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Vitalic - Flashmob

Vitalic- Flashmob

Different / PIAS / Rough Trade
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hawn xi hadd hawn li jaf bl-ingliz?

Promozettel sind bekanntlich ein Tummelplatz anderweitig gescheiterter Gagschreiber. Der eine preist sein eigenes, selbstredend phänomenales Album damit an, dass er seit Jahr und Tag von Kirmes zu Kirmes ziehe, um den Schaustellern CDs anderer anzudrehen und nun endlich selbst eine der heißesten Scheiben des Jahres vorlege. Der andere knallt beim Versuch, den Künstler als den wichtigsten Musiker seit Erfindung der Tonleiter ins rechte Licht zu rücken, den Satz "He's a megastar in Malta" wie vier Asse auf den Tisch. Denn wenn man es in Malta in die erste Liga geschafft hat, so lautet eines der ungeschriebenen Gesetze des Showbusiness, dann gehört einem praktisch die ganze Welt.

Schraubt man das mal wieder auf menschliches Maß zurück, geht der so gepriesene Vitalic durchaus als einer der angesehensten Electroacts Frankreichs durch. 2001, als Electroclash die Welt eroberte, war auch Vitalic mit dabei und verantwortete mit seiner monströsen "Poney EP" ein wahres Kettensägenmassaker auf den Dancefloors. Bis zum Debütalbum "Ok cowboy" dauerte es danach zwar volle vier Jahre, dafür wurde die Platte von der Kritik gleich bis in den Olymp durchgewunken und dort neben Daft Punks "Homework", einen weiteren Zwölfender des Electrowesens, an den Kamin getackert. Seitdem sind erneut vier Jahre ins Land gegangen, in denen eine neue Generation Krach schlagender Electroacts nach kurzem, explosivem Ruhm mittlerweile schon wieder sturzbesoffen ins selbst geschaufelte Grab gesunken ist. Im Fahrtwind von Justice und Co. wollten auch die alten Electroclashhelden wie Miss Kittin & The Hacker, Fischerspooner oder Peaches mit neuen Alben wieder an alte Erfolge anknüpfen. Und nun ist auch Vitalic mit seinem Zweitwerk "Flashmob" zurück im Ring.

Und wie das so ist bei alternden Boxern, ist der Punch vielleicht nicht mehr der härteste, dafür hält man sich die jüngeren Kontrahenten mit Erfahrung und Köpfchen vom Leib. Wo die jungen Wilden oft wenig mehr zustande bringen als den Kompressor bis zum Anschlag aufzureißen, weiß Vitalic nämlich auch, woher das ganze Clubzeug eigentlich stammt. So stottert "Poison lips" vor sich hin wie ein gepimpter Giorgio-Moroder-Song, inklusive quietschiger 80er-Vocals und Rave-Synthies. Auch der Rest ist ordentlich auf Strom gebürstet, mal poppiger mit Gesang wie das seltsam quakende "One above one", mal als straighter Klopper wie "Terminateur benelux" oder als angetrancetes Zwischending wie "Second lives", unter das Vitalic obendrein noch eine sattsam bekannte, typische New-Order-Bassline schraubt.

Zwischendurch geht er mit dem entspannt in spacigen 70er-Keyboardschwaden dahinwabernden "Allen Dellon" auch mal vor die Tür eine rauchen und bleibt mit den Mädels gleich noch auf einen Cocktail draußen. Im Hintergrund greift "See the sea (blue)" das Thema aus dem Einstiegstrack wieder auf, bleibt aber anders, als es der Titel verheißt, eher farblos. Erst gegen Ende dreht der Track nach langem Geplätscher etwas auf für die anschließende Rückkehr in den Höllenschlund des Clubs.

So geht es noch ein paar Tracks weiter im steten Wechsel zwischen schnörkellosem Draufhauen und eher pathetischem Georgel für die Electrohouse-Anhänger. Und obschon niemand so klingt wie Vitalic, erreicht der Franzose damit nicht ganz die alte Form. Dazu müssten ein paar mehr geniale Momente her wie in "Still", das in kosmischer Verlorenheit schwelgende Synthesizer mit einem buckligen, speckigen alten Beat zusammenbringt, über den auch mal eine verstimmte, einsam vor sich hindaddelnde Gitarre hinwegstolpert, im Arm eine besoffene Blondine, die unverständliches Zeug lallt. So, wie maltesische Superstars eben rumlaufen um fünf in der Früh.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Poison lips
  • One above one
  • Still

Tracklist

  1. See the sea (red)
  2. Poison lips
  3. Flashmob
  4. One above one
  5. Still
  6. Terminateur benelux
  7. Second lives
  8. Allan Dellon
  9. See the sea (blue)
  10. Chicken lady
  11. Your disco song
  12. Station MIR 2099
  13. Chez septime

Gesamtspielzeit: 49:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
fish
2009-10-11 23:56:42 Uhr
Schade, dass es zu dieser Platte kein Review gab. Und schön, dass Arbez seinem Stil treu geblieben ist und nicht krampfhaft versucht hat, etwas neues zu schaffen - wie viele andere in dem Genre...

Flashmob ist für mich sowas wie OK Cowboy 2.0. Das Album tönt richtig fresh. Highly recommended!
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