Blue October - Approaching normal

Blue October- Approaching normal

Brando / Universal Motown / Universal
VÖ: 04.09.2009

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Schuld klopfen

In einem Jahr, in dem immer noch jeder über Michael Jackson spricht, weil er medienwirksam verstarb, ist es nur gerecht, wenn auch mal wieder an Elvis Presley erinnert wird. Dumm nur, dass der King of Rock'n'Roll ausgerechnet dann herangezogen wird, wenn über die Allerwelts-Rockband Blue October berichtet wird. Der Grund: Sänger Justin Fürstenfeld und sein Bruder Jeremy tragen Elvis' Gene. Kind of, denn sie sind seine Cousins sechsten Grades. Der Haken: Von Presleys Genie hat sich über die verzweigten verwandtschaftlichen Bande eher wenig herübergerettet.

Die Fürstenfeld-Brüder arbeiten sich seit 1995 zusammen mit Matt Noveskey, Ryan Delahoussaye und C.B. Hudson an einem prägenden Problem ab: Auf "Approaching normal" setzt zum jetzt schon fünften Mal die bipolare Störung ihres Sängers den Rahmen. Wer einen manisch-depressiven Sänger hat, wird sich hüten, ihn zu bitten, mal Gedanken an andere Themen zu verschwenden. Fürstenfeld krächzt daher ausgiebig seine platten Verse über Depression und Resignation, die sich bestens für blass geschminkte Teenies eignen. "A warm pathetic ocean flow, we have to live by." Pathetic, fürwahr. Der Sänger legt reichtlich Drama in seine trüben Allerweltsweisheiten, die mit der überbordenden Gefühligkeit in seiner Stimme jedoch kaum mithalten können. Das raue Geraune soll wohl Emotionalität simulieren, beeinflusst aber höchstens die Absatzzahlen von Hustenbonbons.

Schon im eröffnenden "Weight of the world" wirken Blue October wie Creed, denen man die Bibel abgezogen hat. "So I stole the pillowcase to clean this mess I made of someone's dream." Fürstenfeld beschreibt eigene Kontrollverluste und heuchelt dazu Betroffenheit. Selbst in der Reflexion als Songtext wird nur gejammert, anstatt das eigene Verhalten ändern zu wollen. Das Leben dient nur als armselige Ausrede. Apropos armselig: Smash Mouth hätten ein Kirmes-Getrümmer wie "Jump rope" wenigstens mit Ironie zu retten versucht, Blue October hingegen probieren's nicht einmal: "Up, down, up, down, up, down, up, down, yeah / It will get hard, 'cause life's like a jump rope." Häschen hüpf! Herr Kajalstift meint das aber ebenso ernst wie das selbstmitleidige Killers-Gedudel "Should be loved". Kindische Songtitel wie "Kangaroo cry" hält die Band wohl für tiefsinnig, und mit "Blue does" versenkt Fürstenfeld das Album nachhaltig im Baby-Kitsch.

Steve Lillywhite trimmte die abgegriffene Mixtur aus Neogrunge und Collegerock routiniert auf Formatradio. Eine Spur Gothic hier, ein Hauch Folk da - fertig sind okaye Mainstream-Schunkler wie "Say it". "Dirt room" und der theatralische Abschluss "The end" können immerhin mit Delahoussayes Geige aufwarten. Tiefgang erzeugt aber auch das nicht. Nach dem Platinerfolg des Vorgängers "Foiled" ist "Approaching normal" noch weiter verflacht. Aus jeder Note trieft abstoßende Berechnung. Das selbstbetroffene Getue des Fünfers aus Houston setzt jetzt auf dicke Eier. Und auf dicke Mandeln.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Dirt room

Tracklist

  1. Weight of the world
  2. Say it
  3. Dirt room
  4. Been down
  5. My never
  6. Should be loved
  7. Kangaroo cry
  8. Picking up pieces
  9. Jump rope
  10. Blue skies
  11. Blue does
  12. The end

Gesamtspielzeit: 48:05 min.

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