalb der neuen Mitte geworden ist. Es muss ja nicht unbedingt gleich Schwarz-Gelb sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Flashing red light means go
  • Evacuate
  • These walls are thin
  • Forces

Tracklist

  1. Flashing red light means go
  2. Move on
  3. Evacuate
  4. Soviets
  5. Spitting fire
  6. Misplaced
  7. The gospel of Goro Adachi
  8. These walls are thin
  9. Forces
  10. Semi-automatic
  11. Silent movie

Gesamtspielzeit: 45:14 min.

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